„DER PUTSCH HÖRT NICHT AUF“

ADRIANA GUZMÁN ARROYO

ist Aymara, lesbisch und Feministin. Sie gehört der Organisation Feminismo Comunitario Antipatriarcal (Gemeinschaftlicher Anti­patriar­chaler Feminismus) an. Die Organisation verortet sich in den Protest-bewegungen der Straße und kämpft gegen geschlechterbasierte Gewalt und für die Verteidigung indigener Territorien. (Foto: privat)


 

Sie und viele Akteur*innen aus den sozialen Bewegungen hatten befürchtet, dass die Wahlen 2020 eine Falle der damaligen De-facto-Regierung unter Jeanine Añez seien (siehe LN 547). Wie bewerten Sie den Sieg der MAS heute?
Die De-facto-Präsidentin Añez konnte abgesetzt werden, aber das Ergebnis der Wahlen ist kein Sieg der MAS, sondern der sozialen Bewegungen. Diese haben dafür gesorgt, dass die Wahlen im Oktober 2020 stattfinden konnten. Viele Menschen haben gegen den Faschismus, aber nicht für die MAS gestimmt. Leider hat die MAS nicht die richtigen Schlüsse aus dem Wahlergebnis gezogen. Sie ist wenig selbstkritisch davon ausgegangen, dass die erzielten 55 Prozent der Stimmen für sie selbst und für ihren Kandidaten Luis Arce abgegeben wurden. Das ist kaum zu glauben, denn Arce vertritt nicht die Interessen der indigenen Bevölkerung, die diesen Prozess angestoßen hat. Er hat als Wirtschaftsminister viele Jahre eine kapitalistische Politik verfolgt. Arce ist mitverantwortlich dafür, dass sich an der Wirtschaftsstruktur nichts geändert hat und die Vereinbarungen mit den Banken und den transnationalen Unternehmen nicht revidiert wurden.

Wie bewerten Sie die Arbeit der neuen MAS-Regierung seit den Wahlen?
Seit den Wahlen 2020 hat die MAS-Regierung weder neue noch alte politische Ziele verfolgt, außer im Bereich der Gesundheit. Hier wurde erreicht, dass Corona-Impfstoffe und -Tests bereitgestellt wurden. Es gibt jedoch keine politischen Maßnahmen, um Bildung voranzutreiben oder um die Wirtschaft wieder zu beleben. Zum Zwecke der Wiederbelebung hat die Regierung den Bergbauunternehmen Steuern erlassen – stattdessen hätte sie die Steuern für die Bevölkerung senken sollen.

Bei diesem Putsch sind die faschistische Rechte und die wirtschaftliche und politische Oligarchie zum Vorschein gekommen. Leider haben die Wahlen und die neue MAS-Regierung es nicht geschafft, die Auswirkungen des Putsches wirklich zu beenden. Es mangelt der Regierung an politischem Profil und Führungskraft. Die Minister kommen nicht aus den sozialen Bewegungen und verfügen nicht einmal über fachliche Expertise. Sie sind nicht in der Lage, mit den Angriffen der Rechten und der Oligarchie umzugehen.

Die Politik wird von den wirtschaftlichen Eliten und den transnationalen Konzernen gesteuert. Deshalb bin ich der Meinung, dass dieses Thema auf der Straße und in den indigenen Territorien entschieden werden muss.

Wurde für die während der De-facto-Regierung begangenen Verbrechen Gerechtigkeit erreicht?
Für die Ereignisse von 2019, wie etwa die Massaker, sind bisher keine Verfahren eingeleitet worden. Die Verantwortlichen wurden nicht zur Rechenschaft gezogen. Es herrscht große Straflosigkeit, insbesondere bei Gewalt gegen Frauen und für Feminizide, die mit dem Putsch angestiegen sind. Seit Beginn der Pandemie ist das gesamte Justizsystem geschlossen. Die Orte zum Feiern und Alkohol trinken sind wieder geöffnet, aber die Gerichte nicht.

