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Bombón – El Perro

Spätestens seit dem preisgekrönten brasilianischen Film City of God sind halbdokumentarische Filme mit Laiendarstellern in Mode. Auch in Bombón – El Perro bedient sich Regisseur Sorin dieses Mittels erfolgreich und zeigt, dass es derzeit zu den Stärken des südamerikanischen Films gehört, Fiktion und Wirklichkeit zu verbinden.
Der Film porträtiert den 52-jäh-rigen Juan Villegas, einen arbeits-losen Mechaniker, der versucht, über die Runden zu kommen. Juan gelingt es trotz der Unsäglich-keiten, die ihm dabei widerfahren, seine Ruhe, Bescheidenheit und Freundlichkeit zu bewahren. We-der die Schwierigkeiten des Berufs – selbst gefertigte Messer verkaufen, korrupte Sicherheitsleute besänftigen, arrogante Arbeits-vermitt-ler aufsuchen – noch die des Alltags scheinen ihn zu verbittern: Obwohl die häusliche Not groß ist, als er bei seiner Tochter ein-ziehen muss, bleibt er der ruhende Pol in dem Haus aus Schreien und Zetern. In seiner gutmütigen Art versucht er, dem Arbeitsvermittler noch ein paar Messer zu ver-kaufen, als sich herausstellt, dass es sich wohl um einen der vielen Ausbeuter handelt. Und eines Tages nimmt er für seine Arbeit sogar eine wenig Vertrauen er-weckende Dogge in Zahlung.
Der Film ist ruhig erzählt und ganz auf die Laiendarsteller zugeschnitten. Nur einmal wackelt die Handkamera zu sehr, sonst sind die Gesten und Mimen stimmig eingefangen. Der Realität wird viel Platz gelassen, sich in Details darzulegen. Und von diesen alltäglichen Details abseits der Dialoge lebt die Geschichte.
Der argentinische Regisseur Sorin hat sich schon in Historias Minimas dafür entschieden, Produktionen des gegenwärtigen Independent–Kinos zu folgen und „sich im verschwommenen Grenzbereich zwischen Spiel- und Dokumentar-film“, wie er es nennt, zu bewegen. Er setzt auf reale Menschen an realen Schauplätzen mit realem Licht. Ob dadurch „die Manipulation und der Betrug des Kinos“ so eingeschränkt werden, wie Sorin glaubt, oder pseudo–dokumentarische Schicksale nur neue Trugschlüsse verursachen, sei dahingestellt.

Authentisch

Dass es dem Film gelingt, Akteure, Stimmung und Landschaft – auch dank der großartigen Musik – einfühlsam auf die Leinwand zu malen, steht aber außer Zweifel. Denn die Kamera fängt Augenblicke ein, die aus dem Moment entstanden. Die Schauspieler agieren glaubwürdig und man nimmt vor allem dem Hauptdarsteller ab, dass er unverstellt die Situationen so nachspielt, wie er sie erlebt hat oder empfindet.

Bombón – El Perro, Argentinien/Spanien 2004, 97 Minuten, Regie: Carlos Sorin, Kinostart: 4. August 2005.

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