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Wer hat das Recht in Brasilien:

Der Film beginnt in den 70er Jahren, als sich der Stadtteil Barra da Tijuca in Río de Janeiro zu einer Topadresse der brasilianischen Mittel- und Oberschicht entwickelt. Auch Célio träumt davon, hier einmal leben zu können. Er quengelt so lange, bis sein Vater endlich den Kaufvertrag für die Wohnung Nr. 808 im Condominio Paradiso, einem Apartmenthaus-Projekt in jenem Szeneviertel, unterzeichnet. Der Erbauer dieser Traumwelt ist kein geringerer als der Vater seines Freundes Octávio.
Die beiden Jungen verlieren sich aus den Augen und sehen sich 20 Jahre später genau an dem Tag wieder, an dem Octávios Vater begraben wird. Todesursache: Selbstmord. Er hinterlässt ein bankrottes Ingenieursunternehmen mit Octávio als einzigem Erben. Schlimmer noch: Es stellt sich heraus, dass Octavios Vater die Wohnungen in dem inzwischen fertig gestellten Condominio Paradiso mehrfach verkauft hat, sämtliche Besitztitel sind somit äußerst strittig. Auch die Rochas sind davon betroffen. Célio, der inzwischen Journalist ist, schwört, sich an Octávio zu rächen. Aber es kommt anders, denn ebenso wie den Vater überkommen auch den verzweifelten Octávio Suizidgedanken. Er will sich das Leben nehmen, doch ausgerechnet Célio rettet ihn in letzter Sekunde. Octávio bittet ihn um Hilfe, da er alle Freunde verloren hat. Inzwischen haben sich wenigstens die FavelabewohnerInnen, die das Condominio gebaut haben, aber nicht entlohnt wurden, ihr Recht genommen und sind kurzerhand in das leerstehende Apartmenthaus eingezogen. Célio will um jeden Preis die Wohnung retten, in die sich längst sein Vater begeben hat, weil er geschworen hatte, nur im Apartment 808 zu sterben. Alle spielen verrückt und Octávio beschließt, in dieser Situation das einzige zu tun, was er kann: abhauen. Auf Célios Konto will er 5 Millionen Dollar deponieren. Der Coup geht natürlich schief. Célio packt das schlechte Gewissen und wird fast verrückt. Er wandert aus in die Wüste, um Gott zu finden – und er findet ihn tatsächlich. Dieser gibt ihm den Auftrag, Octávio davon zu überzeugen, sein Leben den Armen zu widmen.
Der Film driftet ins skurril-fantastische ab: Selbst in einem Land wie Brasilien kann es Gerechtigkeit für alle geben, egal, ob arm oder reich. Die ehemaligen FavelabewohnerInnen dürfen bleiben, wo sie sind. Octávio und seine Mittelsmänner werden für ihre Verbrechen bestraft und entschließen sich im Gefängnis, eine Glaubensgemeinschaft zu bilden. Célio bekommt schließlich sein Apartment. Ein Happy-End wie es nur im Film möglich ist.
Mit Redentor hat Regisseur Claudio Torres ein Spielfilmdebut hingelegt, das sich dem Stilmittel der fantastischen Parabel bedient, um aus ironischem Blickwinkel Kritik an der brasilianischen Gesellschaft zu üben. Überzeugend sind auch die SchauspielerInnen, besonders Pedro Cardoso (Célio) und Fernanda Montenegro (Célios Mutter), die dem Publikum bereits aus Central do Brasil bekannt ist.

Redentor, Regie: Claudio Torres; Brasilien 2004, 110 min., Farbe, Der Film wird im Panorama der Berlinale (10. – 20. Februar 2005) gezeigt.

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