Es gibt Verletzte, die noch behandelt werden müssen, die bleibende Gesundheitsschäden davongetragen haben. Für uns als Organisation und für mich als Feministin ist der Kampf für Gerechtigkeit sehr wichtig. Es kann keinen Frieden und keine politische Stabilität geben, wenn es keine Gerechtigkeit und keine anerkannte historische Wahrheit gibt, denn das zieht eine ständige Unzufriedenheit innerhalb der sozialen Organisationen nach sich. Wir wollen, dass die geistigen Urheber, die Anstifter und die Täter bestraft werden und es umfangreiche Wiedergutmachungsmaßnahmen für die Opfer gibt. Für mich ist es sehr frustrierend, dass gegen Jeanine Añez noch kein Verfahren eingeleitet wurde, obwohl sie schon seit neun Monaten in Haft ist. Die Menschen wollen Gerechtigkeit, aber es gibt sie nicht.

Wie ist das Leben in Bolivien heute unter der neuen MAS-Regierung?
Jetzt gibt es zwar keine Massaker mehr, aber eine ständige Bedrängung und Einschüchterung der indigenen Bevölkerung. Es gibt einen ständigen Rassismus auf den Straßen, in den Institutionen, in der Politik, im Bildungswesen und in den Medien. Das fördert eine Kultur des Hasses, in der die Äußerungen von Amtsträgern oder wem auch immer nach ihrer Hautfarbe beurteilt werden und nicht nach ihrem Inhalt.

Ich glaube also, dass sich der Rassismus verschärft. Nicht in Form von Massakern oder Repression, denn er geht nicht vom Staat selbst aus. Aber die Angreifer können Faschisten von der Union Juvenil Cruceñista (einer rechtsextremen Gruppe, Anm. d. Red.) sein oder dein Nachbar, der dich auf der Straße anspuckt oder als Dieb bezeichnet. Das habe ich auch persönlich erlebt. Vor kurzem riefen Luis Fernando Camacho, das Bürgerkomitee von Santa Cruz, die Plattform 21F und alle Gremien, die am Putsch beteiligt waren, zu einem landesweiten Streik auf. Ich wurde auf der Straße umzingelt und verprügelt. Natürlich habe ich die Täter als faschistisch denunziert und sie gefilmt. So etwas passiert indigenen Frauen und Männern, Aymara, Quechua oder Migranten an jeder Straßenecke. Egal, ob wir der MAS angehören oder den sozialen Organisationen nahestehen, wir werden überall beschimpft. Es ist sehr schwierig, zwei Stunden auf der Straße zu sein, ohne mit jemandem in Streit zu geraten. Das führt zu ständigen Spannungen. Ich würde die Situation nicht als Polarisierung bezeichnen, denn es stehen sich nicht zwei ähnlich große Seiten gegenüber, sondern diese Kultur des Hasses wird von einer kleinen Gruppe erzeugt.

Wie erklären Sie sich, dass diese kleine Gruppe nach wie vor das gesellschaftliche Klima vergiften kann?
Die paramilitärischen Gruppen wurden nicht entwaffnet und können jederzeit einen Streik durchführen. Sie hätten aufgelöst werden müssen und sollten im Gefängnis sitzen, aber sie sind weiterhin mit ihren Motorrädern auf den Straßen und verprügeln Indigene! Es ist ein Putsch, der nicht aufhört. Die Rechte betreibt mit paramilitärischen Gruppen, mit Nahrungsmittelspekulation, mit all ihren Mitteln eine permanente Destabilisierung. Neben der MAS hat auch sie Sitze im Parlament errungen, und Camacho ist Gouverneur von Santa Cruz, einem der Departementos mit der höchsten Wirtschaftsleistung. Er kann nun den Staatsapparat für die rechte Mobilisierung einspannen. Ich denke, dass sie ein Abwahlreferendum planen. Die zutiefst rassistische und putschfreundliche Ärztekammer streikt ebenfalls seit Wochen, wie schon 2019. So greifen sie systematisch die Regierung an.

