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Tupi Nagô – Abra Cada Brasil

Das Musikprojekt Tupi Nagô wurde 1990 in Paris initiiert. Die Idee dazu hatten der Capoeira-Meister Marcos China und Silvano Michelino. Der 1955 in São Paulo geborene Perkussionist und Komponist Silvano Michelino ist Sohn italienischer Auswanderer und lebt seit einigen Jahren in Paris. In der Vergangenheit war Silvano Michelino in verschiedenen Genres (Musik, Tanz, Theater) tätig und arbeitete dabei unter anderem mit Paulo Moura, Chet Baker und Cesaria Evora zusammen. Heute ist er Bandleader von Tupi Nagô. Die Gruppe besteht überwiegend aus Perkussionisten und Sängerinnen, die zum Teil zur Band von Cesaria Evora gehören. Die Stimme der Sängerin Christine Violle ist ein zusätzlicher Gewinn.
Das Konzept Silvano Michelinos ist, die Musik in der Tradition der südamerikanischen und afrikanischen Feste weiterleben zu lassen. In den 13 Titeln der neuen CD Abra Cada Brasil werden traditionelle musikalische Strömungen aus dem Nordosten Brasiliens verarbeitet, die aber nicht zwangsläufig der typischen Axê-Musik Bahias zuzuordnen sind. Instrumentell unterstützt werden die Lieder von Banjo, Klavier, senegalesischen Trommeln, Mundharmonika, aber auch die für Brasilien charakteristische Cuica ist zu hören.
Der Titelsong „Abra Cada Brasil“ – „Öffne jedes Brasilien“ – ruft dazu auf, nutzlose Grenzen – sowohl geographische als auch mentale – zu brechen, und in „Semente Violenta“ werden Korruption, moderne Sklaverei und der Zynismus aufgegriffen, der Menschen vor die Wahl zwischen Gewalt und Resignation stellt.
Im Titel „Fruta-pão“ wird nicht nur musikalisch die Nähe zu den nigerianischen Nagô deutlich. Der Text greift Sequenzen von Yorubá-Worten auf. So sind es zum Beispiel „Na Alma do Co(u)ro“, „Bata Cada Brasil“, „Fruta Pão“, „Semente Violenta“ und „Camaia“, die besonders durch die Umsetzung der originellen Rhythmen durch die Gastmusiker beeindrucken.
Bei wem die Zauberformel jetzt noch nicht gewirkt hat, der kann sich vor dem Kauf der CD durch eine Hörprobe unter www.abracadabrasil.com den letzten Kick holen.

Tupi Nagô „Abra Cada Brasil (Night& Day/Indigo)“; Produziert von Silvano Michelino und Olivier Bloch Laine. CD zu beziehen über Piranha Musik, Carmerstr. 11, 10623 Berlin, www.piran-ha.de

KASTEN

Tupí – Nagô

Im Nordosten Brasiliens treffen zwei kulturelle Strömungen zusammen: die afrikanisch inspirierte Kultur der Küste und die indianische Kultur des Inlands, die stärker portugiesisch beeinflusst ist. Die afrobrasilianische Kultur wird von dem Dichter und Ethnologen Antonio Risério als bantu-luso-iorubano bezeichnet. Das ist eine Mischung aus der katholischen Religion und Lebensform der Portugiesen (luso), der Kultur und Religion der südafrikanischen Bantu, die im 16. Jahrhundert während des Zuckerbooms nach Bahia kamen und den Yorubá aus Westafrika, die im 18. Jahrhundert im Tausch gegen den bahianischen Tabak nach Bahia verschleppt wurden.
Die Nachfahren der Yorubá in Brasilien bezeichnen sich als Nagô. Der in Brasiliens Nordosten praktizierte Candomblé ist eine Mischung mehrerer religiöser Strömungen von Gruppen afrikanischen Ursprungs, die sich mehr oder weniger stark mit katholischen aber auch indianischen und spirituellen Traditionen vermischt haben. Charakteristisch für alle Gruppen, die den Candomblé praktizieren, ist die Verehrung mehrerer Gottheiten, zum Beispiel die Orixás der Yorubá-Kultur.
In Bahia dominieren die Candomblé-Richtungen (Keto, Nagô, Ijexá) der Yorubá-sprachigen Kultur, die aus dem heutigen Nigeria und Dahomey stammen. Die TeilnehmerInnen der Candomblé-Zeremonien werden durch Tänze und rhythmische Trommelschläge, aber auch durch bestimmte Gerüche, Farben und Klänge in Trance versetzt.
Die AnhängerInnen des Candomblé waren auch noch nach der Abschaffung der Sklaverei Diskriminierung und Repression ausgesetzt.
Die Tupí sind ein besonders kriegerischer indianischer Stamm, der schon seit Jahrtausenden in den Küstenregionen Bahias siedelte und später auch Gebiete entlang dem Amazonas und anderer großer Flüsse beherrschte. Als im 15. Jahrhundert die Portugiesen Brasilien kolonialisierten, gab es ungefähr so viele Tupís wie EinwohnerInnen Portugals, rund eine Million!
Tupí-Guaraní, das lange Zeit als zweite Amtssprache in Brasilien gehandelt wurde, ist auch heute noch im alltäglichen Sprachgebrauch in der Namensgebung von Orten, Flüssen, Bergen, Stränden, Pflanzen, Tieren und Früchten zu finden.
In der Tupí-Kultur wurde einfache Landwirtschaft betrieben und sie hob sich durch die Nutzbarmachung der giftigen Maniok-Pflanze hervor. Das soziale Leben in den Dörfern war geprägt von Solidarität in der Gemeinschaft und dem Leben im Einklang mit der Natur.
Quelle: www.brasilien.de

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