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Die Familie in der Blechbüchse

In seinem preisgekrönten, halb dokumentarischen Film „Mundo grua“ ließ der argentinische Regisseur Pablo Trapero seinen Hauptdarsteller noch in ruhigen, schwarz-weißen Einstellungen bis nach Patagonien fahren. Diesmal treibt er eine Familie in bunten, teils hektischen Bildern in den Norden, bis an die brasilianische Grenze. Der Film erzählt von einer Großmutter auf dem Weg zur Hochzeit in der weit verzweigten Familie. Nichts weiter Besonderes. Aber das Fest ist am Rande des Landes. Und ein Dutzend Verwandte muss die Matriarchin begleiten. Alle sind in einem Fahrzeug unterwegs. Mit diesem Rahmen ist dann auch schon eine Geschichte über das Land und seine Bewohner komplett.
Die Großmutter soll Trauzeugin von einer entfernten Verwandten werden, deren Namen sie sich leider nicht merken kann. Da muss die ganze Familie natürlich mit. Nur die Haustierchen werden der Obhut der Nachbarin überlassen. Das Wohnmobil „Viking“ wird aus dem Schuppen gezerrt, vier Generationen hinein und auf die Straße nach Norden gepackt. Der Wagen frisst Sprit ohne Ende, die Verwandten rauben sich gegenseitig den letzten Nerv, die Maut verschlingt die Reisekasse, und die Polizei quetscht die letzten Ersparnisse aus der Familie heraus. Da kommen sich alle – meistens im Bordwaschraum – näher, als sie eigentlich wollen. Das Publikum lernt so die Darsteller sowie das Land am Rande der Straße etwas besser kennen. Die Entwicklung nimmt ihren wenig überraschenden Lauf und alle kommen ans Ziel, wenn es auch nicht immer das ist, das sie im Auge hatten.
Mit Laiendarstellern und halbdokumentarisch zu arbeiten zeichnet den Stil des neuen argentinischen Kinos aus. Auch in diesem Roadmovie gelingt es, mit diesem Vorgehen Situationen und Augenblicke jenseits der Bilderreigen der Kassenschlager einzufangen. Für die Darstellerin der Großmutter wählte Trapero seine eigene 84jährige Oma. Ihr hat er das Drehbuch auf den Leib geschrieben. Für die überzeugende Darstellung wurde sie bereits ausgezeichnet.
Der Regisseur entwirft in zahlreichen Großaufnahmen und mit unruhiger Kameraführung ein realistisches Bild einer alltäglichen Familie. Stimmig und mit Humor stellt er ihre Probleme und Sorgen dar und lässt jeder Person genügend Platz, dem Zuschauer vertraut zu werden.
Die meisten Familienmitglieder sind dabei vor allem mit einem beschäftigt: den Hormonen. Den eigenen, denen des Partners oder denen der Nachkommenschaft. Wie es das Stereotyp nun einmal vom Latino verlangt, erliegen alle ihren Emotionen, schaukeln sich In seinem preisgekrönten, halb
dokumentarischen Film „Mundo grua“ ließ der argentinische Regisseur Pablo Trapero seinen Hauptdarsteller noch in ruhigen, schwarz-weißen Einstellungen bis nach Patagonien fahren. Diesmal treibt er eine Familie in bunten, teils hektischen Bildern in den Norden, bis an die brasilianische Grenze. Der Film erzählt von einer Großmutter auf dem Weg zur Hochzeit in der weit verzweigten Familie. Nichts weiter Besonderes. Aber das Fest ist am Rande des Landes. Und ein Dutzend Verwandte muss die Matriarchin begleiten. Alle sind in einem Fahrzeug unterwegs. Mit diesem Rahmen ist dann auch schon eine Geschichte über das Land und seine Bewohner komplett.
