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LYRIK AUS LATEINAMERIKA

Otros miedos

Miedo a fumar sentada en el alfeizar hasta que rompa el alba; a que nadie abra la puerta; miedo a las resoluciones del domingo en la noche; a las sábanas planchadas; miedo a las palabras en lugares adecuados; miedo al no que antecede un apocalipsis; a la risa de los niños; a las listas; los supermercados; miedo a amar la herida; a dar, pedir, negar y –de cualquier otra manera– necesitar ayuda; miedo a huir o a quedarme; a tener la boca seca; a vacilar frente del pescuezo del gallo; miedo a vivir las historias; miedo al escribirlas; miedo a los gritos sordos; a las compañías telefónicas; miedo a las ambulancias; a los pasillos oscuros; miedo a los adverbios; miedo a lo que se dice en el tiempo del silencio; miedo a las canciones en repeat; miedo a tragedia que desencadena el encuentro entre un cuchillo sin filo y un tomate maduro; miedo a enviar todas las cartas; miedo a los platos que se apilan; a los buenos deseos; a despedir a una mascota; a coleccionar almohadas; miedo a morir con hambre o sin sudor en la frente; miedo a las duchas de agua tibia; a los días sin ironía; a un secreto gusto por los incendios; miedo a la unidad de flujo luminoso del sistema internacional, que equivale al flujo luminoso emitido por una fuente puntual uniforme situada en el vértice de un ángulo sólido de 1 estereorradián y cuya intensidad es 1 candela.

 

Andere Ängste

Angst davor, auf dem Fensterbrett sitzend zu rauchen, bis es dämmert; davor, dass niemand die Tür öffnet; Angst vor den Vorsätzen am Sonntagabend; vor gebügelter Bettwäsche; Angst vor den Worten an der richtigen Stelle; Angst vor dem Nein, das vor der Apokalypse kommt; vor dem Lachen der Kinder; vor Listen; vor Supermärkten; Angst davor, die Wunde zu lieben; zu geben, zu bitten, zu verweigern und – auf irgendeine andere Weise – Hilfe zu brauchen; Angst davor, zu fliehen oder zu bleiben; vor einem trockenen Mund; zu zögern vor dem Hals des Hahns; Angst davor, die Geschichten zu erleben; Angst, sie aufzuschreiben; Angst vor stummen Schreien; vor Telefonanbietern; Angst vor Krankenwagen; vor dunklen Fluren; Angst vor Adverbien; Angst vor dem, was in die Stille hinein gesagt wird; Angst vor Liedern auf repeat; Angst vor der Tragödie, die bei der Begegnung eines stumpfen Messers mit einer reifen Tomate losbricht; Angst davor, alle Briefe abzuschicken; Angst vor dem sich stapelnden Geschirr; vor guten Wünschen; vor dem Abschied von einem Haustier; davor, Kissen zu sammeln; Angst davor, hungrig oder ohne Schweiß auf der Stirn zu sterben; Angst vor einer lauwarmen Dusche; vor ironiearmen Tagen; vor einer geheimen Vorliebe für Brände; Angst vor der internationalen Maßeinheit für Lichtströme, die dem von einer punktuellen monochromatischen Lichtquelle am Scheitelpunkt eines Raumwinkels ausgehenden Lichtstrom von 1 Steradiant entspricht und deren Intensität 1 Candela beträgt.

 

Valentina Ramona de Jesús (Kolumbien) arbeitet als Journalistin für die Tageszeitung El Telégrafo sowie die Zeitschrift Cartón Piedra (beide Ecuador) und ist Redaktionsmitglied des Literaturmagazins alba.lateinamerika lesen (Berlin). Sie hat Gedichte, Essays und Erzählungen in Anthologien und Zeitschriften veröffentlicht. Dieses Jahr bringt der KLAK Verlag ihren ersten, zweisprachigen Gedichtband Si todas las lunas se alinearan, Würden alle Monde sich reihen heraus.

Christiane Quandt ist freie Übersetzerin für Spanisch und Portugiesisch und Redaktionsmitglied der Zeitschrift alba.lateinamerika lesen. Sie übersetzte unter anderem Ricardo Lísias, Veronica Stigger, Carmen Ollé, Ana García Bergua und María del Carmen Pérez Cuadra. Zuletzt erschien in ihrer Übersetzung Das Margeritenkloster von Lucero Alanís bei Ripperger & Kremers, Berlin. Sie ist Mitherausgeberin des Bandes Novas Vozes. Zur brasilianischen Literatur im 21. Jahrhundert (2013).

 

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