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In Sachen Bild

Wer fotografiert, ist nicht völlig frei: Er braucht den Gegenstand, den er ins Bild nehmen will, und kann nicht beliebig erfinden. Zugleich ist er nicht völlig gebunden, denn jeder Ausschnitt, den er durch den Rand des Papierbildes festlegt, ist eine Entscheidung, und was er zeigen will, bildet er nicht nur ab, sondern formt er durch die Wahl seiner Mittel.
Im Ibero-Amerikanischen Institut Berlin sind im März Fotos zu sehen, die traditionelle Heilpraktiken in einem kleinen indigen geprägten Dorf im Hochland Ecuadors zeigen. Hier sind Alltag, Gegenstände, Diagnose- und Therapievorgänge eingefangen, wie sie die Heiler in San Miguel de Común praktizieren. Es sind Fotos, die im Rahmen eines ethnologischen Feldforschungsprojektes entstanden sind und durchaus in erster Linie dokumentieren wollen. Zugleich vermitteln sie ein lebendiges, ja spontanes Bild der rituellen Vorgänge und werden künstlerischen Kriterien gerecht.
Das Ausstellungsprojekt „Fotodesign“ im Berliner Brasilianischen Kulturinstitut ICBRA hingegen setzt die Schwerpunkte anders. Die beiden ausstellenden KünstlerInnen Markus Kunschak und Adriana Pastori Bandel, beide aus Brasilien, verstehen ihre Arbeit als „Annäherung an Kunst“. Wichtiger als das fotografierte Objekt ist die Art, wie diese abgelichtet ist.

Heller Schatten, dunkles Licht

Markus Kunschak arbeitete bis vor ein paar Jahren ausschließlich zeichnerisch. Wie er selbst sagt, entwickelten sich die Zeichnungen zunehmend zu realistischen Abbildungen, so daß er die Fotografien als eine organische Weiterführung seiner bisherigen Arbeit versteht. So kombiniert er bisweilen beide Techniken, läßt die gezeichnete Kontur eines Körpers in fotografiertes collagiertes Wasser springen oder verschränkt die Zeichnung mit dem Lichtspiel eines Fotos.
Adriana Pastori Bandel dagegen experimentiert mit diversen technischen Möglichkeiten wie dem Scanner oder der digitalen Kamera. Ihre Bilder zeigen, wie sich das Licht in Materialien wie Eis, Glas oder Stoff bricht. Die Künstlerin betont die Konturen, Licht und Volumen durch Verstärkung der Farben, hauptsächlich grün und blau, ohne die Objekte an sich für das Foto zu manipulieren.
Gerade weil die beiden KünstlerInnen so unterschiedlich arbeiten, zeigen sie in der Gemeinschaftsausstellung, die für beide die erste in Europa ist, eine sehenswerte Vielfalt an fotografischen Experimenten, die auf eigentümliche Art mit dem Auge kommunizieren.

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