Welche Rolle spielt die wirtschaftliche Situation?
Die Wirtschaftskrise ist schrecklich, besonders für Frauen, und während der Pandemie hat sie sich verschärft. Zur Wiederbelebung der Wirtschaft hat die Regierung etwa die Rückerstattung der Rentenbeiträge beschlossen, die man nun ausgeben kann, um nicht zu verhungern. Für mich ist das ein schlimmer Angriff auf die Menschen, denn wir Frauen haben nicht einmal eine Rente, und auch viele Männer, die jetzt von ihren Ersparnissen leben, werden einmal keine Rente bekommen. Der Rassismus in Bolivien verschärft sich durch die Vertiefung des Kapitalismus, der Ausbeutung und der Wirtschaftskrise. Denn warum behandeln sie uns rassistisch? Um uns zu beherrschen, zu demütigen und auszubeuten, so dass uns nichts anderes übrig bleibt, als ihre Dienerinnen zu sein. Das wollen wir nicht und wehren uns dagegen.

Wie schätzen Sie die Situation der indigenen sozialen Bewegungen ein?
Um dies zu analysieren, sind zwei Aspekte wichtig. Der Putsch wurde 2019 möglich, weil die sozialen Bewegungen sich um politische Ämter gestritten haben und dadurch geschwächt waren. Die MAS hat zunehmend aufgehört, ein politisches Instrument der Bewegungen zur Lösung der Probleme des Landes und der indigenen Bevölkerung zu sein. Stattdessen ist sie zu einer traditionellen Partei geworden, in der die Parteispitze Entscheidungen trifft und die sich auf den Staatsapparat stützt, um Arbeitsplätze für die eigenen Mitglieder zu schaffen. Dafür haben wir keine Revolution gemacht.

Dies ist aber nicht nur die Verantwortung der MAS. Es ist ebenso die Aufgabe der sozialen Bewegungen, Druck auszuüben und einzufordern, dass der Prozess des Wandels neu ausgerichtet und vertieft wird. Leider sind die sozialen Bewegungen aufgrund ihrer Beziehung zum Staat zersplittert. Es gibt Teile der Organisationen, die hinter Evo stehen. Eine zweite Strömung unterstützt den Vizepräsidenten David Choquehuanca und eine dritte Luis Arce. Da wir einen Putsch und eine Pandemie durchlebt haben, waren die Bedingungen denkbar schlecht, um die sozialen Bewegungen wieder zu stärken.

Der zweite Aspekt hängt mit der Pandemie zusammen. Diese hat uns isoliert und gelähmt und vielen Menschen Angst gemacht. Vor allem aber hat die Pandemie einige wichtige Führungspersönlichkeiten der sozialen Bewegungen umgebracht. Das hat die Organisation der sozialen Bewegungen geschwächt. Leider kommen wir aus einer Kultur, in der immer eine Führungsfigur gebraucht wird. Es mangelt an politischen Konzepten, die sozialen Bewegungen sind zersplittert und nach meinem Eindruck passiert Ähnliches in vielen Teilen von Abya Yala. Die Pandemie wurde von den Regierungen auch strategisch genutzt, um uns zu demobilisieren und die sozialen Bewegungen zu lähmen. Trotzdem gehen wir als Feministinnen weiterhin auf die Straße und fordern Gerechtigkeit.

Welche Rolle spielt die feministische Bewegung aktuell? Gab es Fortschritte bezüglich der patriarchalen Pakte innerhalb der MAS?
Nein, es gab keine großen Fortschritte. Es ist schwierig, sich nach einem Putsch wieder zu erheben. Der Putsch war ein politischer, aber es war auch ein körperlicher und emotionaler Schlag. Wir sind gerade erst dabei, wieder aufzustehen. In Bezug auf den Putsch gab es unterschiedliche feministische Positionen. Einige Feministinnen, wie María Galindo oder Silvia Rivera, haben sogar behauptet, dass es gar keinen Putsch gegeben hätte. Ich bin der Meinung, dass die feministische Bewegung in jenem wichtigen Moment 2019 keine bedeutende Rolle gespielt hat, außer dass Feministinnen falsche Informationen über den Putsch verbreitet haben. Es gibt viele verschiedene Feminismen, manche von ihnen tragen zur Polarisierung der Gesellschaft bei und spielen dabei der faschistischen Rechten in die Hände.

