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Bacardi – die Macht aus der Finsternis

Wer kennt sie nicht, die paradiesisch anmutenden Bacardi-Filmclips, in denen sich junge Männer und Frauen freudestrahlend und lasziv um ein Glas Rum in kubanischem Ambiente bewegen. Hinter der Inszenierung dieser idyllischen, unsere westlichen Macho-Träume „befriedigenden“, vor allem aber den Kauf von Bacardi-Rum anregenden Bildern ist aber eine andere Realität versteckt.
Bacardi gehört seit Jahrzehnten schon zu den Hauptfinanziers reaktionärer und teilweise terroristisch agierender exilkubanischer Organisationen in Florida, insbesondere der Fundación Nacional Cubano Americana (FNCA). Schon vor der Revolution in Kuba 1959 war Bacardi in reaktionäre politische Machenschaften verstrickt und hatte seinen Hauptsitz in die Bermudas (dem berüchtigten Steuerparadies für zwielichtige Firmen) verlegt. Zwischenzeitlich waren sie auch bei den verdeckten US-Aggressionen gegen Nicaragua und Angola involviert.
In diesem Jahr erschien zum Thema die deutsche Übersetzung des hochinformativen Buches Im Zeichen der Fledermaus des argentinischen Publizisten Hernando Calvo Ospina, der darin die sorgsam „verborgene Geschichte“ des Konzerns darstellt. Es dürfte die europäische und hiesige Fachdebatte weiterbringen und den Adrenalinspiegel einiger Profiteure hochtreiben.
Ospina weist auf Grundlage unzähliger wichtiger Doumente und Publikationen nach, dass führende Persönlichkeiten von Bacardi immer wieder in reaktionäre politische Machenschaften verstrickt waren und in US-Regierungen und US-Kongress seit 1960 speziell gegen Kuba intervenierten, indem sie ihr Kapital und ihren Einfluss geltend machten. So kaufte der damalige Chef von Bacardi, José Pepin Bosch, Ende der 1960er Jahre alte Bomber und ein Schiff, um bewaffnete Terrorattacken gegen Cuba auszuführen. Ospinas Recherchen gehen sogar so weit, dass er ein Memorandum des Weißen Hauses vom 15. Juni 1964 mit dem Betreff „Ermordung Castros“ aufspürt, die finanziert durch Pepín Bosch von CIA und US-Mafia durchgeführt werden sollte.

Ideologischer Kampf auf Alkoholbasis

Während und nach der Ära Reagan wurde der Kampf von Bacardi gegen Kuba durch intensive Lobbyarbeit gegenüber Präsidenten, Abgeordneten, Nationalen Sicherheitsrat, Geheimdienste, FBI, Außenministerium zunehmend intensiviert. In einem elfseitigen Papier des FNCA-Vorstands von 1990, worin auch Aktionäre und Vorstandsmitglieder von Bacardi genannt sind, heißt es nach der Aufzählung antikubanischer Pläne in Fettdruck: „Wir schrecken vor nichts und niemandem zurück. Wir wünschen es zwar nicht, aber wenn Blut fließen muss, so soll es fließen.“
Auch bei der Durchsetzung der absurden antikubanischen US-Gesetze (Toricelli-Graham und Helms-Burton) spielten Bacardi-Personen eine gewichtige Rolle. Zudem „sorgen“ sie sich sehr um die Zukunft Kubas: Beispielsweise innerhalb der Blue Ribbon Commission on the Economic Reconstruction of Cuba – einer Organisation von Kubagegnern in den USA – machen sie sich Gedanken, wie Cuba in eine neoliberale Marktwirtschaft überführt werden könne. Sie gab an, für die Privatisierung der kubanischen Wirtschaft Käufer gefunden zu haben, die bereit seien, 15 Millionen US-Dollar für 60 Prozent des kubanischen Bodens und anderer Werte zu bezahlen – Kubaner wurden natürlich nicht dazu befragt. Es verwundert nicht, dass unter anderen Bacardi bevorzugt behandelt werden soll. Inzwischen gibt es aktuellere Pläne von FNCA und Bacardi-Persönlichkeiten, darunter deren Direktor Manuel J. Cutillas. Bei diesen Plänen mit von der Partie ist übrigens der vom amtierenden US-Präsidenten Bush als Lateinamerikabeauftragter eingesetzte Otto Reich, ein notorischer Kubagegner.
Eine neue Strategie versuchte Bacardi seit Mitte der 90er Jahre, indem sie zum Wirtschaftskrieg übergingen. Denn damals „sagte Bacardi dem französisch-kubanischen Konsortium Pernod-Ricard-Havana Rum and Liquors“ den Kampf an, um ihm das Recht auf das Markenzeichen Havana Club-Rum zu nehmen.“ Havana Club ist die am meisten aus Kuba exportierte Rum-Marke mit der besten Logistik und dem funktionsfähigsten Vertriebssystem, was nicht zuletzt dem Joint Venture mit der französischen Firma Pernod-Ricard zu verdanken ist. Havana Club ist im Sektor des kubanischen Rum-Exports die wichtigste Deviseneinnahmequelle und ist weltweit die bekannteste Rum-Marke. Daher ist diese Marke zur erklärten Zielscheibe antikubanischer Bacardi-Politik geworden.

