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Wenn der Rhythmus explodiert

Ende der 50er Jahre wird Brother Resistance, mit bürgerlichem Namen Lutalo Masimba, in Port of Spain auf Trinidad geboren. In seiner Kindheit ist Trinidad noch eine britische Kolonie. Masimba besucht die High School und arbeitet danach als Bankangestellter. In den 70ern beeinflusst ihn die Blackpower Bewegung und er ist Gründer und Bandleader der Network Riddim Band. Die Band musiziert mit einfachen Instrumenten, mit Trommeln und Steeldrums. Aber Musik ist nicht alles für ihn. Mit 22 Jahren geht er auf die Universität und macht seinen Magister in Ökonomie und Geschichte. Doch die Musik lässt ihn nicht los. Beeinflusst von Lancelot Layne, einem Rapso-Musiker der ersten Stunde, beginnt Masimba für seine Network Riddim Band zu schreiben und die Texte vorzutragen. Zur Bestürzung ihrer Fans wechselt die Gruppe zu elektrischen Instrumenten.
„Rapso – de power of de word in de riddum of de word.“ Der Text und der Textvortragende stehen im Mittelpunkt des Rapso. Dessen Wurzeln liegen im traditionellen Calypso, dem afrokaribischen Sprechgesang, der sich während der Sklaverei enwickelt hat. Nach und nach hat der Calypso die verschiedensten Instrumente in sich aufgenommen und sich musikalisch weiterentwickelt. Hier zu Lande wird er vor allem mit den Steeldrums in Verbindung gebracht, deren Erfindung auf das einstige Verbot von Trommeln während des Karnevals durch die britische Kolonialmacht zurückgeht.

Calypso, Soul und Rap: Rapso

Eine Variante des Calypso ist der Soca, der Soul-Calypso. Und der Rap des Soca ist der Rapso, die Kombination aus dem Rhythmus der Stimme mit den Rhythmen der Trommeln und Steeldrums. Der Rapso entwickelte sich in den 1970er Jahren und belebte die trinidadische Figur des Chantuelle wieder. Der Chantuelle (französisch: chanterelles) führt den Sprechgesang in der afrikanischen Tradition von Frage und Antwort an.
Brother Resistance alias Lutalo Masimba ist der Chantuelle der Network Riddum Band. Seine Texte handeln von seinen afrikanischen Wurzeln, den Nachwirkungen der Kolonialzeit, aber auch von Arbeitslosigkeit und Umweltverschmutzung. Sein Lied „Mother Earth“ wurde zur Hymne des Tages der Erde und Umwelt in der Karibik und 1992 auf dem UN-Erdgipfel in Rio de Janeiro vorgestellt.
Zwar tourt der Sänger seit vielen Jahren mit seiner Band durch die Welt, aber veröffentlichte Aufnahmen kamen bisher selten über den karibischen Raum hinaus. Mit „When De Riddum Explode“ hat Brother Resistance nun sein erstes internationales Album vorgelegt.
Brother Resistance ist neben seinem musikalischen Schaffen auch Forscher und Dichter. Den afrikanischen Ursprüngen, die sich in seinen Texten widerspiegeln, hat er selbst nachgespürt. Die mündliche Überlieferung der eigenen Geschichte, die sich nicht zuletzt in der Figur des Chantuelle niederschlägt, ist der Gegenstand seiner Forschungen, den er auch in Gedichten abbildet. So kommt es, dass er neben seinen Auftritten als Musiker auch Lesungen veranstaltet. Wer daran ebenso interessiert ist sollte sich die Tourdaten genau ansehen.

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