«

»

Artikel drucken

GOOOLEON

Im Februar 1998 wurde im Rahmen der Städtepartnerschaft Hamburg-León mit der Planung eines Jugendfußball-Projektes in León begonnen. Den ersten Schritt bildete die Gründung des FC Deportivo León im Stadtteil Fundeci. Dieser 1974 vom Priester und nach dem Triumph der Sandinistischen Revolution ab 1979 amtierenden Außenminister Miguel d’Escoto entworfene Stadtteil im Süden Leóns unterscheidet sich schon rein architektonisch von den übrigen Vierteln. Zwei- und dreigeschossige Häuser, die in Nicaragua unüblich sind und deren Baustil aus dem Chile Salvador Allendes stammt, springen jedem Besucher ins Auge, der aus Managua kommend nach León einfährt. Zahlreiche Grünflächen und vor allem ein mitten in der Siedlung angelegter Fußballplatz bieten zudem Möglichkeiten sportlicher Betätigung.
Wenn auch Fundeci sicherlich nicht der ärmste Stadtteil Leóns ist, so ist das Leben der BewohnerInnen ebenso von wirtschaftlichen Schwierigkeiten geprägt wie im Rest des Landes, das mit einer Arbeitslosigkeit von über 60 Prozent einen traurigen zentralamerikanischen Rekord hält. Besonders Jugendliche leiden unter dieser Situation und Sozialprogramme zur Eindämmung von Kriminalität und Drogenkonsum scheitern an den knappen Kassen der sandinistisch geführten Stadtregierung. So befindet sich auch der Sportplatz in einem derart ungepflegten Zustand, daß Punktspiele nur noch auf dem benachbarten Fußballplatz der Medizinischen Fakultät durchgeführt werden können.

Jugendmeister 1998: FC Deportivo

Durch Spendengelder und Unterstützung des Hamburger Senats wurden im Frühjahr 1998 Bälle, Fußballschuhe etc. gekauft und im Juli im Hamburger Hilfscontainer auf dem Seeweg nach León geschickt. Der Container traf schon Anfang August in Nicaragua ein, übergeben wurde er jedoch erst 4 Monate später. Die rechtsgerichtete Regierung unter dem neoliberalen Präsidenten Arnoldo Alemán hatte die Sendung – und weitere 20 Container aus den USA und Europa – kurzerhand beschlagnahmt und 7000 US-Dollar Zollgebühren verlangt. Die Arbeit von Nichtregierungsorganisationen und jegliche Art von Hilfe für die von der Sandinistischen Befreiungsfront FSLN regierten Städte und Gemeinden waren und sind dem Präsidenten ein Dorn im Auge. Erst internationaler Druck sorgte für die Übergabe, allerdings erst Anfang Dezember.
Ohne die im Container lagernden Trainingsutensilien wurde das Projekt wie geplant im Juli aufgenommen. Auf dem Sportplatz der Universität wird seitdem achtmal pro Woche trainiert, von Dienstag bis Freitag je vormittags und nachmittags. Diese zwei täglichen Trainingstermine sind notwendig, da die Jugendlichen vor- oder nachmittags zur Schule gehen oder studieren. Trotz der bescheidenen Ausstattung, es standen nur drei Bälle zur Verfügung, fand das Projekt regen Anklang. Zunächst waren es etwa 20 Jugendliche, die regelmäßig am Training teilnahmen. Die Zahl stieg bis Ende Oktober auf über 50 an. Und das Training wirkte sich aus. Am 25. Oktober 1998 wurde die Mannschaft des FC Deportivo León durch ein 2:0 im Endspiel über die Auswahl des Gymnasiums La Salle in den braun-weißen Trikots des FC St. Pauli, der das Projekt mit Sachspenden unterstützt, Jugendmeister von León. Der daraufhin bei der Nationalen Meisterschaft in Managua im Dezember erspielte 3. Platz stellte zudem einen Achtungserfolg dar.

