Nummer 198 – Dezember 1990

Das lange verhandelte Abkommen zur “Concertación” zwischen Regierung und den hauptsächlich sandinistischen Oppositionsgruppen ist unterzeichnet. Gele­gentlich scherzhaft als “nicht-traditionelles Exportprodukt” gepriesen, verliert die “Concertación” bereits jetzt rapide an Marktwert. Gegenwärtig beherrscht das glatte Gegenteil der proklamierten “gesellschaftlichen Aussöhnung” Nicaragua: Ganze Landesteile sind praktisch besetzt von de(?)mobilisierten Contra-Käm­pfern, die Straße von Managua Richtung Atlantik ist an zahllosen Stellen mit Barrikaden unpassierbar gemacht, die Regionalhauptstadt Juigalpa sowie zahllose Gemeinden im Norden und Osten sind praktisch in ihrer Hand. Während der “starke Mann” der Chamorro-Regierung, der “moderate” Antonio Lacayo bereits mit dem Einsatz des – sandinistischen – Militärs gegen die Contras droht, ist er selbst zur zentralen Zielscheibe im Machtkampf der extremen Rechten geworden, die seine Absetzung fordern. Die extreme Rechte schließt ihre Reihen: Mit den derart aktiv gewordenen Contras als Fu゚volk formiert sich aus ihren Comandan­tes, dem Unternehmerverband COSEP, der alten Chamorro-Zeitung La Prensa, den konservativsten Teilen der katholischen Amtskirche und den rechtsextremen Teilen der UNO mit dem Vize-Präsidenten Virgilio Godoy an der Spitze eine neue alte Allianz mit neuem – die zu “lasche”, “versöhnlerische” Regierung – und altem Feindbild, den SandinistInnen. Ein machtvolles rechtsextremes Bündnis, das derzeit zur Großoffensive bläst. Was als Landkonflikte zwischen Contras und sandinistischen Kooperativen begonnen hatte, ist inzwischen zu einem politischen Kampf geworden, der rasant in Richtung Bürgerkrieg zu eskalieren droht.