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Die Geschichte der maras

Die Bürgerkriege in Nicaragua, El Salvador und Guatemala in den 80er und frühen 90er Jahren lösten große ImmigrantInnenströme in die US-amerikanischen Städte aus. In den Armenvierteln dieser Städte wie Los Angeles und New York bildeten die Einwanderer, die nach sozialem Halt und Schutz vor rivalisierenden Gangs anderer Ethnien suchten, bald eigene Banden.
Die Mara Salvatrucha (MS) wurde in den 80er Jahren in Los Angeles gegründet. Ihr Name ist wahrscheinlich eine Kombination aus trucho (klug) und salvadoreño, da die Gang ursprünglich rein salvadorianisch war. Später rekrutierte die MS aber auch hispanics anderer Nationalitäten.
Die Mara Dieciocho (M18) hat ihren Namen von der 18. Straße im Stadtteil Rampart von Los Angeles. Die M18 war ursprünglich eine ethnisch gemischte Gang, geriet aber bald unter mexikanische Führung.

Ausbreitung in Zentralamerika
Die mareros begannen verstärkt nach Mittelamerika zu gelangen, nachdem der US-Kongress 1996 eine Reform des Einwanderungsgesetzes verabschiedete und ein Gesetz beschloss, nach dem alle zu mehr als einem Jahr Gefängnis verurteilten AusländerInnen nach dem Absitzen ihrer Strafe ausgewiesen werden sollten. Mit Tausenden illegal in den Vereinigten Staaten lebenden SalvadorianerInnen wurden in der Folge auch einige Hundert Angehörige von Straßengangs abgeschoben. Allein in den letzten vier Jahren wurden außerdem nach Angaben des US-Ministeriums für Innere Sicherheit circa 20.000 ehemalige Verurteilte nach El Salvador, Honduras und Guatemala ausgewiesen, unter ihnen auch mareros.
Die Einwanderung von mareros aus den USA hatte im Zusammenspiel mit der Armut, der Arbeitslosigkeit und der sozialen Desintegration ehemaliger KämpferInnen aus den Bürgerkriegen eine rasche Ausbreitung der Mara Salvatrucha und Mara 18 in ganz Zentralamerika zur Folge. Mittlerweile bilden die freiwilligen oder unfreiwilligen RückkehrerInnen nur noch eine kleine Minderheit unter den mara-Mitgliedern, da in den Städten eine massenhafte Rekrutierung stattgefunden hat und stattfindet.
Während in Nicaragua noch eine Reihe eigenständiger, meist auf ein Armenviertel begrenzter Jugendbanden existieren, sind in El Salvador, Honduras und Guatemala heute praktisch alle clikas (Cliquen) mit der Mara Salvatrucha oder der Mara 18 vernetzt. Den einzelnen Cliquen, aus denen sich die Jugendbanden zusammensetzen, gehören je nach Schätzungen zehn bis sechzig Mitglieder an. Sie agieren in ihrem jeweiligen Revier fast völlig autonom.
Die Angaben über die aktuelle Zahl der pandilleros in Mittelamerika gehen weit auseinander, je nachdem ob man die Polizeibehörden befragt oder einer Untersuchung der Universidad Centroamericana und der Organización Panamericana de la Salud glaubt. Diese Zahlen liegen zwischen 70.000 und einer halben Million, wobei die meisten aus Honduras (36.000), El Salvador (zwischen 10.500 und 35.000) und Guatemala (14.000) kommen.

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