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Leserbrief

Ähnliche Fragen wie die von Gawora aufgeworfenen bewegen wohl jeden, der von den Plänen der Transamazonia-Gasleitung erfahren hat. Aber wir müssen ehrlicherweise bekennen, dass wir hier in Europa enorme natürliche und speziell biologische „Schätze“ im Zuge unserer Industrialisierung und kontinentalen Integration vernichtet haben. „Ökologischer Neokolonialismus“ wäre ein berechtigter Vorwurf, wollten wir nun den Regierungen Süd- bzw. Lateinamerikas mit anderen als friedlich-partnerschaftlichen Mitteln „ökologische Vernunft beibringen“.
Zudem muss ich dem Autor „Blauäugigkeit“ vorwerfen, wenn er von einer Trassenführung durch „die drei Guayana-Länder“ schreibt, die „weniger negative Auswirkungen mit sich brächte“. „Französisch-Guayana“ ist aber ein Teil Frankreichs und der EU sowie des Euro-Gebietes! So weltfremd kann nun wirklich kein Staats- und Regierungschef Südamerikas sein, der EU bzw. Frankreich auf diese Weise freiwillig die Kontrolle über einen wichtigen Teil der Gasversorgung des gesamten „cono sur“ zu überlassen!
Weltfremd ist von Gawora auch, dass Venezuela das Projekt auf diese Weise faktisch in die Hände Guayanas, mit dem es territorial nicht „im Reinen“ ist, um es mal sehr diplomatisch auszudrücken, und des kleinen Surinam geben könnte. Man schafft sich doch nicht freiwillig selber zusätzliche Probleme!
Es ist weiterhin offensichtlich, dass bei der Trassenführung entlang der Küste, anstatt über Manaus quer durch den Amazonas-Regenwald und den Pantanal, die Umweltschäden insgesamt geringer sein werden; damit werden auch die Argumente abgeschwächt, mit denen man eventuell notwendige internationale Bankkredite für das Projekt verweigern könnte. Gleichzeitig können so die Standorte Nordbrasiliens entwickelt werden.
So unsinnig sind die zusätzlichen Kosten durch die längere Gasleitung also in beiden Fällen durchaus nicht!

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