Der spanische König Juan Carlos verlas die Einladung zur Konferenz im “Institut für Iberoamerikanische Kooperation” in Madrid. Sie sei der geeignete Augenblick für die iberoamerikanische Gemeinschaft, so der spanische Monarch, um sich ihrer selbst bewußt zu werden. Die Konferenz solle der Welt ihren Willen zeigen, für eine brüderliche und solidarische Gemeinschaft zusammenzuarbeiten.
Nach letzten Informationen haben alle lateinamerikanischen Staatsoberhäupter – Fidel Castro eingeschlossen – die Einladung angenommen.
Währenddessen protestierten in Chile hunderte von Indígenas gegen die Gedenkfeiern am 12.Oktober. An diesem “Tag der Rasse” (día de la raza) wird in ganz Amerika die Landung von Kolumbus gefeiert. Vor dem Monument des Indígena-Führers Caupolican in Santiago de Chile hielt José Painiqueo, Vorsitzender der “Metropolitanen Koordination der Indígena-Völker” eine Rede, in der er die Demonstration als Gedenkveranstaltung für den “Jahrestag der Invasion und die Ankunft der Fremden in unserem Vaterland” bezeichnete.
Die bolivianischen Indígenas kündigten im Zentrum von La Paz die Bildung einer eigenen Regierung für 1992 an.
In Ecuador fanden mehrere Demonstrationen gegen “den schlecht benannten Tag der Rasse” statt. “Dieses Ereignis bedeutete die Ausrottung unserer Sitten”, hieß es.
Im Südosten von Venezuela forderte der “Nationale Indio-Rat” (CNI), daß sich die lateinamerikanischen Nationen als multi-ethnische Staaten definieren sollten. Vor RepräsentantInnen von 21 venezolanischen ethnischen Gemeinschaften sagte ein Vertreter des CNI: “Wir Indígena-Völker weisen die “Entdeckung Amerikas”, den “Tag der Rasse” und die “Begegnung der Völker” als kolonialistische Begriffe zurück. Sie sollen nur den Völkermord verschleiern, der auf den 12. Oktober 1492 folgte.” Der CNI forderte eine kritische Bilanz des 500sten Jahrestages, Land- und Besitztitel für die Indígena-Gemeinschaften und einen Schutz vor dem Verkauf von Indígena-Land, um die Auslandsschulden zu bezahlen.
Panamaische Indígenas demonstrierten vor der spanischen Botschaft in ihrem Land und verlangten von ihrer Regierung, sich nicht an den Vorbereitungen zu den Feiern zum 500sten Jahrestag der Eroberung zu beteiligen.
In San Salvador versammelten sich Indígenas der Nahuatl. Vor der Statue der spanischen Königin Isabel erklärten sie den 12.Oktober zum “Tag der Trauer, an dem wir unsere Identität verloren haben”.
In San José, der Hauptstadt Costa Ricas, marschierten protestierende Indígenas durch die Stadt, während Staatspräsident Calderón ein Geschenk vor der Statue der Königin Isabel niederlegte. “Wir verlangen Personalausweise, jetzt sofort, wir sind Kinder dieses Landes”, forderten die costaricanischen Indígenas.
In Guatemala, einem der Länder mit dem höchsten Indígena-Anteil der Bevölkerung, gaben verschiedene Volksorganisationen Stellungnahmen zum 12. Oktober heraus. Die Union der LandarbeiterInnen des Südens (UCS) forderte, die Mittel, die für diese “dummen Feiern” 1992 vorgesehen sind, für die medizinische Versorgung und für Lebensmittel für die Armen auszugeben. Mit der Invasion 1492, so erklärte die UCS, habe das Leiden und die Ausbeutung der Indígena-Bevölkerung begonnen, die bis heute andauere. Noch krasser drückte es das “Komitee für die Einheit der LandarbeiterInnen” (CUC) aus. Die Gewerkschaft verglich die von den Spaniern errichteten Kolonialdörfer mit den vom guatemaltekischen Heer geschaffenen militärisch kontrollierten Modelldörfern. “Die Spanier haben uns das Land geraubt und es an jene vergeben, die heute die Großgrundbesitzer sind”, erklärte das CUC und forderte die Rückgabe des Bodens an die rechtmäßigen BesitzerInnen. Die LandarbeiterInnengewerkschaft erklärte, die unterdrückten Völker und die armen Bevölkerungsschichten müßten sich zusammenschließen, um den offiziellen Feiern eine alternative Kampagne “500 Jahre Volks- und Indígena-Widerstand” entgegenzusetzen. Als Vorbild für den Widerstand empfahl CUC das Beispiel der geheimen Widerstandsdörfer in Guatemala. In diesen versteckten Bergdörfern leben Menschen, die vor der Repression des Heeres geflüchtet sind.
