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Topterrorist Posada Carriles

Sie konnten sich nicht länger dumm stellen. Am 17. Mai wurde der Berufsterrorist Luis Posada Carriles von Agenten der US-amerikanischen Einwanderungsbehörde verhaftet. Just an jenem Tag, an dem die Kampagne Kubas gegen den Bombenleger und seine Komplizen, die sich bekanntermaßen unbehelligt in Florida tummelten, mit einer Demonstration von über einer Million Menschen in Havanna ihren Höhepunkt erreicht hatte. Dabei war schon seit Ende März bekannt, dass sich Posada Carriles in den USA aufhält. Seit 1965 hatte der inzwischen 77-jährige Posada Carriles für die CIA gearbeitet und war in ihrem Auftrag in Venezuela, Guatemala, El Salvador, Chile und Argentinien aktiv. Zudem machte er sich als langjähriger Kämpfer gegen Washingtons Erzfeind Fidel Castro einen Namen. US-Präsident George W. Bush steht deshalb vor einem Dilemma. Einerseits will er nicht den Vorwurf nähren, im Kampf gegen den Terror mit doppeltem Maß zu messen. Andererseits will er auch nicht die politisch mächtige Gemeinde der Exilkubaner in Florida gegen sich aufbringen, zu der Posada Carriles glänzende Kontakte unterhält. Erst nachdem Posada Carriles seinen Asylantrag zurückgezogen hatte und zudem frech ankündigte, die USA auf illegalem Wege wieder so zu verlassen, wie er gekommen war, fühlten sich die Einwanderungsbehörden zum Handeln gezwungen. Wegen seiner illegalen Einreise wurde nun formell Anklage erhoben. Seine Terrorvergangenheit bleibt dagegen außen vor.
Wegen dieser haben sowohl Kuba als auch Venezuela von der US-Regierung die Auslieferung von Posada Carriles gefordert. Der Exilkubaner hatte sich einst damit gebrüstet, für das Attentat auf ein kubanisches Zivilflugzeug 1976 in Barbados verantwortlich zu sein, bei dem 73 Menschen ums Leben kamen. Inzwischen bestreitet er seine Täterschaft. Auch für den Anschlag auf ein Hotel in Havanna im Jahr 1997, bei dem ein italienischer Tourist ums Leben kam, gilt er als Drahtzieher. Venezuela fordert die Auslieferung, weil Carriles dort 1985 aus dem Gefängnis entwischte. Die Chancen für eine Auslieferung an Venezuela oder Kuba stehen indes schlecht.

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