Wie wahrscheinlich sind neue Konflikte mit der Regierung wegen des Extraktivismus?
Die Regierung hat an ihrer extraktivistischen Ausrichtung nichts geändert. Die sozialen Organisationen, die dies anprangern könnten, werden das jedoch nicht tun. Im Moment ist es sehr schwierig, auf der Straße Druck auf den Staat auszuüben, denn all dies wird von der Rechten zum Zwecke der Destabilisierung ausgenutzt. Vor kurzem gab es einen indigenen Protest, der legitimermaßen anprangerte, dass auf die Forderungen der Gemeinschaften des Tieflands wie der Guaraní, der Chiquitán, nicht eingegangen wurde. Um an Stärke zu gewinnen, haben sie sich jedoch mit rechtsgerichteten Gruppen und der Partei von Carlos Mesa verbündet. Das hat ihnen jegliche Legitimität genommen. Deshalb glaube ich auch nicht, dass es jetzt große Mobilisierungen geben wird. Das Ausbleiben von Protesten führt vielleicht zu mehr Stabilität, es nimmt jedoch auch Druck von der Regierung, auf die Nöte der Bevölkerung einzugehen.

Gibt es trotz alledem auch ein Wort der Hoffnung für Bolivien?
Ich denke, wir befinden uns in einer schwierigen Situation. In der gesamten Region finden ständig Angriffe statt. In Argentinien zum Beispiel erobern die Anhänger von Ex-Präsident Macri weiterhin Räume zurück. In Chile gibt es Leute, die gegen die Revolte sind. Sie bedeuten uns, dass wir keine weiteren Revolutionen oder Transformationen befördern sollen. Was mich aber hoffnungsvoll stimmt, ist, dass wir in der Lage waren, die De-facto-Regierung sehr schnell loszuwerden. Denn es waren die Proteste vom Juli und August 2020, die die Durchführung der Wahlen vom 18. Oktober ermöglicht haben. An dieser Mobilisierung waren vor allem die indigenen Gemeinschaften beteiligt, die im ganzen Land demonstriert, Straßen blockiert sowie Bürgerversammlungen und einen unbefristeten Streik abgehalten haben.

Unsere Fähigkeit zur Organisation, unser Widerstand, unsere ständige Weigerung, beherrscht und unterworfen zu leben, gibt Hoffnung. Auch wenn es jetzt Spaltungen in den sozialen Bewegungen gibt, so sind diese vorübergehend. Wir Aymara und Quechua ertragen die Unterdrückung nicht. Wir sind rebellisch und haben uns immer selbst organisiert. Wir dürfen nicht alle unsere Hoffnungen auf den Staat setzen. Das haben wir bereits versucht, doch es ist schwierig für den Staat, alles zu verändern. Mich stimmt es hoffnungsvoll, dass wir wieder an uns selbst als Organisationen und Gemeinschaften glauben und den Staat als eine weitere Variable haben, über die man diskutieren kann. Vor allem aber ist es wichtig, dass wir uns selbst organisieren. Nicht mehr für eine Partei, nicht für eine Person, sondern weil wir nicht mehr mit den Patriarchen leben wollen. Nie wieder als Dienerinnen!

„UN GOLPE QUE NO SE ACABA“

ADRIANA GUZMÁN ARROYO

es Aymara, lesbiana y feminista comunitaria. Es parte de la organización Feminismo Comunitario Antipatriarcal, una organización que surge a partir de la masacre del gas de 2003, y lucha contra el patriarcado en la calle y, principalmente, contra la violencia hacia las mujeres y por la defensa del territorio. (Foto: privado)


 

Muchxs en los movimientos sociales pensaban que las elecciones de 2020 eran una trampa del ex gobierno de facto. ¿Qué análisis haría del triunfo del MAS?
Se ha logrado sacar a la presidenta de facto Jeanine Añez, pero el resultado de las elecciones no se puede llamar una victoria del MAS. Hay mucha gente que ha votado en contra del fascismo, pero no a favor del MAS. Quien ha ganado es el pueblo. Lastimosamente, el MAS no ha recogido este aprendizaje. Con poca capacidad de autocrítica han asumido que el 55 por ciento de los votos es de apoyo al MAS, a Luis Arce. Eso es imposible de creer, porque Luis Arce no es un personaje político, no tiene un perfil que represente a los pueblos originarios. Por muchos años ha sido ministro de economía, de una economía liberal, capitalista. La matriz productiva del país, los acuerdos con la banca y con las transnacionales no se han transformado. Y parte de la autoría de todo eso la tiene Luis Arce.

