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Neues vom Kaffeeberg

Kauft ! Trinkt ! Helft !

LN: Vor einem halben Jahr habt Ihr Ecooconic gegründet. Warum?
F. Medina: Vor 5 Jahren begannen die ersten Kooperativen vom Vulkan Mombacho mit biologischem Anbau von Kaffee. Wir verkauften ihn über die staatliche Empresa “Mauricio Duarte”. Als diese privatisiert wurde, haben wir als Kooperativbewegung selbst weitergemacht, und es kamen weitere Koops aus der Umgebung hinzu. Heute sind wir 14 Koops, die den Kaffee biologisch anbauen und mit MAN (Movimiento Ambientaliste Nicaraguense/ Kontrollstelle für ökologischen Anbau) zusammenarbeiten. Aber mit der Privatisierung wurden auch die Verarbeitungsbetriebe (beneficios) und die Exportstrukturen privatisiert. So waren wir jetzt als Produzenten von Rohstoff den privaten Anbietern der Dienstleistungen wie Kaffeeverarbeitung und Export ausgeliefert. Deshalb haben wir ECOOCONIC gegründet, um das in Zukunft alles selbst zu machen.
M. Rivas: Bei der Verarbeitung von Kaffee wird der meiste Gewinn gemacht und den streichen dann andere ein. Außerdem stimmen bei den Beneficios die Waagen meist nicht. Bei einem Quintal (qq = 46,3 kg), das wir abliefern, verlieren wir so 1 bis 2 libras ( 1 lib. = 463g). Das gleiche passiert bei der Klassifizierung von Kaffee, wenn wir ihn im Beneficio abliefern. Sie klassifizieren einen Kaffee der Güte A als B oder C und wir verlieren wieder. Dann werden bei der Anlieferung im Beneficio Proben über den Feuchtigkeitsgehalt genommen, oft wird falsch gemessen, und natürlich zu unseren Ungunsten. Wir bekommen wieder einige libras abgezogen. Wir sind immer die Verlierer und dann noch bei diesen Weltmarktpreisen.

LN: Ihr habt den Mehrpreis erwähnt, den die MITKA (Import-zusammenschluß alternativer Handelsgruppen, u.a. Ökotopia) zahlt, wie habt ihr den die letzten Jahre verwendet?
F. Medina: Du mußt erst ‘mal wissen, daß wir unsere Koops in den Jahren zwischen 1986 und 1988 über die Agrarreform erhalten haben. Wir haben in den meisten Fällen nur eine leere Hülle bekommen, die Betriebe waren völlig dekapitalisiert, die Kaffeepflanzungen veraltet, einige ernteten anfangs nicht einmal 1 Quintal pro Manzana (1Mza = 0,73 ha). Hier gab es weder Hühner noch Eier.
M.Rivas: Bis vor einigen Monaten mußten wir noch um die Legalisierung einiger Koops kämpfen, das ist jetzt wenigstens geregelt. Diese Koops hatten sowieso keinen Zugang zu Bankkrediten, weil sie noch keine legalen Landtitel hatten. Andere Koops waren verschuldet und bekamen deshalb keine neuen Kredite mehr. Aber die Schulden waren meist nicht vom Kaffee, sondern von der Grundnahrungsmittelproduktion, die in den letzten Jahren schlecht ausfiel, es gab nicht genug Regen. Daher konnten diese Koops ihre Kredite nicht zurückzahlen, erhielten aber auch keine neuen, auch nicht für die Kaffeeproduktion. Viele Koops, auch die von der “Lesley Davila”, wo ich her bin, haben deshalb mit den ersten Mehrpreisen erst mal ihre Bankschulden zurückgezahlt. Die Bankschulden durch mißlungene Maisernten haben viele von uns ruiniert. Dank des Mehrpreises haben wir jetzt auch keine Schulden mehr bei der Bank, für Grundnahrungsmittelproduktion beantragen wir keine Kredite mehr, wir machen das jetzt nur noch aus eigener Kraft. Für den Kaffee beantragen wir nur noch ganz wenig, wir versuchen auch da über die Mehrpreisgelder und eigene Anstrengungen ohne die Bank zu arbeiten.
E.Solis: Die Koops, die jetzt schon den Mehrpreis zur Verbesserung der produktiven und sozialen Bedingungen verwenden, hatten entweder keine Schulden oder gehören zu der Gruppe der fünf Koops vom Mombacho, die mit dem Projekt 1988 begonnen haben. Wir in der Koop “Pancasan”, die von Anfang mit dabei sind, haben mit dem Mehrpreis unser Naßbeneficio (Kaffeeverarbeitungsanlage) repariert und 4 km Weg erneuert, ein Campamento für die PflückerInnen und eine Schule gebaut. Da wir weit weg von anderen Bauern wohnen, konnten unsere Kinder bisher nicht zur Schule gehen. Aus eigenen Mitteln bezahlen wir einen Lehrer, der aus unserer Koop ist, aber eine höhere Bildung hat.
F. Medina: Im ersten Jahr haben wir auch Schulden abgetragen und angefangen , unsere Kaffeepflanzungen zu erneuern. Vor zwei Jahren haben wir mit dem Geld der MITKA eine Baumschule angelegt, um in der Zone aufzuforsten, den der Vulkan hat in den letzten Jahren starke Abholzungen erlitten. Wir haben dann Jahr für Jahr neue Häuser für unsere Familien gebaut, mittlerweile schon 11. Nächstes Jahr werden alle unsere 18 Socios und ihre Familien neue menschenwürdige Häuser haben. Letztes Jahr haben wir auch Geld verwendet für die Dorfgemeinschaft um unsere Koop herum, um bei einigen Problemen zu helfen. Sie sind alle sehr arm und es gibt große Wasserprobleme. Wir haben eine neue Pumpe für ihren Brunnen gekauft. Seit mehreren Jahren mußten diese Leute das Wasser von weit her heranschaffen und teuer bezahlen. Dieses Jahr haben wir mit dem Mehrpreis begonnen, eine Schule für die Koop und das Dorf zu bauen. Mit dem nächsten Mehrpreis werden wir sie fertigstellen.
B. Guevara: Die “Che Guevara” ist erst seit zwei Jahren im Projekt, aber wir sind uns bewußt, daß wir keine bessere Zukunft haben, wenn wir den Mehrpreis jetzt nicht nutzen. Deshalb strengen wir uns an, wir haben die Maschinen für das neue Trockenbeneficio vom Mehrpreis finanziert und monatelang samstags und sonntags mit allen zusammen gearbeitet, um die Maschinen zu installieren und das Gebäude zu reparieren. Letztes Jahr hatten wir bereits begonnen, die Trockenflächen zu erweitern, Gott sei Dank hatten wir keine Schulden. Wir haben hier von Anfang an ein klares Finanzwesen aufgebaut, was viele Koops nicht hatten und sich verschuldeten. In Zukunft werden wir den Mehrpreis auch für soziale Entwicklungsprojekte in den umliegenden Dörfern einsetzen. Wir sind hier als Koop keine Insel, sondern begreifen uns als ein Projekt, das von der Revolution geschaffen wurde.

(Das vollständige Interview kann bei Ökotopia, Gneisenaustr. 2A, 1000 Berlin 61, Tel, 030/6911077 angefordert werden.)

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