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“Fujimori wird seinen Triumph ausspielen”

Kann man sagen, daß die MRTA in Sachen Geiselnahme un­gewollt zum Triumph Fuji­mo­ris beigetragen hat?

Durch die Haltung von Cerpa und die Konzentration auf die Frei­lassung der Häftlinge wurde viel Zeit verloren, und diese hat die Regierung von Anfang an da­zu benuzt, auf intelligente Weise die Befreiungsaktion vor­zu­be­rei­ten. Die Zeit hat ganz klar für die Regierung gespielt.

Doch das MRTA-Kommando hat doch deutlich seine Ver­hand­lungs- bereitschaft zum Aus­druck gebracht. Hat diese auch Fujimori gehabt?

Ich glaube eine militärische Lösung war für Fujimori sehr wich­tig, um sich von den Flek­ken, die die Geiselnahme auf sei­ner Weste und auf der enger Vertrauter, wie dem Geheim­dienstchef Vladimiro Montesi­nos, hinterlassen hat, wieder zu reinigen. Und der Präsident hat von Anfang an keinen Zweifel darüber gelassen, daß er keine po­litischen Themen verhandeln will, etwa ein Friedensabkom­men mit der MRTA.

Wie stehen die Chancen Fuji­mo­ris für eine dritte Amts­pe­ri­ode?

Er ist bereits voll dabei, die Grundlage dafür zu legen, so­wohl im politischen als auch im rechtlichen Bereich. Doch die zwei Thesen von Fujimori: “Ich ga­rantiere Stabilität und habe die Inflation im Griff” sowie “Ich bin fähig, ausländisches Kapital ins Land zu bringen” haben nicht mehr ihre frühere Gültigkeit. Die erste ist bereits völlig verbraucht und die zweite beginnt nun, ihren Nimbus zu verlieren, denn die Leute sehen wohl, daß ausländi­sche Unternehmen in Peru inve­stieren, aber sie sehen auch, daß das keine neuen Arbeitsplätze schafft, keine besseren Löhne, keine besseren Lebensbedingun­gen. Fujimori wird gegen diese Verschlechterung seines Images mit jenem autoritären und militä­rischen Populismus ankämpfen, der ihn charakterisiert. Vielleicht wird er das Geld, das aus den Privatisierungen hereingekom­men ist, und andere Mittel für kurzfristige soziale Assistenz­programme für die benachteilig­ten Bevölkerungsschichten ein­setz­ten.
Seine für das Jahr 2000 ge­plante Wiederwahl ist ja nicht nur eine Frage der Machtgier. Es handelt sich auch darum, das Ge­schehene zu verbergen, denn nur durch die Fortdauer dieses Re­gimes kann die enorme gegen­wär­tige Korruption unaufgedeckt bleiben. Also je länger diese Re­gierung an der Macht bleibt, de­sto größer sind ihre Chancen, daß ihre Machenschaften straflos bleiben.

Und hat die Linksopposition ei­ne Alternative dazu?

Die Opposition gibt es nicht. Es gibt die Oppositionen. Unter den Leuten, die mit Fujimori nicht einverstanden sind, gibt es sehr unterschiedliche Haltungen. Einige sind mit seinem Autorita­rismus nicht einverstanden, an­deren passen einige Personen in seiner Umgebung nicht, wieder an­dere opponieren gegen die ex­trem neoliberale Wirtschaftspo­litik des Präsidenten. Es gibt also verschiedene Oppositionen. Was man so als Mitte-Links-Spek­trum der Opposition bezeichnen könnte, befindet sich gerade am Beginn eines Meinungsaustau­sches, der meines Erachtens zahl­reiche Schwächen hat. Eine zum Beispiel ist die Unfähigkeit, ein Alternativprojekt auszuar­bei­ten. Oder die Schwierigkeit, durch gegenseitige Abkommen zu einer Aktionseinheit zu ge­lan­gen. Und drittens die Tatsa­che, daß diese Regierung nicht nur korrupt ist, sondern auch kor­rumpierend, d.h. fähig, auf diese Weise die Opposition zum Schwei­gen zu bringen.

Welche andere Möglichkeiten ei­ner Veränderung gibt es denn derzeit in Peru?

Nun, nachdem diese Geisel­geschichte vorüber ist, wird die Politik wieder in den Mittelpunkt des Geschehens und des Kam­pfes zurückkehren. Aber Fuji­mo­ri wird seinen Triumph natürlich total ausspielen. In ver­schie­denen Medien hat schon eine Kampagne gegen jene be­gonnen, die sich gegenüber sei­nem Ver­halten kritisch ausge­sprochen haben, und das wird noch stärker werden.
Übersetzung: Werner Hörtner
aus: Lateinamerika Anders Panorama 5/97

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