¿Cómo evalúa el trabajo del nuevo gobierno del MAS después de las elecciones?
Siento que en este año de gobierno del MAS no hay un proyecto político ideológico, ni nuevo ni antiguo, ni nada. Lastimosamente, no se ha hecho gestión, excepto en salud, donde se ha logrado que lleguen las vacunas y las pruebas. No podemos ver una gestión en educación, ni una reactivación económica. Le han llamado reactivación económica a condonar los intereses de la importación de insumos para la minería, pero si había alguien a quien había que reducirle o eliminarle los impuestos era al pueblo, no a las empresas mineras.

En Bolivia ha habido un golpe al pueblo que ha terminado con un golpe de Estado. Este golpe ha articulado de manera muy fuerte a una derecha fascista, a la oligarquía económica y política junto con algunos sectores sociales. Las elecciones y el Estado no han sido suficientes para acabar con ese golpe. El compañero Luis Arce no tiene un gabinete ministerial que pueda enfrentar este movimiento difícil. Las y los ministros no tienen un perfil político, no vienen de las organizaciones sociales, ni siquiera tienen un perfil técnico. Hay un vacío de discurso y de liderazgo importante. La política se está construyendo en los grupos económicos, las transnacionales. Entonces para mí, eso se va a tener que definir en las calles.

¿Se ha hecho justicia por los crímenes cometidos bajo el gobierno de facto?
Respecto a las masacres de 2019, por ejemplo, no se han iniciado los procesos ni hay un juicio de responsabilidades. Principalmente, hay una gran impunidad con respecto a los crímenes contra las mujeres. En 2019 se profundizó la violencia hacia las mujeres y los feminicidios, pero desde la pandemia, todo el sistema judicial está cerrado. Ya se ha acabado la cuarentena en el mundo, los lugares para hacer fiesta y beber alcohol están abiertos, pero los juzgados no.
Hay heridos que todavía necesitan tratamiento y que han quedado con discapacidad. Entonces, una cosa importante para nosotras como organización, para mí como feminista, es la lucha por la justicia. No puede haber paz y no se puede construir ninguna estabilidad política si no hay justicia y no se llega a la verdad histórica de los hechos, porque va haber una permanente inconformidad dentro de las organizaciones sociales. Deseamos que haya sanción y justicia para los autores intelectuales, los instigadores, los autores materiales y un gran plan de reparación para las víctimas. Para mí es una gran frustración que no se haya iniciado un juicio de responsabilidades contra Jeanine Añez, cuando ella ya está detenida desde hace nueve meses. El pueblo quiere justicia y justicia es lo que no hay.

¿Como es la vida ahora en Bolivia bajo el nuevo gobierno del MAS?
Si bien ha cambiado desde 2019, aún es difícil estar en la calle. Ahora no hay masacres, pero hay un asedio permanente, amedrentamiento a quienes tenemos este color de piel y a quienes nos reconocemos como Aymaras. Hay un permanente racismo en las calles, en las instituciones, en la política, en la eduación y en los medios de comunicación. Ellos fomentan una cultura del odio, donde se juzga las declaraciones de una autoridad, o de quien sea, por el color de su piel y no por lo que está diciendo.

El racismo se está profundizando. No en esta forma de masacre y represión, porque no lo está haciendo el mismo Estado, pero los agresores pueden ser fascistas de la Union Juvenil Cruceñista (grupo de extrema derecha, nota de redacción), o pueden ser tu vecina o tu vecino que te escupa o te dice ladrona en la calle. Lo vivo en mi vida personal también. Hace poco me han rodeado y golpeado en la calle. Por supuesto, los he denunciado por fascistas y los he grabado. Eso se puede ver en todas las esquinas, donde haya mujeres y hombres indígenas, aymaras, quechuas, migrantes y vinculados al MAS. Ya seamos afiliados o cercanos a las organizaciones sociales, somos acusados de ladrones, de corruptos en todas las ciudades. Es muy dificil pasar dos horas en la calle sin pelear con alguien. Yo no lo llamaría polarización, porque no es una mitad y otra mitad. Es un pequeño grupo que está generando esta cultura del odio.

