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Impossible is nothing?

Ende 2004 beschlossen einige Arbeiterinnen der Textilfabrik Hermosa in San Salvador, sich gewerkschaftlich zu organisieren, um gemeinsam gegen ihre schlechten Arbeitsbedingungen vorgehen zu können. Im April letzten Jahres ließen sie ihre Betriebsgewerkschaft beim Arbeitsministerium El Salvadors registrieren und forderten sogleich eine Überprüfung der Firma, da die Löhne schon seit einiger Zeit unregelmäßig oder auch gar nicht ausgezahlt wurden.

Wiederholte Klagen

Schon in den Jahren zuvor hatte es wiederholt Klagen wegen illegaler Lohnabzüge in Krankheitsfällen sowie unterlassener Zahlungen für Überstunden und Mutterschaftsunterstützung gegeben. Beim Ministerium vorgeladen, räumte Fabrikbesitzer Montalvo finanzielle Schwierigkeiten ein und bat um weiteren Zahlungsaufschub. Noch in der gleichen Woche begann er, Lagerbestände und Produktionsmittel in seine gerade errichtete Fabrik MB Knitting abzuziehen. Wenig später schloss er Hermosa. Einige jener Arbeiterinnen, die sich nicht gewerkschaftlich organisiert hatten, wurden direkt übernommen.
Nach der Schließung stellte sich nun heraus, dass nicht nur Löhne, Zuschläge, Urlaubs- und Weihnachtsgeld nicht gezahlt worden waren. Über die Jahre hatte die Firmenleitung auch Beiträge zu Sozialversicherung und Pensionsfonds in der Höhe von insgesamt 350.000 US-Dollar nicht geleistet.

Vor verschlossenen Türen

Seit gut einem Jahr protestieren die Arbeiterinnen von Hermosa nun schon vor den verschlossenen Toren der Fabrik. Unterstützt von lokalen Frauenorganisationen und der „Kampagne für Saubere Kleidung“ (Clean Clothes Campaign/CCC) verlangen sie ihre ausstehenden Löhne und Sozialbeiträge. Da sie von Hermosa-Chef Montalvo in finanzieller Hinsicht nicht viel erwarten, richten sie ihre Forderungen auch direkt an seine ehemaligen Auftraggeber, darunter Adidas, Nike, Reebok, Russel Athletics und Wal-Mart. „Jahrelang haben bekannte Marken und Einzelhändler von ihren Geschäftsbeziehungen mit Hermosa profitiert, obwohl klar gewesen sein muss, dass dort Verstöße (gegen Arbeitsnormen, Anm. d. Red) an der Tagesordnung waren“, meint auch Neil Kearney von der Internationalen Textilarbeiter-Vereinigung (ITBLAV). “Wenn Hermosa ihren Arbeiterinnen nun nicht die Löhne und Sozialleistungen bezahlt, die ihnen zustehen, müssen die Markenhersteller das selbst übernehmen.“ Darüber hinaus drängen die Arbeiterinnen die Konzerne, sich für ihre sofortige Wiedereinstellung bei einem anderen ihrer Subunternehmer einzusetzen. Von der salvadorianischen Politik fordern sie die Durchsetzung des bestehenden generellen Rechts auf gewerkschaftliche Organisation.

Nur Lippenbekenntnisse

Bis heute sind die angesprochenen multinationalen Konzerne auf keine dieser Forderungen eingegangen. Adidas und Russel Athletics haben jedoch zugesagt, sich dafür einzusetzen, dass die Gewerkschafterinnen von Hermosa bei einem ihrer Lieferanten eingestellt werden. Bislang jedoch blieb es bei diesen Lippenbekenntnisse.
Die Christliche Initiative Romero (CIR), Mitglied der deutschen „Kampagne für Saubere Kleidung“, untersucht schon seit einiger Zeit die Arbeitsbedingungen bei den Zulieferern von Adidas in El Salvador. Auf Einladung der CIR reiste nun Estela Ramírez, Sprecherin der Gewerkschafterinnen von Hermosa-Manufacturing durch Deutschland. Im Rahmen der WM-Kampagne „Fair-Play? Auf allen Feldern!“ klärte sie über die Geschäftsgebaren des Konzerns auf, der zu den Hauptsponsoren des Turniers gehört. Zu dieser Kampagne führte die CIR eine Reihe von Interviews zu der Situation der ArbeiterInnen bei salvadorianischen Zulieferern von Adidas. Die Lateinamerika-Nachrichten haben einige dieser Interviews zusammengefasst.

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