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¡CubaníSImo!

Warum also in die Ferne schweifen, wenn über Berlin sieben Wochen lang die karibische Sonne scheinen wird? Aus mehreren Gründen wurde dieses Mal Kuba ausgewählt. Seit der Verabschiedung des Helms-Burton-Gesetzes in den USA, mit dem eine Verschärfung der Blockade durchgesetzt wurde und Firmen wegen ihrer verstärkten Investitionen auf der Karibikinsel bestraft werden sollen, ist das Land wieder auf den vordersten Seiten der Weltpresse zu finden.
Der Mythos Ché Guevara lebt 30 Jahre nach seinem Tod in unzähligen neuen Biographien, Büchern und Zeitschriften wieder zu neuem Leben auf. Auf der Suche nach seinem Leichnam graben neuerdings kubanische Spezialisten den Boden des kleinen, bolivianischen Dorfes Vallegrande um, das im Oktober zum Wallfahrtsort werden könnte, und reißen die Landebahn des Flughafens auf, da dort die Überreste des Revolutionärs vermutet werden.
Für immer mehr Menschen wird Kuba ein bevorzugtes Urlaubsziel, wodurch harte Devisen ins Land kommen, die bei der immer noch katastrophalen Lage überlebensnotwendig sind. 1996 besuchten erstmals über eine Million Touristen die Insel.
Aber der wohl entscheidende Grund für das diesjährige CubaníSImo! sind die Erfolge, die die kubanischen Rhythmen mit ihren afrikanischen, spanischen und französischen Einflüssen derzeit in der Welt feiern. Daß die Kubaner förmlich von Musik leben, zeigen offizielle Statistiken, wonach 12.000 Menschen als professionelle Musiker registriert sind, also keiner weiteren Beschäftigung nachgehen. Bei einer durchschnittlichen Bandgröße von 10 Mitgliedern gibt es demnach etwa 1200 Profigruppen, nicht hinzugezählt die unzähligen Amateurbands! Beweis ge-nug für das Zitat des kubanischen Schriftstellers Enrique Fernández: “Diktatoren, Imperialisten, Revolutionen, Embargos, Kapitalismus, Sozialismus, Tod – nichts und niemand kann diese Musik stoppen.” Nach den zwanziger und fünfziger Jahren gibt es nun die dritte Welle der kubanischen Weltmusik, die in Gestalt des Sommerfestivals bei uns angespült wird.
Allerdings ist es dieses Jahr nur fast umsonst. Da die Kosten nicht voll gedeckt werden konnten, wird ein Obulus von 3,-DM verlangt. Kinder haben aber nach wie vor freien Eintritt. Wer nicht dabei sein kann, hat die Möglichkeit, das Festival über Radio Brandenburg und Radio SFB4-Multikulti zu verfolgen.
Für diejenigen, die nach den Konzerten noch nicht genug Musik und Fiesta hatten, gibt es im Tränenpalast die AfterConcertParty im Club Azucar und eine HeimatKLÄNGE Steinreich Party mit special guest Ulla Meinecke.

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