Schon am Tage zuvor hatten auf ihrem vierten Treffen die lateinamerikanischen Indígena-Parlamentarier in Guatemala-Stadt eine Abschlußerklärung veröffentlicht. Darin kündigten sie jeglicher Form von Diskriminierung, Ausbeutung und politischer Vernichtung ihrer Völker den Kampf an und forderten die Regierungen ihrer Länder auf, ihre Sprache, ihre Kultur und die Institutionalisierung von Indígena-Regierungen zu unterstützen. Sie wiesen die offiziellen Feiern des Fünften Jahrhunderts der spanischen Eroberung zurück, da sie “beleidigend sind und die Indígena-Kultur zudem als touristisches Spektakel präsentiert werden soll”.
In den USA wurde folgende Erklärung des Cherokee-Indianers Jan Elliot publiziert: “Kolumbus war ein Mörder. Seine Landung am 12. Oktober 1492 löste einen der größten Verluste an Menschenleben in der ganzen Geschichte aus.”
Zwischen Aufstand und Verhandlung
Ein Dialog über “die Dialoge”
Maria: Laß uns als ersten Schritt beschreiben, was in jedem Land passiert.
Lea: In Guatemala hat die URNG seit März Gespräche mit den Parteien, mit den UnternehmerInnen und mit den religiösen Gruppen geführt. Ende Oktober wird sie sich mit den Gewerkschaften und anderen Volksorganisationen treffen. Am Ende dieses Weges sind Verhandlungen mit der Regierung und dem Militär vorgesehen. Bisher gibt es ein Abkommen, das in spanien unterzeichnete “Abkommmen von El Escorial” (siehe LN 194/195), in dem sich die Parteien verpflichten, eine “Verfassungsgebende Versammlung” einzuberufen. Beim letzten Treffen mit den religiösen Gruppen Ende September hat die URNG einen Katalog mit Vorschlägen für soziale, politische und wirtschaftliche Veränderungen aufgestellt.
Maria: Die FMLN dagegen hat Ende September ihre Vorschläge in Form eines Regierungsprogramms präsentiert (siehe Artikel in diesem Heft). Der Dialog-Prozess in El Salvador ist schon weiter fortgeschritten als in Guatemala. Zwar stagnieren die Verhandlungen zwischen Regierung und Guerilla seit dem zweiten Treffen in San José im August, weil es keine Annäherung bei dem wichtigsten der sieben zu verhandelnden Themen gibt, der Entmilitarisierung. Das darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, daß der Prozess der Verhandlungen selbst ein unheimlich wichtiger ist. Die Verhandlungen, die im April in Genf begonnen haben, sind schon der vierte Dialogzyklus zwischen Regierung und Guerilla seit 1984. Und die neue Qualität der Treffen in diesem Jahr ist in drei Punkten zusammenzufassen: Allein die Tatsache, daß die Regierung Christiani überhaupt Verhandlungen akzeptiert, ist ein großer Fortschritt. Bei den Treffen 1984, 1987 und 1989 hat es sich lediglich um “Gespräche” gehandelt. Es ist niemals soweit gekommen, daß die Regierung tatsächlich bereit war, über Strukturen der Gesellschaft zu verhandeln. Der zweite wichtige Punkt ist, daß die Verhandlungen jetzt unter Aufsicht der Vereinten Nationen stattfinden. Das bedeutet, daß beide Verhandlungsseiten unter dem Druck stehen, sich ernsthaft um Ergebnisse zu bemühen. Der dritte wichtige Punkt ist die Einbeziehung gesellschaftlicher Gruppen. Das heißt, beide Verhandlungsseiten, sowohl die FMLN als auch die Regierung treten regelmäßig mit den gesellschaftlichen Kräften in Kontakt. Die Ergebnisse der nationalen Diskussion werden ständig in die Verhandlungen hineingetragen.