Solidarität mit Havana Club

Seit Auflösung des Rates für Gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW) im Jahr 1990 benötigt Kuba noch dringender als zuvor Devisen. Durch politische und rechtliche Manöver, die internationalem Recht und juristischen Grundsätzen widersprechen, begann Bacardi – als Havana Club auf dem Weltmarkt Erfolge zu erzielen begann – seine Destruktionsversuche gegen die kubanische Marke. Unter Mithilfe reaktionärer US-Abgeordneter wurde 1998 speziell für (und auf Betreiben von) Bacardi eine Gesetzespassage (Amendment 211) geschaffen, die Bacardi nutzte, in den USA einen Rum namens „Havana Club“ zu verkaufen. Derzeit läuft dagegen noch ein Berufungsverfahren.
Als Reaktion auf diese spezielle Form der Aggression gegen die Wirtschaft Kubas wurden vor einigen Jahren in mehreren europäischen Ländern (unter anderen Großbritannien, Belgien) Kampagnen und Aktivitäten gegen die Machenschaften von Bacardi gestartet. Seither haben sie durch Aktivitäten der Solidaritätsgruppen in Spanien (SODEPAZ) einen neuen Schub erhalten. Heute sind auch mehrere deutsche Kuba-Solidaritätsgruppen aktiv, die ihre Arbeitskontakte ausgebaut haben.
Kürzlich hat beispielsweise die Freundschaftsgesellschaft Berlin – Kuba e.V. eine „Aktion gegen den Markenraub durch Bacardi (USA)“ erfolgreich durchgeführt (finanziell unterstützt von der Stiftung Umverteilen). Mit der geplanten Aktion sollte versucht werden, einen konkreten Fall unfairen Geschäftsgebarens öffentlich zu machen, der ein Beispiel der neoliberalen Globalisierung und der US-Embargopolitik gegen Kuba ist. Bei der Aktion ging es um die Verschickung eines Informationsbriefes, in dem über die unfairen und aggressiven Praktiken von Bacardi gegen kubanische Rum-Hersteller beziehungsweise deren Rum-Vertrieb aufgeklärt wurde. Der Brief wurde gezielt an etwa zweieinhalb-tausend Getränkehandlungen in Deutschland gesandt. Darüber hinaus wurden weitere deutschsprachige Kuba-Soligruppen, die ebenfalls an dieser Thematik arbeiten, beliefert mit der Bitte, die Briefe im lokalen und regionalen Umfeld an Getränkehändler zu verteilen. Erstaunlich viele Firmen reagierten überaus positiv und baten um weitere Informationen oder auch Aufkleber. In der Getränkehandelsszene hat die Aktion Aufsehen erregt, denn eine Politisierung und kritische Reflexion des Geschäftsgebarens von Konzernen ist dort eher unüblich.
Inzwischen verstärkt Bacardi seine Machenschaften auch in Deutschland, die original kubanischen Rum-Sorten mit aggressiven Mitteln vom Markt zu drängen. Dazu werden unter anderem gut dotierte Exklusivverträge mit Restaurant- oder Barbesitzern abgeschlossen: Nur noch Rum von Bacardi soll von diesen ausgeschenkt werden.
Die in Deutschland und anderen Staaten aktiven Gruppen gegen die antikubanischen Bacardi-Machenschaften verstehen sich als Teil dieser im Kontext der Globalisierungskritik wachsenden Bewegung. Mit den konkreten und zielgruppenorientierten Vorhaben wollen sie einen Beitrag zu einer Umsteuerung der heutigen neoliberalen Globalisierung und hin zu einer nachhaltigeren, fairen Konsumweise leisten.
Insbesondere das vorgestellte Buch klärt über die unglaublichen Machenschaften von Bacardi auf und eignet sich in hervorragender Weise als kleines Geschenk in den Sommermonaten, in denen kubanisches Ambiente per Mixgetränke wie Mojito auch in unseren Breitengraden nachempfunden werden soll.

Hernando Calvo Ospin: Im Zeichen der Fledermaus. Die Rum-Dynastie Bacardi und der geheime Krieg gegen Kuba. PapyRossa, Köln 2000, 154 S.,12,- Euro.

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