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Ein Canal, wenig Cash und viele Chinesen

Die meisten asiatischen Staaten haben großes Interesse an Panama – und vor allem an dessen Kanal, da ihre Wirtschaften stark vom Export abhängen. Die USA sind zwar aktuell noch der Hauptnutzer des interozeanischen Seewegs, jedoch haben die asiatischen Nationen in den letzten Jahren schnell aufgeholt. Inzwischen sind die Volksrepublik China, Taiwan, Korea und Japan unter den zehn wichtigsten Staaten, die den Kanal nutzen. Auch in Folge davon haben mehrere asiatische Unternehmen Industrie- und Hafenanlagen in Panama errichtet. Der panamesische Kanalminister Ricardo Martinelli äußert klar, wovon allein die Erlaubnis für wirtschaftliche Aktivitäten in Panama abhängt: „Wer die besseren Bedingungen anbieten kann…“ Diese pragmatische Haltung zeigt sich besonders gegenüber den beiden Chinas. Panama erkennt Taiwan diplomatisch als Republik China an, während es gleichzeitig enge Wirtschaftsbeziehungen zur Volksrepublik China unterhält. So kommt es, dass sich Chang Yung-fa mit seiner taiwanesischen Evergreen Maritime Cop. in Colón an der Atlantikküste niedergelassen hat und gleichzeitig Li Ka-shing aus Hong Kong mit seiner Hutchison Whampoa an beiden Enden des Kanals Hafenanlagen betreibt.

Kommunistische Unterwanderung?

Li Ka-shing ist ein 73-jähriger, sehr erfolgreicher Geschäftsmann, der offensichtlich über gute Kontakte nach Peking verfügt. Letzteres bringt vor allem konservative Gruppen in den USA ins Schwitzen. Sie vermuten, dass sich hinter den strategisch günstig gelegenen Hafenanlagen der Hutchison Whampoa der Arm der chinesischen Volksarmee verbirgt.
Während sich die USA um die Parteizugehörigkeit der Unternehmen sorgen, die in Panama investieren, hat Panama selbst ganz andere Probleme. Vom großen wirtschaftlichen Interesse an der Region profitiert das Land selbst nämlich kaum. So geht beispielsweise zwar ein Großteil des chinesischen Handels über den interozeanischen Seeweg, aber ohne, dass Panama daraus einen Gewinn ziehen würde.
Für die USA scheinen die Profitaussichten von Unternehmen der Volksrepublik China die einzige Beruhigung in Zusammenhang mit den wirtschaftlichen Aktivitäten des kommunistischen Landes in Panama zu sein. Ein Bericht des US-Verteidigungsministeriums Anfang 2000 stellte fest, dass die Bedrohung durch die Hafenanlagen des Hong Konger Unternehmens „indirekt“ sei. Wahrscheinlich würden weder Angestellte von Hutchison Whampoa noch chinesische Beamte auf Befehl Pekings den Kanal beschädigen, da dies im Gegensatz zu ihren finanziellen Interessen stehe.
Japan ist ein weiteres Land Asiens, das offensichtlich versucht, Gewinne und Einfluss in Panama zu sichern. So hat es eine Studie für die schon lange in Erwägung gezogene Errichtung einer dritten Schleuse im Panama-Kanal erstellt. Außerdem bot Japan der panamesischen Regierung zu übertrieben großzügigen Konditionen an, eine neue Brücke zu bauen.
Auch die anderen Länder lassen sich nicht lumpen, wenn es darum geht, den panamesischen Staat mit Spenden und Krediten zu unterstützen. Beliebte Geschenke aus China, Taiwan und Korea sind vor allem Computer, Drucker und andere technische Geräte. Zuletzt gab es sogar ein Auto für das panamesische Außenministerium – aus Taiwan.

KASTEN:
Zur Person: Li Ka-shing

„Ich habe keinen Ehrgeiz, sondern allein ein liebendes Herz für Hong Kong.“ So sieht sich Li Ka-shing, einer der erfolgreichsten Geschäftsmänner Asiens, selbst. Wahrscheinlich hätte er es aber ganz ohne Ehrgeiz nicht zu einem der mächtigsten Tycoons der Welt geschafft.
Am 13. Juni 1928 wurde Li Ka-shing in Chaozhou in der Provinz Guangdong in China geboren. Elf Jahre später ging der älteste Sohn eines Schulleiters dann nach Hong Kong. Li erhielt wenig formale Schulbildung, doch schon 1950 eröffnete er seine erste Fabrik, die Plastikblumen herstellte. 1979 erfolgte dann der Durchbruch: Als erster Chinese kaufte Li Ka-shing eines der britischen Handelsunternehmen auf, das damals die regionale Ökonomie dominierten. Heute gibt es keinen einzigen größeren Wirtschaftssektor in Hong Kong oder China mehr, in dem der Industriemagnat nicht seine Finger im Spiel hat. Li macht Geschäfte mit Immobilien, Telekommunikation, Einzelhandel, Medien, Investment Banking, dem Internet und Infrastrukturprojekten. Lis Wirtschaftsimperium geht weit über die Grenzen Chinas hinaus. Seine Hutchison Whampoa kontrolliert 18 wichtige Häfen und ein Zehntel des gesamten Welthandels. Weiterhin gehört dem Unternehmen beispielsweise in Kanada Husky Oil und in verschiedenen europäischen Ländern besitzt Hutchison Anteile von Telekommunikationsbetreibern.
Um so weit zu kommen hat Li stets seine guanxi (persönliche Beziehungen) mit großzügigen Spenden an karitative Einrichtungen und Universitäten gefördert. Außer Zweifel stehen seine guten Kontakte zu einflussreichen Politikern, die auch Chinas Präsident Jiang Zemin und Premierminister Zhu Rongji einschließen. Auch Li Ka-shings Verwandte sind äußerst geschäftstüchtig. Nachdem letztes Jahr zwei Unternehmen der Familie fusionierten, wurde der Wert von Unternehmen des Li-Clans auf fast 13 Milliarden US-Dollar geschätzt. Der wachsende Erfolg Li Ka-shings veranlasste die Zeitschrift Asiaweek, ihn auf der Power-Rankingliste des Jahres 2000 unter den 50 ausgewählten Personen zum mächtigsten Mann Asiens zu küren. In Hong Kong ist es inzwischen fast unmöglich, nicht bei den Lis zu bezahlen. Ob man nun in einem Cheung Kong Apartment wohnt, ein Gerät der Marke Fortress mit dem Strom von Hong Kong Electric betreibt, Gemüse bei Park ‘N Shop oder Drogeriewaren bei Watson’s einkauft, Metro Radio hört oder sich über PCCW-HKT mit dem Internet verbindet, immer verdient ein Li daran.

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