Tore und Tortillas

Die steigende Trainingsbeteiligung erlaubte es dem FC Deportivo León, im November zwei Teams für die bis Januar 1999 stattfindende Meisterschaftssaison der Region León zu melden und eine B-Jugend-Mannschaft (unter 17 Jahre) aufzubauen. Die Teilnahme in der Herrenliga dient vor allem dazu, die Jugendlichen auf die im Februar beginnende Meisterschaft der 3. Liga vorzubereiten. Zwar wird die Teilnahme an der Endrunde und – bei Platz 1 bis 3 – der Aufstieg in die 2. Liga angestrebt, rein sportlich ist das Projekt GOOOLEON jedoch nicht orientiert. So gibt es nach jedem Spiel ein gemeinsames Essen in dem Stadtteilhaus der Fundeci, um der sozial schwachen Situation der Jugendlichen entgegenzukommen. Angesichts der ökonomischen Krise bildet das Mannschaftsessen für die Jugendlichen ein wichtiges „Zubrot“. Die Kosten von 250 DM pro Monat hat die studentische Nicaragua-Initiative Hamburg übernommen.
Arm sind die Spieler fast alle, und heile Fußballschuhe besitzen die wenigsten. So trainieren einige barfuß, um ihre kostbaren „Buffer“ für die Spiele am Wochenende zu schonen. Und bei den Einwechselungen kommt es auch nicht selten zu Verzögerungen, da der neue Spieler erst noch die Schuhe des Ausgewechselten anziehen muß. Allerdings konnten mit Spendengeldern Fußballschuhe gekauft werden, so daß zumindest die Spieler der Auswahl momentan über eigene „Tacos“, wie sie in Nicaragua genannt werden, verfügen.

Planung 1999

In diesem Jahr soll der Trainingsbetrieb aufrechterhalten und eine weitere Jugend-Mannschaft (unter 15 Jahre) aufgebaut werden. Ziel ist es, innerhalb der nächsten fünf Jahre eine Vereinsstruktur zu schaffen, in der Kinder von klein auf Fußball spielen können. Dies alles kann allerdings nicht von einem Trainer allein bewerkstelligt werden. Aus diesem Grund werden zwei Assistenten, die seit Oktober 1998 als Co-Trainer arbeiten, zu Lehrgängen nach Managua geschickt. Schließlich soll in absehbarer Zeit das gesamte Vereinsleben von den NicaraguanerInnen selbst organisiert und durchgeführt werden.
Doch nicht nur die fachliche Betreuung soll im Rahmen der Städtepartnerschaft geleistet werden. Für dieses Jahr ist die Wiederherstellung der Sportanlage im Stadtteil Fundeci geplant. Dabei soll der Fußballplatz neu angelegt und mit einer 100-Meter-Laufbahn sowie Umkleidekabinen und einem Klubheim ergänzt werden. Dieses Kernstück der Anlage wird nach Trainings- oder Spielende abgesperrt. Für die Öffentlichkeit zugänglich sollen zwei kleinere Bolzplätze sein, die von den Jugendlichen permanent genutzt werden können.
Fünfzehn Hamburger Jugendliche werden sich im Sommer in León sechs Wochen an diesem Bauvorhaben, das als Projekt des Jugendaustauschs vom Hamburger Senat teilfinanziert wird, aktiv beteiligen.
Zunächst jedoch bedarf es unserer Unterstützung. Das Projekt GOOOLEON kann nur mit Spenden weiterführt und ausgebaut werden. Nicht nur Einzelüberweisungen, auch Daueraufträge ab 5 Mark pro Monat sind willkommen. Auch Sachspenden können helfen. Insbesondere Fußballschuhe und Schienbeinschützer sind für die nicaraguanischen Jugendlichen unerschwinglich. Gut erhaltene „Buffer“ etc. können im Fan-Laden des FC St. Pauli (Thadenstr. 94, Hamburg, 4396961) oder der Vereinskneipe des Franziskaner FC (Dresdner Str. 17, Berlin-Kreuzberg) abgegeben werden. Steuerlich absetzbare Spendenbescheinigungen werden ausgestellt.

Permanentlink zu diesem Beitrag: https://lateinamerika-nachrichten.de/artikel/goooleon/