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Cola trinkende Schneewittchen und Grenzüberschreitungen

Inspiriert von der Märchen- und Mangawelt versucht die Lyrikerin Jessica Freudenthal Ovando Tradition und Moderne zu verbinden. In ihren Gedichten mag Schneewittchen Cola, klingt Monogamie nach einem japanischen Gericht, mischt sich schwarzer Humor unter Popkultur, werden Geschlechterrollen uminterpretiert. Die Bolivianerin bricht mit der deutschen Märchentradition, die den lateinamerikanischen Kontinent erreicht hat. Die Rolle der Frau als zerbrechliche Prinzessin in auferlegter und festgesetzter Tradition, wird in ihrer Lyrik dekonstruiert und mit neuen Elementen aus der japanischen Märchenwelt und sensibler Erotik verbunden. Der humoristische Unterton mildert und versöhnt die aufbrandenden Bilder, die die Lyrikerin in ihren LeserInnen hervorruft.
1998 erschien ihr Gedichtband Azul. Es folgten weitere Lyrikbände und die erfolgreiche Teilnahme an verschiedenen Poesiewettbewerben. Sie arbeitete als Herausgeberin der Literaturzeitschrift El Mostro, und schreibt momentan in ihrem Blog für die bedeutendste Literaturzeitschrift Boliviens La Mariposa Mundial. Außerdem betreut sie ein Projekt für Kinderliteratur und unterrichtet Kreatives Schreiben.
Amaranta Caballero Prado schreibt nicht nur über Grenzen, sondern lebt auch an einer. 2001 kam sie nach Tijuana, um an ihre eigene Grenze zu gehen. Prado will Grenzen durchaus metaphorisch verstanden wissen: „Die verschiedenen Grenzen zu betrachten, die uns beeinflussen, nicht nur die geografischen Grenzen, sondern auch die Grenzen des Verstandes, die Grenzen des Bewusstseins und die Grenzen unserer selbst. Versuchen herauszufinden, wo genau diese Grenzen liegen und wann man von einer Grenze sprechen kann, oder nicht.“
Bevor die 33-Jährige zu schreiben begann, malte sie. Sie sieht sich selbst weniger als politische Dichterin, sondern vielmehr als Übersetzerin ihrer Umwelt. Ein Thema, das Amaranta Caballero Prado stets inspiriert ist das Alltägliche. Sie arbeitet zur Zeit an einem Buch, in dem verlorene und vergessene Objekte, die sie auf der Straße findet, auf dem Weg der Literatur wieder in die Realität und somit in unser Bewusstsein „zurückgeschrieben“ werden.

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