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Fruko und (s)ein Joe

Seine Plattenfirma nennt ihn gerne den ‘Godfather of Colombian Salsa’ und erzählt die Geschichte von Julio Ernesto Estrada Rincón aus Medellín. Nach dem Tod des Vaters muß der Zwölfjährige zum Lebensunterhalt der Familie beitragen. Ernesto schleppt Kabel und macht den Laufburschen bei Kolumbiens großer Plattenfirma Discos Fuentes. In seiner Freizeit übt er Gitarre, Piano und Bass und macht sich mit der Tontechnik vertraut. Mit dreizehn macht er die ersten Probeaufnahmen und erregt die Aufmerksamkeit von Firmenchef Antonio Fuentes. Als Musiker und Tontechniker arbeitet Ernesto fortan in verschiedenen Bandbesetzungen. Ende der 60er kommt er so nach New York und hier zieht ihn die Salsa voll in ihren Bann. Zurück in Kolumbien gründet er 1971 seine eigene Band: Fruko Y Sus Tesos. Selbstverständlich steht Fruko alias Ernesto bei Discos Fuentes unter Vertrag. Was als Studioband startet entwickelt sich langsam zu einem Bühnenerlebnis. Daß Fruko mit der Plattenfirma im Rücken gute Voraussetzungen hat, ist nur ein Teil der Erfolgsgeschichte. Salsa gilt als Musik der Unterschichten und mit seiner Verbindung von New Yorker Salsa und kolumbianischen Liedtexten trifft er das Lebensgefühl der Menschen in den Großstädten Kolumbiens. Seine Version von El Preso, der Gefangene, wird sein Hit: „In der Welt, in der ich lebe, gibt es immer vier Ecken, aber zwischen Ecke und Ecke gibt es immer das gleiche. / Für mich existiert der Himmel nicht, auch nicht der Mond oder die Sterne, für mich gibt es keine Sonne, für mich ist alles Finsternis… / Für immer verurteilt in dieser furchtbaren Zelle, in die weder die Zärtlichkeit noch die Stimme eines Menschen eindringt. Hier vertreibe ich mir die Tage und die ganze Nacht. Nur die immerwährende Erinnerung an meine Mutter hält mich am Leben.“
Mit diesem Song beginnt die Best-of-CD, deren achtzehnter und letzter Titel ihr den Namen verleiht: Todos bailan Salsa. Und so kommt sie auch daher, flott und tanzbar, aber es ist, wie der Liedtext beweist, keine Dudel-Salsa. Mambos sind ebenfalls vertreten und, zufällig passend zur Jahreszeit, La Pachanga Del Futbol: „Valderrama kommt an den Ball … spielt ihn zu Herrera … der mit der Hacke zu Asprilla … das ist das …
Gollasooooooooooo!“
Ob Pate oder nicht, Fruko hat der Salsa in Kolumbien mit den Weg bereitet. Viele Jahre steht er mit seinen Tesos an der Spitze der heimischen Salsaszene und inspiriert andere Musiker. Dabei hat besonders eine Stimme seine Tesos lange bereichert: die von Joe Arroyo.

Das Patenkind

„Mir hat es nie an etwas gemangelt / Von Kleinauf / Erwarb ich Ruhm / Ich kann nicht klagen…“ Wer sich freudig, fetzig mit solchem Liedtext beim lieben Gott bedankt (A Mi Dios Todo Te Debo), muß es im Leben etwas einfacher gehabt haben. 1971 wird Joe Arroyo von Discos Fuentes unter Vertrag genommen. Im gleichen Jahr gründet Fruko seine Band. Zehn Jahre wird Joe Arroyo Fruko Y Sus Tesos seine Stimme geben. Der Pate hat sein Patenkind. Joe lernt bei Fruko sein Handwerk und entwickelt dabei mehr und mehr seinen eigenen Stil. 1981 ist es soweit: La Verdad nennt er seine eigene Band und beantwortet damit alle verwunderten Fragen nach seinem Ausstieg bei Fruko und seiner Weiterarbeit am eigenen Stil. Er verbindet Elemente der Salsa mit Rhythmen aus der karibisch-kolumbianischen Folklore und legt darüber seine klare Stimme.
Die nun vorliegende Best-of-CD bietet mit 18 Songs einen guten Überblick über das musikalische Schaffen von Joe Arroyo. Der Aufmacher La Noche zeigt die Richtung an: Es geht, nicht nur, aber vorwiegend um Liebe und Gefühl. Zwischenmenschliches auf hohem musikalischem Niveau. Und wer sich persönlich davon überzeugen möchte, hat Ende Juli und Anfang August die Möglichkeit dazu. Insgesamt sechsmal wird Joe Arroyo in Deutschland auf der Bühne stehen.

Todos Bailan Salsa: Best of Fruko Y Sus Tesos, TUGCD 1014.
La Noche: Best of Joe Arroyo, TUGCD 1015.

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