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Wenn der Vater mit dem Sohne

Ein starker Arm hält den kleinen Körper im türkisfarbenen Wasser. „Ganz ruhig, ich habe Dich sicher. Das Wasser kräftig raus pusten. Noch kräftiger. So ist es gut.“ Jorge zeigt seinem Sohn Nathan wie er Brille und Schnorchel benutzen muss, um auf Fischfang zu gehen. Nathan soll Jorges Arbeit und Leben als Fischer kennen lernen, bevor sich Vater und Sohn längere Zeit nicht sehen werden.
Denn Nathans Mutter Roberta will den gemeinsamen fünfjährigen Sohn mit in ihre Heimat Italien nehmen. Nach einigen gemeinsamen Jahren haben Jorge und Roberta gemerkt, dass sie aus zu unterschiedlichen Welten kommen, um dauerhaft miteinander leben zu können. Während Roberta nicht auf ihre gewohnte urbane Umgebung verzichten will, fühlt sich Jorge nur in seiner Fischerwelt wirklich wohl. Genau diese Welt, in der Mensch und Natur in Harmonie zusammenleben, will er seinem Jungen vermitteln. Es ist eine einfache, aber sinnliche Welt.
Diese Beschreibung trifft auch auf Alamar (Ans Meer) zu, den Debütfilm des jungen mexikanischen Regisseurs Pedro González Rubio, der auf der Berlinale in der Sparte Generation präsentiert wird. Es ist keine große Geschichte, dafür aber eine authentische. Unaufgeregt verbindet Alamar fiktionale mit dokumentarischen Elementen zu einer eigenen Erzählform, die mit minimalen Mitteln intime Blicke auf die Beziehung Vater-Sohn und Mensch-Natur erlaubt. Dabei liegt der Fokus auf der Perspektive des Jungen, die dem Publikum an dem kindlichen Staunen und der Erfahrung der Einfachheit des Glücks teilhaben lässt. Gleichzeitig ist der Film eine Liebeserklärung an das Biosphärenreservat Banco Chincorro, einer schwer zugänglichen Inselkette in der mexikanischen Karibik, das Teil der zweitgrößten Korallenriffbarriere und eines der vielfältigsten Meeresökosysteme der Welt ist. Die in hervorragenden Bildern eingefangene Atmosphäre dieses Naturparadieses ist der eigentliche Star des Films. In einem Interview erklärte der Regisseur, wie tief ihn sein erstmaliger Besuch der Karibikküste als Kleinkind beeindruckt habe. Nachdem er vor sechs Jahren erneut hingereist ist, sei er sehr erschrocken gewesen über das Ausmaß der Umweltzerstörung, das der Massentourismus in der Region um Playa del Carmen mit sich gebracht habe. Momentan wird Banco Chinchorro als Kandidat gehandelt, von der UNESCO auch als Weltkulturerbe anerkannt zu werden. Alamar ist dafür eine sehr überzeugende Werbung.

Alamar // Pedro González Rubio // Mexiko 2009 // 70 min. // Berlinale Sektion Generation

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