OHREN AUF LATEINAMERIKA – DER PODCAST!

Folge #4 – Ni una menos – Nicht Eine weniger: Transfeministische Kämpfe in Mexiko

In den vergangenen Jahren sind in Lateinamerika feministische und transfeministische Bewegungen zunehmend sichtbar geworden. Eine ihrer grundlegenden Forderungen ist ein Ende patriarchaler Gewalt. Während zum internationalen Frauenkampftag am 8. März jedes Jahr mehr Demonstrant*innen auf die Straßen gehen, nimmt die Gewalt jedoch noch immer nicht ab.

In dieser Folge sprechen wir darüber mit der mexikanischen Trans-Aktivistin Lia García sowie mit Jana Flörchinger von der Initiative #KeineMehr und den Lateinamerika Nachrichten.

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Folge #3 – Chile auf dem Weg zur neuen Verfassung

Nach den breiten gesellschaftlichen Protesten unter #ChileDespertó (“Chile ist aufgewacht”) sind die Erwartungen an eine neue Verfassung hoch. Gleichzeitig sind die Herausforderungen, diese mitzugestalten, enorm – besonders für die sozialen Bewegungen, die sie über Monate durch kreativen Protest erstritten haben.

Diesmal haben wir mit Aucán Huilcamán (LN 558) von der Mapuche-Organisation Rat aller Gebiete über seine Zukunftsperspektiven gesprochen. Außerdem interessieren uns die Erfahrungen anderer lateinamerikanischer Länder mit neuen Verfassungen.

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Folge #2 – Referendum für ein besseres Chile

Am 25. Oktober 2020 hat Chile darüber abgestimmt, ob eine neue Verfassung erarbeitet werden soll. Wir informieren über die Gründe des Referendums und hören genau hin was vor Ort los ist. Dafür haben wir Stimmen chilenischer Bürger*innen gesammelt sowie zwei Interviews geführt.

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Folge #1 – Ernährungskrise, Polizeigewalt und soziale Bewegungen in Venezuela

Wie leben die Menschen in Venezuela, angesichts der vielen gleichzeitigen Krisen? Wir haben mit zwei Aktivist*innen und einem Journalisten aus drei verschiedenen Regionen des Landes über die Hintergründe der Nahrungsmittelknappheit und Polizeigewalt gesprochen.

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NICHT VERGESSEN

Beinahe drei Jahrzehnte sind seit den ersten dokumentierten Feminiziden in Ciudad Juárez vergangen, und noch immer ist nicht aufgeklärt, wieso so viele Mädchen und Frauen ermordet werden. Eine simple Antwort auf diese Frage gibt es nicht. Aber einen neuen Versuch, sich der Wahrheit anzunähern: durch den Podcast Forgotten: Women of Juárez. Präsentiert von Fernsehproduzent Oz Woloshyn – mit Blick von außen – und Mónica Ortiz Uribe – einer Journalistin, die in Juárez und El Paso aufgewachsen ist – versucht Forgotten in zehn Folgen zu ergründen, wer für die Feminizide in der mexikanischen Grenzstadt verantwortlich ist.

Theorien dazu gab es im Laufe der Jahrzehnte viele, und der Podcast geht ihnen chronologisch nach – von der Frage, ob die Schuldigen Einzelpersonen sind, wie es anfänglich von mexikanischen Behörden vertreten wurde, bis hin zu den größeren Strukturen, die zeigen, dass Polizei, Politik und narcos nicht nur, wenn es um Geld geht, sondern auch bei den Morden zusammenarbeiten. Anhand vom Schicksal weniger Familien entfaltet der Podcast das systemische Problem, das sich in mehreren Wellen von Feminiziden und mit mehreren (möglichen) Tätern und Täterorganisationen offenbart. Somit fällt Forgotten streng genommen zwar unter True Crime, die Bezeichnung wäre aber zu kurz gegriffen: Der Podcast ergötzt sich nicht wie andere dieses Genres an einem grausamen Mord, sondern ist sehr daran interessiert, die gesellschaftlichen Hintergründe aufzudecken.

Auch wenn Forgotten: Women of Juárez im Original auf Englisch ist und dadurch eine eher US-amerikanische Perspektive und Zielgruppe impliziert, wird Mexiko nicht exotisiert. Es kommen Menschen zu Wort, die auf beiden Seiten der Zwillingsstädte, in El Paso wie in Ciudad Juárez, zu Hause sind: Privatpersonen, Journalist*innen und Ermittler*innen. Der Podcast nimmt die USA nachdrücklich in die Verantwortung. Denn der Einfluss des Nachbarlands hat lange Tradition: Schon zu Zeiten der Prohibition gab es einen regen Schmuggel, und vom Handel illegaler Waren ging es über zum Party- und Sextourismus bis hin zur outgesourcten Arbeit nach Abschluss des Handelsabkommens NAFTA, das für billige mexikanische Arbeitskräfte sorgte – und für lange, unsichere Heimwege der Arbeiterinnen, die dadurch zu potenziellen Opfern werden. Teilweise wurden die Feminizide sogar als „Maquiladora Murders“ bezeichnet, nach den Montagefabriken entlang der Grenze, in denen Güter für US-amerikanische Firmen gefertigt werden. Dazu kommen die hohe Nachfrage an Drogen seitens der Vereinigten Staaten und die US-amerikanischen Banken, die für die Wäsche des Blutgelds verantwortlich sind. Forgotten betont: Die Frauenmorde von Ciudad Juárez und die neoliberalen, von den USA ausgehenden Dynamiken stehen in konkretem Zusammenhang miteinander.

Seit diesem Frühling gibt es den Podcast auch auf Spanisch, Deutsch und Dänisch, die deutsche Version wird von Leyla Yenirce und Düzen Tekkal präsentiert. Allerdings sind die Folgen nicht nur kürzer, beide Moderatorinnen sprechen „Juárez“, ein Wort, das oft fällt, konsequent falsch aus. Was die Frage aufwirft, ob sich im deutschsprachigen Raum keine mexikanischen oder zumindest lateinamerikanischen Moderator*innen finden ließen, um Vergessen: Die Frauenmorde von Juárez einzusprechen. Wer des Englischen mächtig ist, dem sei nachdrücklich das Original empfohlen.