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Angriff auf den Traum

Einmal muss ich ja bei meinem Traum ankommen.“ „Es gibt keinen Weg zurück, wir müssen weiter. Immer Richtung Norden“. Stelzners Film zeigt erschütternde Berichte von jungen Frauen und Männern auf der gefährlichen Reise Richtung USA mit der „Bestie“, wie sie den Güterzug nennen, auf den sie aufspringen, um Mexiko zu durchqueren. Fast 5.000 Kilometer sind es bis an die Nordgrenze. Die ganze Strecke verbringen sie festgekrallt an den Zugwagons. Nur wenigen gelingt die gefährliche Tour. Viele haben es schon mehrfach bis an die US-amerikanische Grenze oder sogar bin in die USA geschafft, wurden abgeschoben – und versuchen es erneut. Der Film zeigt Gesichter, aus denen Verzweiflung, Wut, Trauer und Hoffnung spricht, aber auch große Angst, Angst vor dem Weg, der noch vor ihnen liegt.
Eine Migrantin steigt total übermüdet auf den Zug. Seit vier Tagen hat die alleinerziehende Mutter nicht geschlafen. Mit letzter Kraft hält sie sich am Wagon fest, ihre geschwollenen Füße schmerzen, während des Interviews fallen ihr fast die Augen zu.
Immer wieder beziehen sich die Porträtierten, die MigrantInnen aus Nicaragua, Honduras, El Salvador und Guatemala auf ihren „Amerikanischen Traum“. Der Rap „Sueño americano“ der kubanischen Gruppe Anónimo Consejo ist dann auch die einzige musikalische Untermalung in dem Film.
Ein Migrant erklärt: „Nur etwa 5 Prozent schaffen es bis nach Mexiko-Stadt. Von den 800, die es täglich versuchen, erreichen nur vier bis fünf die USA.“ Francisco aus Nicaragua erklärt Hintergründe: „Migration wird nicht durch Abschiebeprogramme, wie sie die USA hier vollziehen, beendet, im Gegenteil. Der Reichtum ist schlecht verteilt, das ist das Problem unseres Planeten. Mit den Freihandelsverträgen und der weltweiten Globalisierung wird der Stärkere dem Schwachen immer überlegen sein, die Länder mit wenig Entwicklung werden in mehr Armut versinken,“ sagt er und macht sich auf den Weg nach Norden.
Stelzner filmt die Reisenden an den Schienen des Bahnhofs Tapachula – wartend. Plötzlich wird er Zeuge einer Razzia verschiedener Polizei- und Militäreinheiten und erlebt hautnah den „Plan Süd“, mit dem die USA Mexiko die Militarisierung und Kontrolle seiner Südgrenze finanzieren, damit die MigrantInnen gar nicht erst an die Nordgrenze gelangen. 200 MigrantInnen werden an diesem Tag festgenommen.
Dem Regisseur gelingt es außerdem, in der Migrationsbehörde und im Abschiebegefängnis Aufnahmen zu machen und dort mit den MigrantInnen zu sprechen. Drei Tage verbringt Stelzner in einer Herberge, in der Invaliden leben, Opfer der Bestie. Sie sind vor Müdigkeit vom Zug gefallen oder von Bandenmitgliedern, den „Maras“, hinuntergeworfen worden. So wie Esteban, der beide Beine beim Sturz auf die Gleise verloren hat, als er die Vergewaltigung seiner Reisegefährtin verhindern wollte. Seitdem lebt er in der Herberge. Für ihn ist der „Amerikanische Traum“ ausgeträumt. Und Noé aus El Salvador zeigt in seiner Person das ganze Drama der Situation an der Grenze. Mehrfach trifft ihn Uli Stelzner an, bis es zu einem tragischen Ende kommt.
Im März wird das Team um Uli Stelzner zu einer Vorführreise seines Films nach Zentralamerika und Mexiko aufbrechen. Auch zu den Orten, an denen die Dokumentation gedreht wurde. Mit einer großen Leinwand soll der Film auch an öffentlichen Orten gezeigt werden. Für Herbst 2007 ist dann noch eine sechswöchige Vorführ-Tour in den USA geplant.

Film in dt./span./eng. Fassung als DVD erhältlich bei: www.videowerkstatt.de

Weitere Filme von Uli Stelzner:
Die Zivilisationsbringer – Deutschtum in Guatemala (1999); Die Abenteuer einer Katze – Notizen einer Projektion in Nachkriegszeiten (2000); Testamento (2003)

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