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Erfolgreiche PR für eine kubanische Schriftstellerin

Unabhängige Literaturförderung für Literatur aus dem „Süden“ – kann man das denn überhaupt, mit geringen Mitteln Einfluss nehmen auf den Koloss Literaturbetrieb, in dem sich mehr und mehr das Recht des Finanzstärkeren durchzusetzen scheint? Wie das geht, das macht uns die Initiative LiBeraturpreis seit 13 Jahren vor.
Ihr Preis gehört nicht zu einem Verlag oder einer mächtigen Institution, die damit ihren Ruf sichern will, sondern ist ein LeserInnenpreis, finanziert durch Mitgliedsbeiträge und Spenden.
Die Initiative LiBeraturpreis schickt jedes Jahr an einen großen Kreis von LeserInnen im deutschsprachigen Raum eine Literaturliste, auf der sämtliche Bücher aufgeführt sind, die von Autorinnen aus Asien, Afrika oder Lateinamerika im vorigen Jahr erstmalig erschienenen sind. Geleitet von den Urteilen der LeserInnen stellt die Initiative im Frühjahr eine Vorschlagsliste für die Jury zusammen, die sich aus Fachleuten des Literaturbetriebs zusammensetzt. Die Preisträgerin wird daraufhin nach Deutschland eingeladen und erhält am Sonntag vor Eröffnung der Frankfurter Buchmesse den Preis. Während das Preisgeld von 1.000,- DM einen eher symbolischen Charakter hat, liegt der eigentliche Wert darin, der Autorin die Möglichkeit zu bieten, sich auf der Buchmesse vorzustellen und Kontakte zu knüpfen, und der Autorin eine größere Öffentlichkeit zu verschaffen.

Ein neuer Preis

Nun hat sich die Initiative wohl gesagt, dass es nicht ausreicht, Autorinnen vorzustellen, die bereits ein Buch im deutschsprachigen Raum veröffentlicht haben, sondern dass sie auch solche Autorinnen bekannt machen und fördern will, die hier zu Lande noch keine Publikationsmöglichkeit hatten. Vielleicht, so die Hoffnung der Initiative, entsteht ja bei einem deutschsprachigen Verlag Interesse an diesen Autorinnen. Und da die MitarbeiterInnen der Initiative sich nun nicht in der ganzen Welt verstreuen konnten, um die Talente aufzuspüren, haben sie eine ihrer ehemaligen Preisträgerinnen gebeten, eine Autorin vorzuschlagen. So entstand der Förderpreis, der während der Leipziger Buchmesse im März dieses Jahres erstmalig vergeben wurde. Vorgeschlagen von der LiBeraturpreisträgerin 1998, der in Puerto Rico lebenden Kubanerin Mayra Montero, wurde der Förderpreis der kubanischen Autorin Mirta Yáñez verliehen.
Auf Kuba hat sich Mirta Yáñez, 1947 in Havanna geboren, sowohl als Schriftstellerin als auch als Literaturwissenschaftlerin für lateinamerikanische Literatur einen Namen gemacht. In der Wissenschaft engagiert sie sich besonders für die Literatur kubanischer Schriftstellerinnen – sie hat mehrere Essaybände zu dem Thema veröffentlicht und die erste Anthologie herausgegeben, die Texte von Exil-Kubanerinnen und auf der Insel lebenden Autorinnen enthält. Auch in der Literatur hat sie keine (Gattungs-)Grenzen eingehalten und veröffentlichte Gedichte, Romane, Erzählungen und Literatur für Kinder. Doch von dieser umfangreichen Produktion ist im deutschsprachigen Raum nichts angekommen – bis vor kurzem. Ende März stellte die Initiative LiBeraturpreis Mirta Yáñez vor und versprach, die Öffentlichkeitstrommel für sie zu rühren. Zu diesem Zweck ließ sie einige Kurzgeschichten von Mechthild Blumberg übersetzen und brachte einen zweisprachigen Reader heraus. Dieser Reader – mit wunderschönen Bildern von Elsa Mora – enthält vier Unordentliche und unvollständige Erzählungen, die einen ersten Einblick in Yáñez’ Literatur geben.

Mündlicher Charakter und schwarzer Humor

Besonders auffällig ist der mündliche Charakter der Erzählungen: Erst, wenn sie vorgelesen werden, erwachen sie so richtig zu Leben. In ihnen ist nicht nur die eigentliche Handlung, sondern sind vor allem die Geschichten um diese herum wichtig. Die jeweils sehr eigentümliche Art und Weise, wie die Frauen von sich und anderen erzählen, macht den Reiz dieser Texte aus. Vor allem zwei Geschichten haben mir gefallen. Staub zu Staub schildert, wie zwei alte Freundinnen von dem nahenden Tod einer dritten Freundin erfahren und sich daran machen, deren Hab und Gut zu verwalten. Die Schrulligkeit dieser alten Damen wird liebevoll böse dargestellt. Auch in der zweiten Geschichte spielt der schwarze Humor eine besondere Rolle. Wenn es mit dem Teufel zugeht erzählt von einer alten Frau, die über die Jahre drei Ehemänner verloren hat und nun, etwas einsam, in ihrer leeren Wohnung lebt. Dann, eines Tages, entdeckt sie in ihrer Küche eine Maus. Was sie auch anstellt, ihr gelingt es einfach nicht, das Tier zu fangen, und mit der Zeit wird die Maus zur neuen Lebensgefährtin. Doch wenn es mit dem Teufel zugeht, dann wird auch dieses neue Glück nicht lange halten.
Die Initiative LiBeraturpreis hat mit ihrem neuen Engagement sowohl der Autorin als auch den LeserInnen eine Chance gegeben. Wir können eine neue Autorin kennen lernen, die im Fall Mirta Yáñez so neu gar nicht ist, sondern nur bisher nicht ins Deutsche übersetzt wurde. Und die Autorin hat die Chance, sich dem deutschsprachigen Publikum vorzustellen und vielleicht hier zu Lande einen Verlag zu finden.
Und tatsächlich, der Preis scheint erste Früchte zu tragen: Voraussichtlich wird der Atlantik Verlag, Bremen, im Herbst ein Buch von Mirta Yáñez veröffentlichen. So kann das gehen mit der Literaturförderung.

Weitere Informationenund Bestellung des Readers (15,-DM): Initiative LiBeraturpreis, Praunheimer Landstr. 202, 60488 Frankfurt am Main, Tel.: 069-762116, Fax: 069-763116, E-Mail: Ingeborg.Kaetner@gmx.de«HYPERLINK „mailto:Ingeborg.Kaestner@gmx.de“ », Internet: www.LiBeraturpreis.org.

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