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Der etwas andere Samba

Ende der 80er Jahre teilte sich die musikalische Anhängerschaft in Belo Horizonte, im Bundesstaat Minas Gerais, in zwei große Lager auf. Die einen favorisierten den wohl bislang international erfolgreichsten musikalischen brasilianischen Export „Sepultura“, wobei der andere Teil Fans des „Clube da Esquina“, eine Gruppe musikalischer Freunde um Milton Nascimento und Beto Guedes, waren. Die vier Musiker Samuel Rosa, Henrique Portugal, Lelo Zanetti und Harold Faretti gehörten keinem der beiden Lager an und waren simple Barmusiker, die gelegentlich unter dem Namen Skank auftraten. Mit den ersten Ersparnissen aus diesen Auftritten wurde dann auch das erste Album „Skank“ aufgenommen, was hauptsächlich der Promotion diente, um die Gruppe überregional bekannter zu machen. Daraufhin meldete sich eine Plattenfirma, die sich bereit erklärte, das Album neu zu mischen und offiziell auf den Markt zu bringen. Ergebnis war der Verkauf von 150.000 Alben und die Auszeichnung „Bestes nationales Album“ von der nationalen Musikpresse.

Reggae statt Samba

Schon auf den ersten Aufnahmen der Band war deutlich zu hören, daß sich die musikalische Affinität der vier Musiker stark in Richtung Reggae und Dancehall bewegte. Dabei gelingt es Skank aber immer wieder, Originalität und Innovation zu bewahren und ihre musikalischen Einflüsse geschickt zu verarbeiten, so daß das Endprodukt einen eigenständigen Charakter besitzt. So bestechen die Stücke durch eine Mischung aus elektronischem Pop-Reggae im Stile von Sly & Robbie, Dancehall-Rhythmen und humorvoll bis zynischen Texten in brasilianischen Portugiesisch.
Diese Stilmischung erwies sich auch auf dem im Jahre 1994 veröffentlichten zweiten Album „Calango“ als absolutes Erfolgsrezept. Gleichzeitig spielte die Band in diesem Jahr knapp 200 Konzerte und etablierte sich als eine der erfolgreichsten Bands Brasiliens. Höhepunkt war das von der Band organisierte „Hollywood Rock Festival“, bei dem die Gruppe ihren hohen Stellenwert in der brasilianischen Musikszene unter Beweis stellte. 18 Monate nach der Veröffentlichung von „Calango” wurde das Album in Brasilien mit Doppel-Platin ausgezeichnet, während Skank schon wieder an der nächsten Veröffentlichung bastelten.
„O Samba Poconé“ (Sony Music), der Anfang 1997 erschienene dritte und aktuelle Tonträger baute den Erfolg von Skank nicht nur aus, er übertraf bei weitem alle Erwartungen. So besteht das Album quasi aus elf aufeinander folgenden Hits, die nicht nur auf internationalem Standard produziert, sondern auch zum ersten Mal weltweit vermarktet worden sind.

Mit dabei: Manu Chao

Zudem arbeiteten Skank auf diesem Album das erste Mal mit befreundeten Musikern, so ist u.a. Manu Chao, ehemals Sänger der franko-hispanischen Formation Mano Negra (siehe LN 295), auf mehreren Stücken stimmlich vertreten. Die erste Single-Veröffentlichung „Garota Nacional“ wurde in Lateinamerika mit Begeisterung aufgenommen und stieg bis auf Platz eins der spanischen Charts. Damit waren Skank die ersten brasilianischen in portugiesischer Sprache singenden Künstler, die diesen Platz in einer europäischen Hitparade belegten. Es folgte eine restlos ausverkaufte Tournee durch Lateinamerika, welche die Gruppe zu dem Pop-Phänomen des sechstgrößten Musikmarkts weltweit machte.
Eine besondere Ehre für die vier fußballbegeisterten Musiker aus Belo Horizonte war die Veröffentlichung ihres Stücks „É Uma Partida de Futebol“ als offizielles Lied der brasilianischen Nationalmannschaft zur WM 1998 in Frankreich.
Es bleibt also abzuwarten, ob es Skank in diesem Jahr schaffen werden, ihren Erfolgskurs auch auf den europäischen Musikmarkt weiter auszudehnen. Vielleicht finden sie dabei ja auch den Weg nach Deutschland.

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