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„Unvereinbar mit unserer Mission“

Es hätte so schön werden sollen: Die baden-württembergische Stiftung Entwicklungs-Zusammenarbeit wollte gemeinsam mit TransFair Deutschland, dem Dachverband Entwicklungspolitik Baden-Württemberg (Deab), der Voith-Stiftung, dem Staatsministerium sowie dem Kultusministerium in Heidenheim den „1. Fairtrade-School-Kongress in Baden-Württemberg“ durchführen. Der passende Ort dazu war auch schnell gefunden: Das neue Training-Center der Firma Voith.
Doch dann kam alles anders. Die kleine Nichtregierungsorganisation Poema e.V. aus Stuttgart bekam Wind von der Sache und schrieb einen Protestbrief an die Ausrichter. Poema setzt sich seit über zwanzig Jahren für den Schutz der Regenwälder am Amazonas ein. Und protestiert seit Jahren gemeinsam mit anderen Organisationen gegen den Bau des drittgrößten Staudamms der Welt: Belo Monte am Xingu-Fluss in Amazonien, für den VoithHydro Turbinen liefert. Deswegen sieht sich Voith, zusammen mit seinem Joint-Venture-Partner Siemens, seit Jahren öffentlicher Kritik ausgesetzt. „So weiß die Öffentlichkeit auch in Deutschland, dass bis zu 40.000 Menschen zwangsumgesiedelt und die Lebensgrundlagen tausender Fischer zerstört werden. Indigene Gemeinschaften sind in ihrer Existenz bedroht“, so Poema in ihrem Protestbrief an die Ausrichter*innen des „1. Fairtrade-School-Kongress Baden-Württemberg“. Es sei „nicht nachvollziehbar, dass ausgerechnet zum 1. Fairtrade-School-Kongress Baden-Württembergs in die Räume dieses Unternehmens eingeladen wird, um über ‚Fairen Handel‘ zu sprechen“, so Gerd Rathgeb von Poema und die anderen Mitunterzeichner*innen. Das Unternehmen Voith stehe „nach Meinung vieler Betroffener in Amazonien in seinen wirtschaftlichen globalen Tätigkeiten im klaren Widerspruch zu den Herausforderungen und Handlungsfeldern für einen Fairen Handel, sowie einem fairen Umgang mit der Natur und den Menschen, die vom Staudammbau betroffen sind.“ Poema suchte nach Lösungen und bot an, auf dem Kongress einen Workshop zum Staudamm Belo Monte durchzuführen, um so auch kritischen Stimmen Gehör zu verleihen.
Und wie reagierten die Beteiligten? Organisatorin Maria Gießmann von der Stiftung Entwicklungs-Zusammenarbeit räumte gegenüber der Wochenzeitung Kontext ein, es sei manches „nicht zu Ende gedacht“ worden, der Zusammenhang zwischen Belo Monte und der Firma Voith sei ihr schlicht „nicht gewärtig“ gewesen. Andererseits habe Gießmann, so Kontext, den Eindruck gehabt, Rathgeb sei eher „auf Krawall“ aus und Voith gegenüber nicht auf Sachlichkeit angelegt gewesen.
Wie reagierte Voith? Laut Informationen von Poema hätte es das Unternehmen nicht zugelassen, über das Thema im Rahmen des Kongresses zu informieren.
TransFair Deutschland jedoch reagierte völlig anders: Als „Träger der Kampagne Fairtrade-Schools hat sich TransFair dazu entschieden, den für den 12. März 2015 geplanten Fairtrade-Schoolkongress abzusagen“, teilte TransFair den Staudammgegner*innen mit. TransFair habe erst durch des Schreiben der NGOs davon erfahren, dass die Firma Voith Turbinen für das Staudammprojekt Belo Monte am Rio Xingu in Brasilien liefere. „Das Staudammprojekt ‚Belo Monte‘, in dem die Voith GmbH offensichtlich involviert ist, steht im Gegensatz zur über 20jährigen Arbeit von TransFair, die sich dem Schutz von Kleinbauern und der Wahrung von Menschenrechten sowie dem Schutz der Natur verschrieben hat. Daher sehen wir eine Veranstaltung, die mit Unterstützung der Voith-Stiftung durchgeführt wird, als unvereinbar mit unserer Mission an.“

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