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„Das ist unser Wasserreservoir“

Als am 25. August dieses Jahres im Dorf Agua Blanca die Forellen starben wurde den Bewohner_innen schlagartig bewusst, welche Auswirkungen das Gold- und Kupferminenprojekt Minas Conga für sie haben wird. Die Bohrungsarbeiten, die bereits in vollem Gange sind, haben die Wasserquellen des Dorfes zerstört. „Unser Dorf wurde sehr von dem Unternehmen Minera Yanacocha enttäuscht“, erzählt Milciades Atalaya aus Agua Blanca. „Am 25. August sind unsere Forellen gestorben, denn das Wasser war vergiftet. Das ist in den Jahren, die wir hier leben, noch nie passiert. Es gab immer viele Fische und Kröten, nie ist eine Forelle gestorben. Auch unsere Tiere tranken das Wasser.“ Die Forellen stammten aus der örtlichen Fischzucht, welche die Dorfbewohner_innen betreiben, um ihr mageres Einkommen aufzubessern. Alle im Dorf betreiben Landwirtschaft, leben von dem, was auf den Feldern wächst und vom Verkauf der Fische. Im Dorf leben rund 350 Menschen in kleinen, selbstgebauten Lehmhäusern.
Neben jedem Haus sieht man nun seit September auch neue blaue Wasserkanister. Am 19. September wurde durch Bohrarbeiten erneut der Fluss Río Chirimayo vergiftet. „Das Wasser färbte sich milchig. Eine Kuh trank das Wasser aus dem Auffangbehälter des Trinkwassers und starb“, erklärt Atalaya die Situation mit wütendem Blick.Das Unternehmen Minera Yanacocha gab den Dorfbewohner_innen daraufhin Wasser in Kanistern. Die Menschen stehen Schlange, um ihren Wasserkanister zu bekommen. Atalaya sieht die Verantwortung bei dem Bergbauunternehmen: „Minera Yanacocha möchte nicht mehr, dass wir unser Wasser benutzen. Es ist mit Substanzen der Bohrarbeiten vergiftet“. Am 20. September hätten sie wegen der Bohrarbeiten neben der Quelle erneut das Wasser verunreinigt. Wieder seien Fische gestorben und Minera Yanacocha habe das Wasser aus dem Fluss in große Zisternen abgepumpt, um es an einem anderen Ort zu entsorgen.
Die Bohrarbeiten für Minas Conga werden mit großen Maschinen durchgeführt, die tiefe Löcher bohren, 200 bis 400 Meter tief, manchmal auch tiefer. Ob dabei chemische Substanzen benutzt werden, ist ungewiss. Das Unternehmen Minera Yanacocha informiert die Dorfbewohner_innen nur ungenügend. Ingenieur_innen kamen und untersuchten das Wasser und die toten Forellen, aber die Ergebnisse wurden nie bekannt gegeben. Zwar hat Minera Yanacocha eine Dorfversammlung in Agua Blanca abgehalten, jedoch nur, um den Bewohner_innen zu sagen, dass sie von nun an ihr Wasser nicht mehr benutzen dürften. Auch wurde den Betroffenen nie erklärt, welche Auswirkungen der Gold- und Kupferabbau vor ihrer Haustür mit sich bringen wird.
Aber die Menschen ahnen Schlimmes, wissen von den ökologischen und sozialen Auswirkungen der Goldmine Yanacocha, 48 Kilometer nördlich der Stadt Cajamarca. Die Mine gehört ebenfalls dem Unternehmen Minera Yanacocha, welches zu 51 Prozent dem US-Amerikanischen Unternehmen Newmont Mining Coorporation gehört, zu 44 Prozent der peruanischen Firma Minas Buenaventura und zu 5 Prozent der Weltbank. Die Mine Yanacocha besteht aus fünf offenen Tagebauen, wo Gold per Zyanidverfahren gewonnen wird, was zu schweren Umweltproblemen führt. In Yanacocha werden circa 90 Tonnen Gold pro Jahr gefördert.
Gemäß des Regionalen Vizepräsidenten von Newmont, Thomas Savage, investiert Minera Yanacocha seit Anfang August 2011 täglich 6 Millionen US-Dollar in das Gold- und Kupferminenprojekt Minas Conga. Rund 32 Dörfer sind von dem Projekt betroffen. Im Jahr 2014 soll mit der Förderung von Gold und Kupfer begonnen werden, die rund 19 Jahre andauern soll, dann werden sich die Vorräte erschöpft haben.
Atalaya ist nicht der einzige, der sich über das Projekt beschwert: „In Agua Blanca sind die Leute sehr unzufrieden. Sie wollen keine Mine hier, denn hier befinden sich die Bergseen und die Feuchtgebiete“, so Atalaya. „Minera Yanacocha möchte die Seen von einem Ort zu einem anderen umsiedeln. Damit ist die Bevölkerung hier nicht einverstanden. Denn das ist unser Wasserreservoir“.
Zudem werde Minas Conga wie ein heimliches Projekt betrieben und habe keine soziale Lizenz von der Bevölkerung. „Sie haben auch keine Umweltstudien durchgeführt und die Seen nicht begutachtet. Das machen sie einfach nicht. Aber wir wissen von den Seen und dass es dort viele Fische gibt. Früher war das Wasser hier überall ganz sauber, wir konnten sogar direkt vom Fluss trinken ohne krank zu werden. Wir wollen nicht, dass sie die Seen umsiedeln, die Seen müssen hier bleiben“, erzählt Atalaya.
Julio Catregón, ein anderer Dorfbewohner, fügt hinzu: „Es stimmt, dass sie 22 Bergseen und auch die Feuchtgebiete zerstören wollen. Und deswegen werden wir die Seen verteidigen. Wir wollen einen verantwortlichen Bergbau“. Im Distrikt Sorochuco und in der Provinz Celendín sind ungefähr 10.000 Menschen direkt und indirekt von dem Minenprojekt betroffen.
Milciades Atalaya berichtet auch von Betrug: „Sie haben die öffentliche Anhörung, die im Rahmen der Umweltverträglichkeitsstudie stattfindet, mit anderen Leuten gemacht, nicht mit der betroffenen Bevölkerung. Sie fand in La Encañada statt, wo nur fünf Prozent der Betroffenen leben und Minera Yanacocha brachte fremde Leute an den Ort“. Diese hätten alle unterschrieben, um ein Mittagessen zu bekommen. Die Dorfbewohner_innen wussten jedoch nicht, dass es Unterschriften für die öffentliche Anhörung waren. „Und die, die protestieren wollten, hatten Angst, denn alles war voll mit Polizei. In den Hügeln waren sie mit ihren Tränengasbomben und Gewehren. Ich weiß nicht, was mit unserem Peru los ist …“ Atalaya schüttelt den Kopf und schweigt.

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