Argentinien | Nummer 188 - Januar 1990

Der Demokratisierungsprozeß versandet

Die letzte Militärdiktatur hatte der 1983 in freien Wahlen bestimmten argentini­schen Regierung eine schwere Hypothek hinterlassen. Ca. 45 Mrd. US-$ Aus­landsschulden, eine hochgradig inflationäre Wirtschaft, nach einem drastischen Deindustrialisierungsprozeß eine starke Verringerung der Industriearbeiterschaft und als Folge brutaler politischer Verfolgung eine geschwächte Gewerkschaftsbe­wegung. Während vor allem die Schuldenlast den wirtschaftspolitischen Hand­lungsspielraum der Regierung einschränkte, schien die Situation für eine Stär­kung der zivilen Gesellschaft und ihre Repolitisierung zunächst günstig. Die Militärs waren nach dem verlorenen Malwinenkrieg in den Augen der Argenti­nierInnen diskreditiert und eine starke Menschenrechtsbewegung, die die Verbre­chen der Diktatur offenlegte und die Bestrafung der Verantwortlichen forderte, entwickelte sich zum Hoffnungsträger einer Demokratisierungsbewegung von unten. Die Radikale Bürgerunion (UCR) konnte die Wahlen vom Oktober 1983 vor allem daher für sich entscheiden, weil sie die Abrechnung mit der Diktatur und die Redemokratisierung auf ihre Fahnen geschrieben hatte. Wir wollen uns im folgenden auf den gesellschaftlichen Wandlungsprozeß der letzten sieben Jahre konzentrieren und die Rolle der einzelnen sozialen Akteure genauer betrachten.

Veit Hannemann, Roman Herzog
Gewerkschaftliche Tradition In den 40er Jahren war der Gewerkschaftsdachverband von staatlicher Seit

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