Literatur | Nummer 557 - November 2020 | Português

LYRIK AUS LATEINAMERIKA

Ein Gedicht von França

Von França, Übersetzung: Lea Hübner

Illustration: Joan Farías Luan, www.cuadernoimaginario.cl

 

Posso vislumbrar meu futuro
num mundo de caricatos moribundos
Sou o anterior e assim sendo
mais belo, mais eu, mais puro
Era apenas uma sombra
hoje, sobra luz agonizante
como pás de cal em cima do assunto
Monólogo: monótono proparoxítona
ou seja, me sentas na sílaba fraca
A palavra mata.
A palavra mesmo morta mata.
Olho ao redor e pressinto
labirintos em espirais coloridos
longe do arco-íris; perto de ti
tão perto que te confunde
A roda emperra na areia da frase solta
e eu guardo meu riso de escárnio
para usá-lo na presença
de apenas uma testemunha:
O meu retrovisor.

 

Ich sehe den Schimmer meiner Zukunft
in einer Welt grotesker Moribunder
Der Vorige bin ich und darum
schöner, selbster, reiner
Kaum mehr als ein Schatten war ich
heute, verbleichendes Licht überflüssig
wie die Schippe Kalk aufs begrabene Thema
Monolog: monotones Proparoxytonon
das heißt, du setzt mich auf die schwache Silbe
Das Wort tötet.
Selbst das tote Wort tötet.
Ich sehe mich um und spüre
bunte Labyrinthe in Spiralen
fern dem Regenbogen; nah bei dir
so nah, dass es dich verwirrt
Das Rad blockiert im Sand des losen Satzes
und ich hebe mir mein höhnisches Lachen auf
zur Benutzung
vor nur einem Zeugen:
Meinem Rückspiegel.

 

França (1955-2007) war ein afrobrasilianischer Dichter, aufgewachsen im Bundesstaat Pernambuco. Er studierte Psychologie, Ökonomie und darstellende Künste und widmete sich auch der Capoeira. In Olinda wurde er mit seinem Sarau der Straßen zum Vermittler von Lyrik. Posthum wurde das Buch Poeminflamado (2012) veröffentlicht.

Lea Hübner ist freiberufliche Übersetzerin für Spanisch und Portugiesisch. Sie studierte Lateinamerikanistik an der Freien Universität Berlin mit Schwerpunkt Brasilianistik sowie Spanisch und Philosophie. Sie lebt in Berlin und hat in den letzten Jahren insbesondere auch Graphic Novels ins Deutsche gebracht, zuletzt Die Jahre von Allende von Carlos Reyes und Rodrigo Elgueta (Chile) und das Kinderbuch Im Dschungel wird gewählt von André Rodrigues, Larissa Ribeiro u.a. (Brasilien).

 

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