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Mut und Hoffnung

„Schon das Material, das wir ganz zu Anfang gedreht haben, steckte so voller Mut und Hoffnung. Das war auch der Grund, warum ich diesen Film gemacht habe“, sagte die Regisseurin Viviana Uriona im Interview zum Preview Ende August in Berlin. Sachamanta bedeutet in der indigenen Sprache Quechua „vom Berg“ und bezieht sich auf den argentinischen Monte, eine karge Region im Norden des Landes, die geprägt ist von schwelenden Landkonflikten. Dort wurde der 50-minütige Dokumentarfilm mit dem Untertitel „Kommunale Radios in Nordargentinien“ gemeinsam mit der kleinbäuerlichen Bewegung Movimiento Campesino Santiago del Estero gedreht.
Aus dieser Zusammenarbeit ist ein Bewegungsfilm im besten Sinne des Wortes entstanden. Er lässt die Menschen, die seit über zwanzig Jahren in hundertfachen Kämpfen Widerstand leisten, ausführlich zu Wort kommen. Die prägnanten Aufnahmen fügen sich zu einem differenzierten Bild der Situation in der Region zusammen, in der dieser Film gedreht wurde.
Sachamanta besteht fast ausschließlich aus Interviews und kommt ohne Off-Kommentar aus. Viele der Aufnahmen wurden mit partizipativer Kameraführung gedreht, was man ihnen nicht ansieht. „Meine Idee dabei war, nicht nur etwas mitzunehmen, sondern die Leute in der Region vorher zu fragen: ‚Was braucht ihr und wobei würdet ihr gerne mitmachen?’“, erläutert Viviana Uriona die Wahl der Methode. „Kurz gesagt, es wird gemeinsam entschieden, was gedreht wird, und jeder und jede kann die Kamera selbst in die Hand nehmen.“
Entsprechend viel Raum nehmen die Landkonflikte in den Interviews ein, zu den Radios der Bewegung kommt der Film erst in der zweiten Hälfte. „Zunächst einmal wollten wir die Leute selbst erzählen lassen und das Material so wenig wie möglich dramaturgisch gestalten“, beschreibt die Regisseurin das Konzept. Wie wichtig die seit 2000 aufgebauten Radios für die Bewegung sind, wird trotzdem deutlich: „Früher wurden wir schlecht behandelt, wir wurden sogar als Guerilleros abgestempelt. Aber seitdem wir die Radios haben und über die Landkonflikte, unseren Alltag und unsere Kultur regelmäßig berichten können, werden wir anders wahrgenommen und auch anders behandelt. Die Außenwirkung der Bewegung hat sich um 180 Grad geändert“, so beschreiben es zwei der Radiomacher_innen.
Auch wenn ich mir insgesamt mehr Bildmaterial zu der mitreißenden Musik des jungen Argentiniers Raly Barrionuevo und eine weniger konventionelle Erzählstruktur gewünscht hätte, vermittelt der Film die klare Botschaft, dass Solidarität und Widerstand zu gemeinsamen Erfolgen führen. Beim Preview im Berliner Mehringhof stieß Sachamanta auf begeisterte Reaktionen. Von September bis November sind Kinovorstellungen in Berlin, Dresden, Leipzig und weiteren Städten geplant. Bisher geplant, wäre zu ergänzen, denn auch das Vertriebskonzept ist partizipativ. „Wer eine Vorstellung organisieren möchte, ist herzlich eingeladen, sich bei uns zu melden. Wir schicken dann einen Link oder eine CD“, erklärt Viviana Uriona.

Infos unter http://kameradisten.de/sachamanta/

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