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Das Ende der Kindheit

Rocío, ein etwa neunjähriges Mädchen vom Volk der Mam, lebt mit ihrer hochschwangeren Mutter und Großmutter auf einem Gehöft in einem Bergdorf in Guatemala. Als sich bei der Mutter eine Frühgeburt anbahnt, muss das Mädchen erstmals in ihrem Leben allein die Schafe weiden lassen. Für ihre Ängste und Zweifel, für ihre Träume und Fantasie findet sie bei ihrer Familie kein offenes Ohr mehr.
In La Casa más grande del mundo durchleben die Zuschauer*innen gemeinsam mit der kleinen Rocío ihren Zwiespalt zwischen früher Verantwortungsübernahme, Pflichtbewusstsein und Vernunft einerseits, kindlicher Gedankenwelt und Bedürfnissen andererseits. Man begleitet sie bei ihren Spielen und fantasiert mit ihr, wie es wäre, im größten Haus der Welt zu leben. Man erlebt, ebenso wie sie, die Angst vor der Heimkehr, als ein Lamm aus der Herde plötzlich verschwindet. Plötzlich ist sie auf die Hilfe von Nachbarskindern und Fremden angewiesen. Kann sie den hohen Erwartungen ihrer Mutter und Großmutter gerecht werden?
La Casa más grande del mundo schließt mit der Maya-Weisheit der Großmutter: Die Winde bauen sich hoch in den Wolken ihre Nester und bringen den Menschen Unbekanntes, mal Leben, mal Tod. Die kleine Rocío erfährt dies am eigenen Leibe – innerhalb eines einzigen Tages. Die Bilder der atemberaubend malerischen, kargen Bergwelt im guatemaltekischen Hochland, spärlich untermalt mit atmosphärisch stimmungsvoller Cello- und Gitarrenmusik, prägen diesen ruhigen, aber dennoch spannungsvollen Film. Sehr sehenswert.

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