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BRD: Neulich in deutschen Botschaften

So war es während der Zeit der Diktatur (als ja bekanntermaßen ausländische Botschaften die einzige Rettung fr Tausende Verfolgter waren), und so ist es auch noch heute. Dann kommt noch eine Ausweiskontrolle und ein System dop­pelter Tren, von denen die eine nur aufgeht, wenn die andere geschlossen ist, und schon bist du drin.

Kontakte mit Botschaftsangehörigen

Als erstes kannst du dich auf einer Landkarte im Flur ber die Grenzen deines Heimatlandes informieren. Und dann triffst du z.B. auf einen Miltärattaché mit hochgezwirbeltem Kaiser-Wilhelm-Schnurrbart, der (auch im Sitzen) strammsteht und sich, Hände an der Hosennaht, vorstellt als (schnarrender Kasernenton): Müller (Name von der Red. geändert), Oberleutnant der Deutschen Bundeswehr. So jemanden hast du noch nie kennengelernt, also versuchst du, ins Gespräch zu kommen, redest dies und das und erzählst schließlich auch, daß du vorhast, in den Süden Chiles zu fahren. Da leuchtet sein Auge unter den buschigen Brauen auf, denn dort liegt ja Puerto Varas, und da leben viele Deutsche, und da gibt es den Deutschen Verein. “Da mssen Sie unbedingt essen gehen, die Bedienung ist da deutsch, das ist eben was ganz anderes!” (Auch Franz Josef Strauß, Gott hab’ ihn selig, verkehrte übri­gens gerne da.)
Du reist dann später in den Süden, bringst es zwar nicht über dich, den Club Alemán zu betreten, mußt aber irgendwo bernachten und gerätst in die Pension Riga des Herrn Neumann, wo ber dem Kamin “In Treue fest” (geschnitzt in deutscher Eiche) steht, aber das nur nebenbei.
Es gibt verschiedene Motive, warum du so einen gastlichen Ort wie eine Deut­sche Botschaft in Lateinamerika betrittst. Ein Grund kann sein, daß die schwar­zen Umtauschkurse fr DM und US$ an keinen Ort des ganzen Kontinents so gnstig sind wie dort.

In der Deutschen Botschaft in Lima

In den peruanischen Anden wurde die Leiche eines (ausgeraubten) Gringos gefun­den, der als einziges Papier nur noch einen Ausweis des Deutschen Alpen­vereins (ohne Adresse, mit deutsch klingendem Namen) bei sich hatte. Die Bewoh­ner der kleinen Ortschaft, in deren Nähe man ihn auffand, wo man ihn hinbrachte, seine Sachen aufbewahrte und ihn schließlich bestattete, wandten sich viele Male an die Deutsche Botschaft in Lima mit der Bitte, ihnen zu helfen, die Angehörigen ausfindig zu machen und zu benachrichtigen, seine restlichen Habseligkeiten zu bernehmen und seinen Leichnam nach Hause transportieren zu lassen. Stereotype Antwort der Botschaft war, ein Alpenvereinsausweis beweise gar nichts, es läge kein Nachweis vor, daß es sich um einen Deutschen handle. Und weiter geschah nichts. Inzwischen gab es schon in den Touristen­zentren Perus (Cuzco, Arequipa) Suchplakate von den deutschen Angehörigen.
Als wir, deutsche TouristInnen, ca. fünf Monate nach dem Tod des Mannes nach Gesprächen mit den Bewohnern des Andendorfes die Botschaft aufsuchten und energisch darauf drängten, daß nun endlich etwas unternommen werde, redete man sich heraus, der Verantwortliche sei inzwischen nach Hongkong versetzt, man habe ja nichts machen könen, man wisse ja, “Die Peruaner lügen, wenn sie den Mund aufmachen” (wörtlich!), wer wisse denn, ob diese ganze Geschichte berhaupt stimmt? Die Angst stand ihnen im Gesicht, daß das alles ihrer Kar­riere schaden könnte. Später erfuhren wir in Deutschland, daß sie dann schließ­lich doch die Angehöigen informiert haben, die sich auch schon mehrfach an die Botschaft gewandt hatten.

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