Indigene | Mexiko | Nummer 567 – September 2021

„WIR WERDEN NIE VERSCHWINDEN“

Indigene feiern in Mexiko-Stadt 500 Jahre Widerstand

Am 13. August jährte sich die Ankunft der spanischen Konquistadoren auf dem Gebiet von Tenochtitlán zum 500. Mal. LN besuchten die Feierlichkeiten anlässlich des letzten Tages der Souveränität der indigenen Völker am 12. August 1521 und 500 Jahren Widerstand seit der Invasion

Von Johanna Shorack und Übersetzung von Sonja Schmidt

Fotos: Johanna Shorack

Der Hauptplatz von Mexiko-Stadt, der Zócalo, war Schauplatz von zwei Veranstaltungen zum Gedenken an die Ankunft der spanischen Konquistadoren in Tenochtitlán. Während die mexikanische Regierung den Tag mit internationalen Gästen, aber unter Ausschluss der Öffentlichkeit beging, feierten die mexikanischen Indigenen das Jubiläum des letzten Tages ihrer Souveränität, den 12. August 1521, und teilten ihre eigene Geschichte anlässlich des halben Jahrtausends Widerstand seit der Invasion.

„Wir wollen der Welt mitteilen, dass sie gekommen sind, um uns verschwinden zu lassen, aber dass unsere Traditionen dennoch weiterleben“, sagte Don German X, einer der wichtigsten Anführer der Xochimilca, auf der Veranstaltung. „Die indigenen Völker sind und waren immer da, sie werden nie verschwinden“, bekräftigte er. Für die Xochimilca und andere ist das Gedenken vor allem ein spirituelles und begann in der Nacht zum 13. August mit Mahnwachen und Zeremonien.

In Xochimilco, im Südosten der Stadt, standen die Tlahucas und Xochimilcas die ganze Nacht über auf dem Zócalo, dem Hauptplatz der Gemeinde, um sich auf den großen Tag vorzubereiten und Chinampero-Mais anzubieten (Mais, der von den prähispanischen Inseln in Xochimilco kommt, Anm. d. Red.). Am nächsten Morgen brachen sie auf, um an der großen Demonstration im Stadtzentrum teilzunehmen.

Am Morgen des 13. August marschierten Dutzende von Gruppen, insgesamt mehr als tausend Menschen, vom Monumento de la Reforma zum Zócalo, um dem Aufruf zum Gedenken an den Widerstand von Tenochtitlán zu folgen und ihre kulturellen und spirituellen Werte zu feiern. Unter den Anwesenden waren Gruppen aus der aztekischen, der Chichimeca- und der Conchero-Tanztradition, wie zum Beispiel Azteca Xochiquetzal, Azteca Conchera, Ameyaltonal, die indigenen Völker von Xochimilco und Morelos und viele mehr.

Auf dem Zócalo angekommen, umkreisten die Gruppen einen riesigen Blumenaltar, auf dem sie tanzten und Opfergaben darbrachten.

Die Xochimilca gehören zu den Indigenen, die sich jährlich am 13. August an der Maisaussaat auf den Chinampas beteiligen. Die Chinampas sind eine Gruppe prähispanischer Inseln, die wegen ihrer großen Bedeutung für die Landwirtschaft und die Artenvielfalt zum Weltkulturerbe erklärt wurden. Während der Zeremonie wurde der Mais von der Darstellung eines großen Axolótl begleitet, einer besonderen Amphibienart, die in den Chinampas beheimatet ist und ein lebendiges Symbol für den Widerstand dieser Menschen darstellt. „Unser Volk, unser Mais und auch der Axolótl sind vom Aussterben bedroht“, sagte Don Germán. Er erklärte, dass immer weniger Menschen den lokalen Chinampero-Mais anbauten. Jedes Jahr nehmen die Xochimilca an der Zeremonie am 13. August teil, um an den indigenen Widerstand ihrer Vorfahren zu erinnern und mit der Ausübung ihrer eigenen Traditionen Widerstand zu leisten.

Don Germán stellte abschließend fest, dass sein Volk alles in seiner Macht Stehende tun würde, um kulturelle und ökologische Probleme zu lösen: „Der 13. August ist nicht nur ein Fest, das Wesentliche ist der spirituelle Teil. Mögen wir als Menschen die Spiritualität, gemeinsam mit der Verantwortung, welche wir tragen, weiter kultivieren.“

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