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El Mariachi

Statt der Gitarre befinden sich im Kasten des edlen Milchmariachi plötzlich schwerste Feuerwaffen, die er nur mit größter Mühe wieder loswerden und gegen seine heißgeliebte Gitarre wieder eintauschen kann. Da gilt es noch kurz ein paar Gegner zu erschießen, wilde Verfolgungsjagden zu bestehen, sich an Telefonschnüren Tarzan gleich durch die City zu schwingen und die vermeintliche Rettung auf einem Pick-up zu finden, um dann dem Gegner vor die Haustüre gefahren zu werden. Doch keine Sorge, auch diese Szene kostet den Helden nicht den Kopf, und das gefrorene Blut wird gleich wieder flüssig.
Gut drauf sind die Frauen. Die Gefängniswärterin, ein strammes Weib, die weiß, wie sie zu (Schmier-) Geld kommt. Die drei vergnügten Girls, die schnatternd und immer züchtig zugeknöpft im Bett auf ihren (bösen) Helden warten. Aber wehe, ein anderer versucht sein Glück, der hat nichts zu lachen. Und natürlich die schöne Domino, die sich vom bösen Bösen aushalten, ihn aber nicht an sich ranläßt. Sie ist die einzige, die es schafft, das Corona Bier korrekt zu servieren. Auch El Mariachi versucht sein Glück bei ihr, sie gewährt ihm Unterschlupf, doch statt der erhofften nächtlichen Zärtlichkeiten erwacht unser Barde mit Alpträumen und dem hechelnden Maul eines Pitbull überm Gesicht, denn der Hund des Frauchens Domino kennt keinen Spaß.
Der Filmemacher Roberto Rodriguez ist 24 Jahre jung und hat inzwischen einen Vertrag von Columbia Pictures in der Tasche. El Mariachi ist ein Low-Budget Film, nur ganze 7000 US Dollar hat er gekostet. Jede Szene dieser Los Hooligans-Produktion wurde praktisch nur einmal gedreht. Dreh- und Produktionsort ist die Heimat des Regisseurs und seiner FreundInnen, der SchauspielerInnen: Mexiko. Vor einem Jahr lief er in den USA an, auf den Berliner Filmfestspielen konnte man ihn in Deutschland zum ersten Mal sehen und demnächst hoffentlich auch in jedem Kleinstadtkino.

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