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Nach dem Hungerstreik

Ende November reiste Llanquileo, die selbst Schwester eines der Gefangenen ist, in mehrere europäische Städte. Sie traf sich mit ParlamentarierInnen und Menschenrechtsgruppen, um über die Situation der Mapuche zu informieren, nachdem am 8. November am Gericht von Cañete der erste Prozess gegen 17 Mapuche-AktivistInnen begonnen hatte. Dabei warb sie um internationale BeobachterInnen, die bei dem Verfahren für mehr Transparenz und Aufmerksamkeit sorgen sollen.
Den eigentlichen Erfolg des Hungerstreiks sieht Llanquileo im gestärkten Zusammenhalt der Mapuche und in einem gewachsenen Bewusstsein für die Ungerechtigkeit der Anklagen. „Mehr war nicht zu erreichen“, so die Sprecherin. „Am Ende ging es um Leben oder Tod – und die Gefangenen haben sich für das Leben entschieden.“ Beim Prozess in Cañete hat die mit der Piñera-Regierung getroffene Vereinbarung lediglich zur Folge, dass die 17 AktivistInnen, denen Delikte wie versuchter Mord, Brandstiftung und Holzraub zur Last gelegt werden, nicht mehr nach dem unter der Diktatur geschaffenen Anti-Terror-Gesetz angeklagt zu werden. Hohe Haftstrafen müssen sie dennoch befürchten, vor allem weil sie ein weiteres Verfahren vor einem Militärgericht erwartet. „Das Strafmaß, mit dem jeder Angeklagte rechnen muss, bewegt sich zwischen 30 und Hundert Jahren Gefängnis“, sagte Llanquileo in Berlin. Sie beschrieb, dass viele ZeugInnen, darunter auch VertreterInnen der Forstunternehmen, gegen deren Landnahme sich der Protest der Mapuche richtet, in einem gesonderten Raum angehört werden. „Was diese geschützten ZeugInnen aussagen, wissen wir nicht“, so Llanquileo.
Die Sprecherin der Gefangenen rechnet damit, dass sich das Verfahren in Cañete mindestens bis in den Januar ziehen wird. Bereits in Vorbereitung befindet sich das Verfahren gegen die in Angol und Temuco inhaftierten Mapuche-AktivistInnen. Auch für diesen Prozess werden dringend internationale BeobachterInnen gesucht.

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