Nummer 202 - April 1991 | Panama

Der Noriega-Prozeß im Vorlauf

Mit dem juristischen Verfahren gegen die propagandistisch so pompös aufgebauten Feinde haben es die USA – einer Weltmacht, was einer Weltmacht gebührt – weniger eilig als mit dem militärischen Schlag gegen sie. Und so liegt es nun mittlerweile schon einen Krieg zurück, seit sich Panamas Machthaber aus seiner Zuflucht in der Nuntiatur des Vatikans in Panama-Stadt den US-Truppen ergab, doch der Prozeß gegen diesen invasionswürdigen Schwerverbrecher steht noch immer aus. Ein Anfang ist jedoch gemacht: Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit ergingen am 19. März in Miami die ersten Urteile gegen Mitangeklagte Noriegas.

Bert Hoffmann

Die beiden Angeklagten, der Immobilienhändler Brian Davidow aus Miami und der kolumbianische Yachtvermieter William Saldarriga, wurden der Verschwörung und des Schmuggels von 732 Pfund Kokain schuldig befunden, ihnen drohen Gefängnisstrafen bis zu 30 Jahren. Im Tausch für die Drogen sollen Davidow und Saldarriaga, so die Anklage, der kolumbianischen Guerilla rund 1.000 M-16-Gewehre beschafft haben – ein Deal, bei dem Noriega tatkräftig mitgeholfen haben soll.
Das Verfahren gegen die ersten Angeklagten im „Noriega-Komplex“ beschrieb die liberale Washington Post allerdings als „full of mystery“. In dem wohl spektakulärsten „Zwischenfall“ des Prozesses stirbt am 27. Februar der von der US-Regierung als „Star-Zeuge“ aufgebaute Drogenhändler Ramón „El Turco“ Navarro bei einem Verkehrsunfall, just einen Tag bevor die Zeugenanhörungen beginnen sollten. Die Zeugen – darunter sieben verurteilte Drogendealer und vier Gefängnisinsassen – würden einer „Galerie der Unterwelt“ Ehre machen, befindet die Post. Und die meisten der Angeklagten können als „Kronzeugen“ mit ihren Aussagen und der fleißigen Belastung der Mitangeklagten – insbesondere Noriegas natürlich – ihr eigenes Los erheblich erleichtern.
So ist es kein Wunder, daß in den Zeugenaussagen der dreiwöchigen Verhandlungen in Miami immer wieder der Name Noriega fiel. Und dies ist offensichtlich ganz im Sinne der Washingtoner Politiker: Für die Anklage gegen Noriega, er habe für 4,6 Millionen Dollar Bestechungsgeld vom Drogenkartell in Medellín Panama in ein Drogen-Eldorado und die Drehscheibe der Kokainlieferungen in die USA verwandelt, ist die juristische Beweislage alles andere als üppig; und so wird der für den 24. Juni angesetzte Prozeß gegen Noriega selbst wohl ganz wesentlich mit diesen Aussagen aus den vorgeschalteten Verfahren gegen „kleine Fische“ wie Davidow und Saldarriaga bestritten werden.

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