Lea: Auch in Guatemala hat es schon frühere Versuche zu einem Dialog gegeben, beispielsweise nachdem 1987 der mittelamerikanische Friedensvertrag “Esquipulas II” unterzeichnet wurde. Doch offensichtlich setzten die guatemaltekischen Militärs die Regierung Cerezo unter Druck, so daß diese das Treffen mit der URNG im September 1987 aus rein formalen Gründen abhielt, aber schon im voraus klar war, daß es platzen würde. Und warum ist bei den vorherigen Dialogrunden in El Salvador kein Ergebnis herausgekommen?
Maria: Bisher hat die Regierung immer gesagt: Grundbedingung für eine Verhandlung ist, daß die FMLN die Waffen niederlegt. Das hat die FMLN nie akzeptiert.
Lea: Jetzt haben also beide Regierungen zum ersten Mal in Verhandlungen eingewilligt, obwohl die Guerillas ihre Waffen behalten.
Maria: Und Cristiani hat sich darauf eingelassen, daß zuerst politische Abkommen geschlossen werden, bevor über einen Waffenstillstand geredet wird.
Lea: Um es bis hierher zusammenzufassen: Hinter dem Wort “Dialog” verbergen sich ganz verschiedene Inhalte. Das können Verhandlungen oder Gespräche sein. Verhandlungen können nur zwischen Machtgruppen stattfinden. In Guatemala hat es bisher noch keine Verhandlungen gegeben, weil die URNG noch nicht mit Regierung oder Militär an einem Tisch gesessen hat.
“Was bedeutet aber jetzt der Dialog innerhalb
der Strategie der FMLN und der URNG?”
Maria: Sie konnte also noch keine Abkommen über eine Entmilitarisierung schließen. Bisher ging es lediglich darum, klarzustellen, welche Position jedeR vertritt. Im Unterschied zu El Salvador werden in Guatemala innerhalb der Gesellschaft Diskussionen geführt, bevor die Guerilla in Verhandlungen mit der Regierung eintritt, während diese Prozesse in El Salvador gleichzeitig laufen.
Lea: Okay, Du kannst zwar nicht mit Gruppen verhandeln, die nicht an der Macht beteiligt sind. Auf der anderen Seite kannst Du aber auch mit der Regierung einen Dialog führen, der über die Qualität eines Gesprächs nicht hinauskommt, so wie es in El Salvador in den letzten Jahren der Fall war. Was bedeutet aber jetzt der Dialog innerhalb der Strategie der FMLN und der URNG?
Maria: Die FMLN hat immer einen integrierten Kampf geführt. “Integriert” heißt Einheit von bewaffnetem Kampf mit gleichzeitigem Bemühen um Verhandlungen und politischer Arbeit mit den Massenbewegungen. Seit zwei Jahren wird von der FMLN auch die internationale diplomatische Ebene mit einbezogen. Entscheidend ist, diese vier Standbeine der revolutionären Strategie zu gewichten. Bis fast Mitte der 80er Jahre war der bewaffnete Kampf das stärkste Standbein. Seitdem hat die FMLN ihre Stärke auf politisch-diplomatischer Ebene ausgebaut.