¿Cómo se explica que este pequeño grupo pueda seguir intoxicando el clima de la sociedad?
Los grupos paramilitares no se han desarmado. Cuando quieren, hacen un paro. En octubre Luis Fernando Camacho, el Comite Cívico de Santa Cruz, la Plataforma 21F y todas las instancias que han hecho el golpe, convocaron a un paro nacional. Los grupos paramilitares deberían haberse desarticulado, deberían estar en la carcel o escondidos, pero nuevamente han estado en la calle. Entonces, yo siento en el cuerpo que hay un golpe que no se acaba.
En las elecciones no ganó solo el MAS. La derecha con los grupos paramilitares está haciendo una desestabilización permanente, ha ganado lugares en el Parlamento y Luis Fernando Camacho es gobernador de Santa Cruz, uno de los departamentos con mayores ingresos económicos. Entonces, él ahora tiene la maquinaria estatal para generar estos tipos de movilizaciones. Creo que están alistando un segundo golpe, pero en términos de un referendum revocatorio. El colegio médico, un sector profundamente racista y muy complice del golpe, también está desde hace tres o cuatro semanas de paro, como en el año 2019.

¿Qué papel juega la situación económica?
La crisis económica es terrible, sobre todo para las mujeres. Una de las medidas de reactivación económica, que ha tomado el gobierno, es devolver los aportes de jubilación. Es decir, que tú puedas sacar tu jublicación en efectivo y gastártela para no morirte de hambre. Para mí, eso es un terribe atentado contra el pueblo. Las mujeres no tenemos ni jubilación. Pero pienso en muchos hermanos que son mineros, obreros, que están desempleados y ahora se van a comer sus ahorros y no van a tener jubilación.
El hecho de que se profundice el racismo en Bolivia tiene que ver con la profundización del capitalismo, de la explotación y de la crisis económica que con la pandemia ha sido peor. A través del racismo nos quieren dominar, humillar y explotar. Así lo único que nos queda es ser sus sirvientas. Eso es lo que no queremos, contra eso nos resistimos.

¿Cómo ve la situación de los movimientos sociales indígenas?
Creo que hay dos dimensiones para analizar esto. Por un lado, el golpe al pueblo en 2019 se ha dado porque los movimientos sociales estaban fragmentados. Las organizaciones se han roto peleando por un puesto de trabajo en el Estado. El MAS ha dejado cada vez mas de ser un instrumento político para convertirse en un partido tradicional con una cúpula que decide y se sustenta en el aparato público, en la generación de empleos para sus propios militantes. Pero no para buscar la solución de los problemas del país y de los pueblos. Eso ha sucedido ya antes de 2019 y por esta debilidad ha habido este golpe. Pero no solo es responsabilidad del MAS. Depende también de que los movimientos sociales puedan presionar y exigir la reconducción y profundización del proceso de cambio. Lastimosamente, están fragmentados por su relación con el Estado. La segunda dimensión tiene que ver con la pandemia que ha generado aislamiento, paralización y miedo en muchos casos. Pero sobre todo, se ha llevado algunos lideres importantes. Eso ha dejado también desarticulados a los movimientos. Lamentablemente, venimos de una cultura un poco caudillista y tiene que haber una voz que se sigue. Hay un gran vacío político e ideológico y hay una fragmentación en los movimientos, y yo siento que eso está pasando en gran parte de la Abya Yala. La pandemia también ha sido una estrategia desde los Estados y los partidos para desmovilizarnos, para paralizar a las organizaciones. Sin embargo, por lo menos como feministas estamos en las calles y permanentemente movilizadas exigiendo justicia.

