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Geschichtliche Grundlagen

Nach der Entdeckung der Insel durch Kolumbus stand “Hispaniola” zunächst 200 Jahre unter der Herrschaft Spaniens, das 1697 nach 50jährigem Krieg ge¬gen Frankreich den westlichen Teil an die französischen Kolonialisten abtreten mußte. Im Laufe des 18.Jahrhunderts entwickelte sich dieser Teil, Sainte Do¬mingue, vor allem durch die Arbeit der Sklaven zur reichsten Kolonie Frankreichs und erlebte einen Wirtschaftsboom mit der Erzeugung von Zuc¬ker, Kakao, Kaffee, Baumwolle und Indigo.
Nach 100 Jahren französischer Kolonialherrschaft ließ die Revolution im Mutterland auch in der Kolonie erste Unabhängigkeitsbewegungen aufkom¬men, die 1791 zu einem allgemeinem Aufstand und in der Folge zum 12jährigen Freiheitskampf der MulattInnen und der schwarzen Bevölkerung führten. 1804 wurde Haiti vom schwarzen General Dessalines zum er¬sten un¬abhängigen Staat Lateinamerikas ausgerufen und stellte gleichzeitig auch die erste autonome Schwarzen-Republik überhaupt dar.
Im Verlauf des 19.Jahrhunderts wuchsen die Spannungen zwi¬schen den ethni¬schen Gruppen zu einem fast per¬manenten Bürgerkrieg. 22 Regierungen, de¬ren Präsidenten vorrangig das Mi¬litär stellte, wechselten sich ab. Politisch stand Haiti völlig isoliert da und war ständigen Interventionen von Seiten der europäischen Kolonial¬mächte und der U.S.A. ausgesetzt.
1915 intervenierten die USA, um den herrschenden Bürgerkrieg zu beenden und ihre ökonomischen Interessen zu wahren. Erst nach 20 Jahren Besatzung zogen sich die Ma¬rines wieder zurück. Es folgte ein erneut von diktato¬rischen Regimen gepräg¬ter Abschnitt. Mitte der sechziger Jahre hatte der Staat die ge¬ringste Lebenser¬wartung, den geringsten Kalorienverbrauch pro Kopf, das ge¬ringste Bruttosozial¬produkt pro Kopf und mit 10% die niedrigste Alphabetisie¬rungsrate des Kontinents zu verzeichnen.
Francois Duvalier, der 1957 durch eine Scheinwahl an die Macht kam und unter dem Namen “Papa-Doc” berühmt und v.a. berüchtigt wurde, führte die Tradition der Gewalt- und Korruptionsherrschaft noch brutaler fort. Kurz vor seinem Tod setzte er seinen Sohn Jean-Claude “Baby-Doc” als seinen Nachfol¬ger auf Lebenszeit ein. Durch den in¬zwischen stärker gewordenen Druck der Weltöffentlichkeit und vor allem, um ausländische Investoren ins Land zu locken, führte dieser eine Scheindemo¬kratie ein und machte Haiti zum Steu¬erparadies für Großunter¬nehmer. Nach dem Sturz “Baby-Docs” 1986 wurde das Land über¬gangsweise von einem Na¬tionalen Regierungsrat geführt, der ausschließlich mit Mili¬tärs besetzt war. Seine Aufgabe bestand darin, den Übergang zu einer Demokratie vorzuberei¬ten.
In den folgenden drei Jahren bekleideten nacheinander Leslie Manigat, Gene¬ral Namphy und General Avril, der durch einen Putsch an die Macht kam, das Präsidentenamt. Am 13. März 1990 übernahm schließlich die Richterin Ertha Pascal Trouillot übergangsweise die Präsidentschaft, nachdem Avril durch internationalen Druck zurücktreten mußte.

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