Bananen, Gras und friendly fire
Die Karibik nimmt den Fehdehandschuh der USA auf
CHIQUITA GEGEN EUROPA
Seitdem die Europäische Union (EU) die Gemeinsame Marktordnung für Bananen (GMO) am 1. Juli 1993 eingeführt hat, geriet sie zunehmend zum Zankapfel zwischen den USA und der EU. Die GMO sah einen Schutz der Bananenproduktion in den EU-Ländern Spanien, Frankreich, Griechenland, Portugal sowie in den Ex-Kolonien der Afrika-, Karibik- und Pazifikstaaten (AKP) vor. Um diesen Schutz zu gewährleisten, wurde ein kompliziertes Instrumentarium entwickelt, daß den Bananen aus diesen Ländern einen zollfreien Zugang auf den europäischen Markt ermöglichte, während die sogenannten Dollar-Bananen US-amerikanischer Konzerne aus Lateinamerika samt und sonders mit Zoll belegt wurden. Dabei wurden die ersten 2 Millionen Tonnen mit 20 Pfennig pro Kilo belegt, darüber hinausgehende Importe gar mit 170 Prozent Strafzoll.
Diese Benachteiligung stieß den US-amerikanischen Konzernen bitter auf. Während die Konzerne Dole und Del Monte mit einer geänderten Unternehmensstrategie reagierten und Plantagen in Afrika aufkauften sowie europäische Bananenhandelsgesellschaften übernahmen, um der Benachteiligung durch die GMO zu begegnen, schlug Chiquita Brands International eine andere Strategie ein. Schon seit Ende des Kalten Krieges waren in der Hoffnung auf den osteuropäischen Absatzmarkt die Plantagen in Lateinamerika ausgebaut worden. Die Nachfrage in Osteuropa blieb jedoch hinter den Erwartungen zurück und die GMO stellte nun einen weiteren Schlag ins Kontor von Chiquita dar. So setzte Chiquita um den Bananenkönig Carl Henry Lindner auf seine Verbindungen nach Washington. Der 79jährige Multimillionär zückte seine pralle Brieftasche und bedachte seine republikanischen Freunde, aber auch Bill Clinton und die Demokratische Partei mit Millionenspenden.
Das zeigte Wirkung. Die republikanischen Senatoren Bob Dole, Trent Lott und John Glenn schrieben Unterstützungsbriefe. Im April 1994 reichte der frühere Handelsbeauftragte und Clinton-Intimus Mickey Kantor den Fall zur Prüfung bei der Welthandelsorganisation (WTO) in Genf ein. Wenige Wochen darauf sollen auf den Konten der demokratischen Partei in zwei Dutzend Bundesstaaten eine halbe Million Dollar eingegangen sein – sämtlich aus den Kassen von Lindner und anderen Chiquita-Managern. Der Sprecher der Washingtoner Handelsbehörde Jay Ziegler wiegelte ab: „Das eine habe mit dem anderen nichts zu tun“. Wie auch immer, der Bananenstreit kam ins Rollen und die EU wurde von der WTO im September 1997 zur Nachbesserung aufgefordert.
Die revidierte Fassung ist seit 1.1.1999 in Kraft. Danach erhalten die AKP-Länder weiterhin zollfreien Zugang auf den EU-Markt und zwar in Höhe eines Kontingents von 857 700 Tonnen. Das Kontingent der Dollar-Bananen wurde auf 2,553 Millionen Tonnen aufgestockt, wobei pro Tonne 150 DM Zoll fällig werden. Abgesehen von den neu festgelegten Kontingenten besteht der zentrale Unterschied zur alten Marktordnung im System der Importlizenzen. Während es bis dato für europäische Importeure möglich war, nicht ausgeschöpfte Importlizenzen gewinnbringend weiterzuverkaufen, so ist dies nun untersagt.
Chiquita und damit der USA ging die Nachbesserung nicht weit genug, so daß noch vor dem nächsten Schiedsspruch der WTO am 12. April zur Vergeltung geschritten wurde. Unbestritten benachteiligt die GMO die amerikanischen Multis. Daß sich die Regierung der USA jedoch zum Büttel von Chiquita macht und dessen falsche Unternehmensstrategie mit allen handelspolitischen Mitteln zu bereinigen sucht, dafür gibt es nur ein Argument: Geld. So meinte Randall Robinson, Lobbyist einer Washingtoner Gruppe für die Belange der Dritten Welt, lakonisch, Lindner habe „Amerikas Politik gekauft“.