¿Nos puedes explicar más sobre la fragmentación en los movimientos sociales?
Los movimientos sociales están divididos en tres vertientes. Algunos están con el Evo. Esta vertiente es en mi entender la menos autocrítica y está dejando guardado el tema de la justicia para cuando al Evo le toque ser candidato. Hay mucho cuestionamiento y mucha diferencia con esta vertiente, porque la mayor parte se ha ido a la Argentina durante el golpe. Yo puedo entender que se haya ido el Evo, porque estaban intentando acabar con su vida, pero que se hayan ido los diputados, los viceministros, y que estuviesen mirando desde allá como masacran, eso no lo puedo entender. La segunda vertiente está con el vicepresidente David Choquehuanca, con quienes nosotras nos identificamos más, quien está más apoyado por las comunidades, por los pueblos originarios, pero no logra tener una fuerza contundente dentro del gobierno. La tercera vertiente es Luis Arce, quien más que ser una vertiente dentro del MAS, intenta tener algo de fuerza para hacer gobierno, hacer gestión, porque lastimosamente no la tiene. No tiene tampoco el respaldo suficiente para tomar decisiones, para que salgamos todos a enfrentar a la derecha.
La fragmentación, frustración y desconfianza se profundizan por la poca capacidad de autocrítica que tienen las tres vertientes. Se han quedado mucho en los discursos políticos, en la campaña electoral, pero hoy necesitamos comer, justicia y salud.

¿Qué rol juega el movimiento feminista en la actualidad? ¿Hubo algún avance respecto a los pactos patriarcales dentro del MAS?
No han habido muchos avances. Es dificil levantarse después de un golpe. Un golpe político, pero además físico, ideológico y emocional. Y recién nos estamos levantando. El feminismo no ha tenido una posición clara en ese golpe. En muchos casos feministas, como Maria Galindo o Silvia Rivera, incluso han dicho que no había golpe. Yo diría que no ha habido un rol trascendental del feminismo en ese momento importante en 2019, si no para desinformar. El feminismo es diverso, pero hay feminismos que le hacen juego a esta derecha fascista que desgasta sistemáticamente al gobierno y a las organizaciones sociales, y que está polizarizando permanentemente a la sociedad.

Mencionaba que el racismo tiene que ver con asuntos económicos, ¿ve la posibilidad de nuevos conflictos con el gobierno por el extractivismo?
El gobierno no ha cambiado su perfil extractivista, pero las organizaciones sociales que podrían denunciar el extractivismo no lo van a hacer. En este momento es muy dificil salir a marchar y presionar al Estado, porque todo eso es instrumentalizado por la derecha para generar una desestabilización política. Hace dos semanas ha terminado una marcha indígena que tenía una demanda legítima, que es que no se ha respondido a las demandas de los pueblos de tierras bajas, de los pueblos de la Amazonia, el pueblo Guaraní y el pueblo Chiquitán. Pero para tener fuerzas, se han aliado con grupos de la derecha y con el partido de Carlos Mesa. Eso les ha quitado toda legitimidad. Por eso creo que no van a haber grandes movilizaciones ahora. Si bien eso limita la desestabilización política, no le permite la autocrítica al gobierno.

¿Hay alguna palabra de esperanza para Bolivía a pesar de todo?
Yo creo que es una situación difícil. En toda la región hay un ataque permanente. En la Argentina, por ejemplo, es impresionante que la gente de Macri siga retomando espacios. En Chile hay gente que está en contra del estallido. Lo que sí es esperanzador para mí, es la capacidad que hemos tenido de sacar a un gobierno de facto muy rápido. Porque las movilizaciones de julio y agosto de 2020 han garantizado las elecciones del 18 de octubre. En esas movilizaciones han estado principalmente los pueblos indígenas que han cortado las rutas de todo el país, que hemos estado en las calles y que hemos hechos cabildos y huelga indefinida.

Esa capacidad de organización, de resistencia, esa negación permanente a vivir dominados, sometidos, todo esto es esperanzador. A pesar de que ahora hay divisiones en los movimientos sociales, esas divisiones son coyunturales. Somo un pueblo rebelde, el pueblo Aymara, el pueblo Quechua, ha sido siempre un pueblo autoorganizado. Frente a esta experiencia de golpe, creo que hemos retomado la tarea de construirnos como movimientos y como pueblos. De no dejar todas las esperanzas en el Estado. Eso ya lo hemos intentado y es difícil que el Estado transforme todo. Para mí es esperanzador eso: Volver a creer en nosotras como organizaciones y pueblos y tener al Estado como una variable más, pero sobre todo autoorganizándonos. Retomar esta capacidad de organizarnos frente al fascismo. Ya no por un partido y una persona, sino porque no queremos vivir con patrones nunca más. Nunca más con patrones. Nunca más como sirvientas.