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Ausdauernd und selbstbewusst

Es beginnt mit einer starken Frauenstimme voller Kampfgeist, mit einer donnernden Widerstandrede vor versammelten Landwirt*innen, die auch auf dem Bildschirm nichts an Kraft einbüßt. Der Film Ohne Rast. Ohne Eile von der Assoziation Kameradistinnen (Regie: Viviana Uriona) dokumentiert den Kampf argentinischer Landwirt*innen gegen multinationale Unternehmen, wie etwa Monsanto, auf eine ungewöhnlich optimistische Art und Weise.
Die Probleme sind bekannt: Während die reichen Industrienationen ihren ungeheuren Fleischkonsum kaum einschränken, dienen enorme Landflächen in Argentinien der westlichen Massentierhaltung als Futternapf. Ganze Gemeinden werden gewaltsam von ihren Territorien vertrieben – sie müssen dem Genmais und -soja Platz machen. Und natürlich deckt die argentinische Regierung Monsanto und Co. den Rücken.
Doch der Film verfällt weder in einen Katastrophentonfall, noch versetzt er die Zuschauer*innen in einen Zustand des wehmütigen Bedauerns. Hier gibt es keine bemitleidenswerten, armen Landleute, sondern eine gut organisierte und selbstbewusste Landbewegung, die mutig ihre Rechte verteidigt – gegen die Konzerne, aber auch gegen die korrupte landeseigene Regierung, von der sie alleingelassen wird. Die Campesin@s sind gebildet und politisch gut informiert, sie strahlen ein bewundernswertes Selbstbewusstsein aus, und lassen sich auch durch den kaltblütigen Mord an zwei Mitstreitenden nicht einschüchtern.
Dabei halten sich die Filmemacher*innen weitgehend zurück und lassen ausschließlich die Campesin@s sprechen – keine Erzählstimme, keine Kommentare aus dem Off. Die Stimme des Films ist die der Campesin@s. Was bei dieser Form leider zu kurz kommt, sind einige grundlegende Informationen: Wie heißen die Interviewten, wer sind sie? Erst im Abspann werden alle Namen aufgelistet, sind dann aber nur schwer zuzuordnen. Dadurch büßt der Film leider einiges an dokumentar-journalistischer Rigorosität ein. Auch die Geschichte eines Landverlustes wird nicht ganz zu Ende erzählt: ob das Land zurückgewonnen wurde, und wie die Campesin@s dabei vorgingen, bleibt offen. Was einen Spannungsbogen hätte bilden können, bleibt hier ungenutzt.
Die Stärke des Films liegt somit anderswo: Es gelingt die positive Darstellung eines eigentlich sehr traurigen Themas. Das westliche Publikum wird nicht in sanftmütiger Anteilnahme gewogen, sondern kann sich die Dargestellten zum Vorbild nehmen. So wird der*die eine oder andere Postwachstums-Anhänger*in in diesem Film einiges zu entdecken und zu lernen haben. Angefangen bei Entwürfen von Universitäten, die den Arbeitszeiten der Bauern und Bäuerinnen angepasst sind, einem autarken Lebensstil, bis hin zu einer Widerstandsform, die eine Mischung aus Abwarten und Handeln zum richtigen Zeitpunkt ist. Stetigkeit ist das Rezept dieses beeindruckenden Kampfes, der hoffentlich gewonnen wird.

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