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Kubas heilende Hände

Seit Beginn der Revolution unterstützt Kuba linke Bewegungen und Regierungen. In den 1960er und 70er Jahren wurden Tausende Kubaner*innen nach Angola und in den Kongo entsandt, um den dortigen linken Freiheitskämpfer*innen auch militärisch zur Seite zu stehen. Anstoß hierfür gaben Che Guevaras Ideale der internationalen Befreiung. Bekannt sind die Einsätze unter dem Stichwort „Kubanischer Internationalismus“ geworden. Nach dem Zerfall des Realsozialismus konzentrierte sich Kuba auf Kooperationen im Gesundheitswesen und stellte die militärischen Einsätze ein.
Der Journalist Juan Carlos verbrachte eine Zeit mit Ärzt*innen der kubanischen medizinischen Mission in Venezuela. Er war Tag und Nacht bei ihnen, während sie aßen, sich unterhielten und lachten. Solche Situationen zeigen auch seine Fotografien – das alltägliche, einfache Leben von Menschen, die in den Augen vieler als Held*innen gelten. Eine Ärztin, die nach einem langem Fußmarsch durch die Berge zum Ort der Behandlung nichts weiter tut, als sich ihre schlammigen Schuhe anzusehen. Ein anderer Arzt, der auf einem Felsen sitzt, den Kopf in die Hände gestützt, mit einem Ausdruck von Müdigkeit oder Trauer. Eine weitere Person, allein, den Blick in die Ferne gerichtet. Einigen gefällt nicht, was diese Bilder zeigen. Für sie trüben die Fotos das für die kubanischen Ärzt*innen entworfene Bild der unbesiegbaren Kämpfer*innen.
Die kubanische Ärztin Carolina Rivera ist spezialisiert im Bereich Kinder- und Jugendmedizin. Von 2010 bis 2014 arbeitete sie als Teil der kubanischen Mission in Venezuela. „Es ist eine Erfahrung, an der du wächst. Es wird viel gearbeitet und alles ist sehr anders“, erinnert sie sich. „Man lernt sehr viel, sowohl was das Professionelle, als auch was das Menschliche betrifft. Natürlich vermisst man seine Familie und sein Land, aber man lernt auch andere Gewohnheiten und Lebensstile kennen. Und auch andere, spezifische Erkrankungen, die es hier nicht gibt.“
Rivera war in den Bundesstaaten Valencia, Caracas und Barinas stationiert. „Die Menschen in Venezuela sind noch nicht besonders erprobt im Umgang mit Themen rund um Gesundheit“, meint sie. „Wir mussten also auch Bildungsarbeit leisten: viel erklären und uns austauschen, um so die Entstehung von Krankheiten zu vermeiden. Denn meistens haben wir arme Bevölkerungsteile behandelt, die sich keine Medikamente leisten konnten.“
Rivera erzählt von Kindern, die an parasitären Erkrankungen gestorben sind, was in Kuba nicht denkbar wäre. „Einmal wurde ich an einen Ort berufen, an dem vier oder fünf Kinder plötzlich gestorben waren. Am Ende stellte sich heraus, dass der Grund hierfür Parasiten waren. In solchen Momenten wurde mir bewusst, wie wertvoll unsere kubanischen Errungenschaften im Gesundheitsbereich wirklich sind.“
Die Arbeit in Venzuela sei außerdem besonders hart gewesen, da das Land, im Unterschied zu Kuba, über kein ganzheitliches Gesundheitssystem verfüge und auch die Unterstützung der Gemeinschaft nicht so ausgeprägt sei, so Rivera. Auch ihre venezolanischen Kolleg*innen schockierten sie in vielerlei Hinsicht. „In einem Krankenhaus, in dem ich war, sah ich, wie die Ärzte die Patienten schlecht behandelten. Oder sie stellten lange keine Diagnose, damit sie die Behandlung in die Länge ziehen und mehr Geld fordern konnten. Manchmal waren sie kalt und teilnahmslos.“
Dass das kubanische Ärzt*innenepersonal aller Fachrichtungen hochqualifiziert ist, ist auch in den USA nicht unbemerkt geblieben. Im Rahmen des sogenannten Cuban Medical Professional Parole Program (CMPP) ködern US-amerikanische Botschaften in mehreren Ländern kubanische Ärzt*innen und fordern sie dazu auf, ihre Missionen abzubrechen und in die USA zu migrieren. Verschiedene private Kliniken und Netzwerke widmen sich der Auswahl von Ärzt*innen und der Organisation des Transferprozesses. Laut der New York Times haben mehr als 5000 kubanische Ärzt*innen bereits ihre Missionen abgebrochen. Der kubanische Professor Jesús Arboleya sieht das Programm als kontraproduktiv für Washington, insbesondere vor dem Hintergrund, dass nordamerikanische Funktionär*innen die Rolle Kubas im Kampf gegen Epidemien, wie aktuell Ebola, lobten. Um die kubanischen Ärzt*innen in ihren Missionen zu halten, müsste auch der Kontakt zu der Familie einfach sein, meint Carolina Rivera. „Telefongespräche mit den Personen, die du vermisst, können in bestimmten Momenten sehr viel bedeuten. Aber dies gestaltet sich dank der knappen Gehälter schwierig: Jeder Anruf kostet.“
Medizinische Dienste in anderen Ländern zu leisten ist für die Ärzt*innen aber auch eine Möglichkeit zur materiellen Entwicklung. Da die Gehälter oftmals höher sind als in Kuba, sparen die meisten von ihnen, beispielsweise auf ein eigenes Haus. Einige der durchlebten Erfahrungen rauben vielen jedoch jegliche Motivation, wiederholt in einer Mission zu arbeiten. Doch Carolina Rivera weiß, dass sie sich niemals dem Angebot widersetzen könnte, im Ausland zu praktizieren, unabhängig vom Standort. „Ich sage immer, dass ich geboren wurde, um Ärztin zu sein. Wo ich gebraucht werde, werde ich auch sein.“

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