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Sieben Wochen – Sieben Bands

9.-13.Juli: CUBANISMO feat. JESúS ALEMAÑY (Descarga)
Als Trompeter blies sich der 15jährige Newcomer Jesús Alemañy zum Star der Band Sierra Maestra, die aus einer Gruppe von Musikstudenten seiner Heimatstadt Havanna bestand. Sie belebten als Reaktion auf anglo-amerikanischen Rock und Nova Trova aus Lateinamerika eine alte kubanische Musiktradition neu, den Son. 1994 verließ er die Insel als reisender Weltmusiker, kehrte jedoch inzwischen wieder zurück, um mit den Musikern der Gruppen Irakere, Los Van Van und anderen sein eigenes Projekt zu kreieren. Die Cuban Music Dance-Scheibe “Cubanismo” wurde in den USA die meistverkaufte in Kuba produzierte Platte seit Verhängung der Blockade. Auf der Platte “Malembe” findet sich eine “Salsa” der kubanischen Musiktraditionen: Son, ChaCha, Bolero, Danzas…sowie insbesondere der Descarga der 50er Jahre – Jam-Sessions, die den vorgegebenen Rahmen von Salsa aufbrechen. (Europapremiere)

16.-20.Juli: BAMBOLEO (Salsa)
Sie sind die jungen Shooting-Stars der kubanischen Salsa-Szene. Vor zwei Jahren haben sie sich gefunden. Zehn Musiker, zwei Sänger und zwei Sängerinnen namens Vannia und Haila, die Kubas Antwort auf Skunk Anansie sind.
Der Mann, der dem Enthusiasmus und dem Lebensgefühl das nötige Handwerk zur Seite stellt, heißt Lázaro Valdés – Pianist, Bandleader und Arrangeur von Bamboleo. Komponieren läßt er bei Kubas besten Songschreibern. Mit dem Debutalbum “Te gusto o te caigo bien?” schoß Bamboleo gleich in den kubanischen Salsahimmel empor und ist in den Clubs von Havanna eine der beliebtesten Bands. (Deutschlandpremiere)

23.-27.Juli: ESTUDIANTINA INVASORA (Vieja Trova)
Santiago de Cuba ist das Gegenbild Havannas, die schwärzere, afrikanische Stadt an der Südspitze der Insel und die Heimat der trovadores. Heute sind dies zwar keine fahrenden Sänger mehr, aber ihre Balladen, in denen voller Stolz Land und Leute besungen werden, sind umso beliebter.
Vertreter der alten Schule der trovadores ist Inaudo Paisán Mallet, Bandleader und Trompeter von Estudiantina Invasora. Gründungsmitglied ist allerdings der 86jährige, Kontrabaß zupfende Roberto Nápoles Castillo, der die Band als Markenzeichen des Vieja Trova bereits 1927 ins Leben rief. Auf der Bühne des Tempodroms feiern sie ihr 70. Jubiläum. Aber damit kein falscher Eindruck entsteht: “alte Schule” heißt nicht “pensioner’s home”, denn das jüngste Mitglied, Geovanis Beltrán, ist zwanzig und zupft die kleine kubanische Gitarre namens Tres. (Deutschlandpremiere)

30.Juli-3.August: SAM MANGWANA feat. WENDO (Kongo-Rumba)
Sam Mangwana ist pan-afrikanische Musikgeschichte, denn mit seiner Version des Rumba-Rocks nutzte er die afro-cuban-roots und wurde mit mehr als 100 Tonträgern weit über den Kongo hinaus bekannt. Mitte dieses Jahrhunderts tauchte die Rumbamusik in den west- und zentralafrikanischen Metropolen auf, dessen Roots hier ihren Ursprung hatten, denn die Entstehung der Rumba-Kultur in Amerika und der Karibik fand nur gewaltsam durch die damaligen Sklavenschiffe statt.
Für das Festival hat er ein besonderes Projekt herangezogen, mit dem er der Entwicklung des afrikanischen Rumba nachspüren will. Dazu bringt er bekannte Musiker aus dem Kongo mit und den zur Legende gewordenen Wendo, der mit seinen Gitarrenkompositionen kubanische Rhythmen aus dem Radio in die Musiksprache seiner Heimat übersetzt. In Wendos Version eines neuen, urban geprägten Lebensstils ist er zum Symbol für nachrückende Musikergenerationen geworden.

6.-10.August: VOCAL SAMPLING (Salsacappella)
Nichts übertrifft an Ausdruck und Intensität die menschliche Stimme. Was als Pausenspaß gedacht war, entwickelte sich bei sechs Musikstudenten aus Havanna zur Berufung. Nicht nur Lead- und Chorgesang von Salsa beherrschen Vocal Sampling, die ganze Instrumentalisierung liefern sie gleich mit: Percussion, Bläser, Bass. Alles ohne Tricks, nur mit ihren Stimmbändern.
Anders als die meisten verzichten sie beim zweiten, jüngst erschienenen Album “De Vacaciones” auf das Nachsingen kubanischer Standards und präsentieren eigene Salsa-Kompositionen. “Vocal Sampling”, so urteilt Sammy Figueroa, Ko-Produzent ihres Debutalbums “Una Forma Más”, “haben Salsa nicht einfach als a-capella übersetzt. Sie haben den Gesang in der Latin-Musik als neue orchestrale Kunstform definiert.”

13.-17.August: LOS MUÑEQUITOS DE MATANZAS (Roots Rumba Santería))
In der Hafenstadt Matanzas, knapp hundert Kilometer von Havanna entfernt, lebt und arbeitet seit 45 Jahren diese in den USA frenetisch gefeierte Band, die in Kuba eine Institution ist. Sie folgen dem Rumba, einer Mischung aus Straßenparty kubanischer Lohnarbeiter und einem Fest selbstbewußter Nachfahren afrikanischer Sklaven, zurück an seine afrikanische Wiege. Musikalische wie spirituelle Quelle ist der Yoruba Kult Nigerias, der in Westafrika bereits längst verloren gegangen ist.
Bei ihren Auftritten singen Los Muñequitos auf Yoruba, nur von Percussion-Instrumenten begleitet, und die Augen des Publikums werden von kraftvollen Machetenkämpfen und den spektakulären Formen der Rumba-Tänze gefangen. Sie haben es geschafft, die afrikanischen Roots authentisch zu bewahren, gleichzeitig aber zugängliche Unterhaltung für ein großes Publikum zu bieten. (Europapremiere)

20.-24.August: CANDIDO FABRÉ Y SU BANDA (Son Charanga)
Candido Fabré gehört zu den großen Talenten des zeitgenössischen Son. Zehn Jahre lang war er Komponist – Gallionsfiguren wie Celia Cruz, Oscar d’Leon oder Los Van Van übernahmen seine Kompositionen -, Arrangeur und Leadsänger beim Orquesta Original de Manzanillo. Vor gut drei Jahren gründete er seine eigene, vierzehnköpfige Band, die er als Komponist und vor allem als Interpret zu einer der vielseitigsten Son-Gruppen Kubas aufgebaut hat.
Fabré spielt seine Musik in der Tradition der Charanga-Bands der 50er Jahre mit dem typischen Arrangement von drei Geigen und einer Querflöte. Aus über 1000 Eigenkompositionen wählte er die Songs für sein internationales Debutalbum “Son de Cuba” aus. “Cuban son at its best”, “one of the finest vocal improvisers in the world”, urteilte die Presse. Rechtzeitig zum Festival erscheint sein neues Album “Son Charanga”.

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