Brasilien | Nummer 194/195 - Juli/August 1990

Volksherrschaft in Sao Paulo?

In aller Welt wird der Sozialismus zu Grabe getragen -nur, nicht ein gallisches Dorf, sondern die größte Stadt Südamerikas, Sao Paulo, schwimmt gegen den Strom. Dort gewann im November 1988 die Arbeiterpartei (PT) die Kommunalwahlen und seit 1989 regiert Luiza Erundina die Stadt. Ihr Wahl war eine politische Sensation: Eine Frau aus dem Nordosten, dem Armenhaus Brasiliens, eine Sozialistin vom linken Flügel ihrer Partei, regiert nun im Herzen des brasilianischen Kapitalismus und verwaltet den drittgrößten Haushalt des Landes. Nur, nachdem es mit dem Sozialismus in einem Land nicht so recht geklappt hat, wird man kaum auf den Sozialismus in einer Stadt hoffen dürfen. Aber die PT hatte versprochen, eine Verwaltung aufzubauen, die sich vor allem durch eins von allen bisherigen Verwaltungen unterscheidet: durch das hohe Maß direkter Beteiligung des Volkes. 1 1/2 Jahre PT-Regierung sind vergangen, erste Resümees also möglich. Dabei soll im Folgenden allerdings keine fertige Beurteilung geliefert werden
-das ist von außen kaum möglich. Es geht eher darum, Probleme und Kontroversen zu skizzieren. Die Erfahrungen der PT-Verwaltungen (die PT regiert auch in einer Reihe von anderen wichtigen Städten Brasiliens) haben eine zentrale Bedeutung für die Neuorientierung linker Politik in Lateinamerika, hier muß sich er-weisen, ob eine Politik, die mehr ist als eine Verwaltung des Notstandes, überhaupt möglich ist.

Thomas W. Fatheuer
Das erste Jahr: Solide Haushaltspolitik statt Chaos Viele hatten der Bürgermeisterin prophezeit, s

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