Amazonien | Nummer 198 - Dezember 1990

BOMBEN FÜR DIE YANOMAMI

Wie man ohne ein Problem zu lösen zwei neue schafft

Nach den öffentlichkeitsträchtigen Bombardements etlicher illegaler Flugpisten der Goldsucher im Gebiet der Yanomami-Indios im brasilianischen Amazonasgebiet, hat sich deren Lage eher ver­schlechtert als verbessert. Ein Großteil der seit 1988 in Roraima aktiven etwa 50.000 brasilianischen „garimpeiros“ hat so ziemlich das Naheliegendste getan, um den Aktionen von Militär und Bundes­polizei zu entgehen: sie sind über die Grenze ins benachbarte Ve­nezuela gezogen und gehen nun dort ihren Aktivitäten nach. Verhee­rend dabei ist, daß auch der Süden des venezolanischen Bundesstaa­tes Amazonien Yanomami-Land ist. Ein anderer Teil des Gebietes ist Wasserschutzgebiet, da sich dort die Quellflüsse des ganz Vene­zuela durchziehenden Orinoko befinden. Das von den Goldsuchern ki­loweise in die Flüsse gespülte Quecksilber gefährdet damit prak­tisch die Wasserversorgung des gesamten Landes.

Dirk Hoffmann

Die Professorin Maria Helena Medina aus Venezuela schätzt die Zahl der illegal eingedrungenen „garimpeiros“ aus Brasilien bereits auf etwa 50.000 (!). Versorgt werden sie nach ihren Angaben überwie­gend per Flugzeug aus Brasilien. Indios der Region hätten aller­dings erklärt, daß bereits vor einigen Jahren die ersten brasilia­nischen Goldsucher in ihrem Gebiet aufgetaucht seien.
Mehr noch als um die Yanomami fürchtet Venezuela angesichts der niedrigen Bevölkerungsdichte und der geringen Präsenz des Staates im südlichen Bundesland Amazonien um seine nationale Integrität. Die Invasion der Goldgräber wird als Teil einer expansiven Amazo­nas-Politik Brasiliens interpretiert, die zu „ernsten diplomati­schen Problemen“ führen kann.
So ist es Präsident Collor unter Mitwirkung von Umweltstaatssekre­tär José Lutzenberger gelungen, das Problem der illegalen Goldsu­cher auf das Yanomami-Gebiet Venezuelas auszudehnen, ohne es für Brasilien zu lösen. Dies hätte nämlich bedeutet, Alternativen zu finden; für die Goldsucher einerseits und für einen dauerhaften Schutz des Yanomami-Landes andererseits. So steht beispielsweise die rechtlich einwandfreie Festlegung des Yanomami-Gebietes durch den Staat noch immer aus.
Die in die Slums von Boa Vista geflüchteten Goldsucher zumindest werden zurückkehren und die Flugpisten instandsetzen, sobald die Öffentlichkeit ihre Augen abwendet und das Militär seine spektaku­lären Bombardements einstellt. Um das Überleben der Yanomami zu sichern, von denen seit der Invasion der „garimpeiros“ vor 2 Jah­ren über 10% (!) an eingeschleppten Krankheiten und Hunger gestor­ben sind, müssen strukturelle Lösungen durchgesetzt werden. Daß der Völkermord an den Yanomami mit Militär-Aktionen à la Rambo nicht zu stoppen ist, müßte Umweltschützer Lutzenberger eigentlich klar sein.

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