Die Großmutter soll Trauzeugin von einer entfernten Verwandten werden, deren Namen sie sich leider nicht merken kann. Da muss die ganze Familie natürlich mit. Nur die Haustierchen werden der Obhut der Nachbarin überlassen. Das Wohnmobil „Viking“ wird aus dem Schuppen gezerrt, vier Generationen hinein und auf die Straße nach Norden gepackt. Der Wagen frisst Sprit ohne Ende, die Verwandten rauben sich gegenseitig den letzten Nerv, die Maut verschlingt die Reisekasse, und die Polizei quetscht die letzten Ersparnisse aus der Familie heraus. Da kommen sich alle – meistens im Bordwaschraum – näher, als sie eigentlich wollen. Das Publikum lernt so die Darsteller sowie das Land am Rande der Straße etwas besser kennen. Die Entwicklung nimmt ihren wenig überraschenden Lauf und alle kommen ans Ziel, wenn es auch nicht immer das ist, das sie im Auge hatten.
Mit Laiendarstellern und halbdokumentarisch zu arbeiten zeichnet den Stil des neuen argentinischen Kinos aus. Auch in diesem Roadmovie gelingt es, mit diesem Vorgehen Situationen und Augenblicke jenseits der Bilderreigen der Kassenschlager einzufangen. Für die Darstellerin der Großmutter wählte Trapero seine eigene 84jährige Oma. Ihr hat er das Drehbuch auf den Leib geschrieben. Für die überzeugende Darstellung wurde sie bereits ausgezeichnet.
Der Regisseur entwirft in zahlreichen Großaufnahmen und mit unruhiger Kameraführung ein realistisches Bild einer alltäglichen Familie. Stimmig und mit Humor stellt er ihre Probleme und Sorgen dar und lässt jeder Person genügend Platz, dem Zuschauer vertraut zu werden.
Die meisten Familienmitglieder sind dabei vor allem mit einem beschäftigt: den Hormonen. Den eigenen, denen des Partners oder denen der Nachkommenschaft. Wie es das Stereotyp nun einmal vom Latino verlangt, erliegen alle ihren Emotionen, schaukeln sich gegenseitig daran hoch und die Geschichte dem Höhepunkt entgegen. Man kann es dem Film vorwerfen oder hoch anrechnen – dem Regisseur gelingt es, mit sehr bewegten Bildern und unruhiger Kameraführung die zeitweilige Hektik bis in den Zuschauerraum zu transportieren. Zusammengepfercht in der rollenden Wohnmobilbüchse sieden die Familienmitglieder und mit ihnen ihre Gefühle vor sich hin. Zum Schmelztiegel der Leidenschaften wird dabei immer wieder die rollende Duschkabine.
„Es ist im Leben nicht immer so wie man es gerne hätte“, bemerkt dazu die Großmutter. Es geschehen eben „cosas de la vida“ – Geschichten, die das Leben schreibt: Ersatzteile für den 50 Jahre alten Wagen sind inzwischen zu Blumenkästen umfunktioniert worden. Die letzten wilden Gauchos nehmen sich das Gefährt auch noch als Zielscheibe vor. Alles ist teurer, aber das Auto braucht immer noch 20 Liter. Und die Oma immer nach wie vor sehr viel Aufmerksamkeit – alles wie früher also. Selbst die Zahnärzte passen sich der guten alten Zeit an und ziehen hier im Hinterland den Zahn eher, als dass sie lange bohren. Da passt es in Bild, dass die Straße irgendwann nicht mehr monoton in der Hitze flimmert, sondern vor allem durch ihre Abwesenheit glänzt.
Die Bilder – Groß- und Detailaufnahmen, kantige Schnitte, gefühlvoll inszeniert – tragen die Handlung. Man weiß, was kommt, sitzt mit der Familie in ihrer Sardinenbüchse und harrt der Dinge. Denn am Ende ist das eigentliche Ziel, den Weg miterlebt zu haben.
Alles in allem ein gelungener Film, der den Zuschauer so tief in den Mikrokosmos Familie hineinzieht, dass er – zusammen mit der Großmutter – erst am Ende aufatmen kann. Wenn die Familie wieder weg ist.

Familia rodante – Rolling Family,
Arg/Bra/F/D/E/UK (2003), 103 min., Regie Pablo Trapero.

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