Lea: Diese generelle Strategie wird so ähnlich auch von der URNG formuliert. Sie fordert schon seit 1986 Verhandlungen mit der Regierung. Die politisch-diplomatische Ebene ist aber erst seit 1990 von einem taktischen Element zu einem strategischen geworden, neben dem bewaffneten Kampf, dem Kampf der Massen und der internationalen Arbeit. Die Begründung erscheint mir widersprüchlich. Einerseits sagen sie optimistisch, auf diesem Gebiet ist jetzt etwas zu erreichen, auf der anderen Seite sieht die URNG die Befreiungsbewegungen in einer defensiven Position. Durch den Ausbau der militärischen Hegemonie der USA nach der Intervention in Panama, der Regierungsübergabe der SandinistInnen in Nicaragua und der Auflösung des sozialistischen Lagers hätten sich die äußeren Bedinungen so verschlechtert, daß eine Revolution im Augenblich nicht möglich sei.
Maria: Aber ich glaube, es geht nicht darum, die verschiedenen Ebenen der Strategie gegeneinander auszuspielen. Für die FMLN war die Novemberoffensive die Grundlage für die jetzigen Verhandlungen, ohne die die Unternehmer heute nicht so einen Druck auf die Regierung ausüben würden. Sie haben materielle Verluste durch die Offensive der Guerilla gehabt und wollen jetzt politisch verhandeln. Eine Ebene unterstützt die andere. So wie die internationale Diplomatie der Comandantes der FMLN dazu beigetragen hat, daß sie heute von der Regierung als politischer Machtfaktor ernster genommen werden. Aber beide Ebenen wären ohne den bewaffneten Kampf nicht denkbar. Also, für die FMLN und die URNG sind die Verhandlungen wichtig als Teil ihrer Strategie. Aber ebenso wichtig ist die politische Arbeit. Und ein Ausdruck davon ist der Diskussionsprozess innerhalb der Gesellschaft, das Suchen nach dem “Nationalen Konsens”.
Lea: Genau, der “Nationale Konsens” ist auch eines der viel benutzten Schlagwörter.
Innerhalb eines ungünstigen Rahmens Spielräume schaffen…
Maria: Aber er ist mehr. Jetzt ist die Guerilla ernsthaft bereit, über ein Gesellschaftsmodell mit Gruppen zu diskutieren, die bis vor einigen Jahren nur mit Waffen bekämpft wurden. 1986 hat die FMLN zum ersten Mal einen Konzertationsprozess allen Kräften des Landes ohne Ausnahme angeboten: “Es schliessen sich nur diejenigen selbst aus, die keine politische Lösung wollen”.
Lea: Eigentlich ist es nur ein sprachlicher Unterschied: Die URNG sagt, daß sie einen “Nationalen Konsens” schaffen will, der nur die Agraroligarchie und die reaktionärsten Teile des Militärs ausschließt.
Maria: Wenn wir jetzt sagen, daß es ein Erfolg für die Guerilla ist, mit der Regierung zu verhandeln, woran ist dieser Erfolg dann gemessen? Noch vor einigen Jahren galt für die FMLN: Ende des Krieges, das heißt, Sieg durch bewaffneten Kampf, gleich Machtübernahme. Diese Gleichung stimmt heute so nicht mehr. Die erste Hälfte – Sieg durch bewaffneten Kampf – wird heute von den Befreiungsbewegungen als unrealistisch angesehen und die zweite Hälfte, die Machtübernahme, ist zwar weiterhin das Ziel, aber es ist weiter in die Ferne gerückt.
Lea: Das heißt, daß versucht wird, innerhalb eines ungünstigen Rahmens Spielräume zu schaffen. Das hat ein ganz wichtiges Ergebnis: Die Befreiungsbewegungen sind diejenigen, die die Spielräume mit Waffen und am Verhandlungstisch durchsetzen. Diese Spielräume werden aber von allen Volksorganisationen genutzt. So daß das langfristige Ziel, nämlich eine Änderung der Gesellschaft, von mehr Gruppen bestimmt wird, als nur von den bewaffneten. Das ist etwas worauf die URNG und die FMLN viel Wert legen. Ein Chefkommandant der URNG hat das so ausgedrückt: “Für eine sozialistische Gesellschaft muß sich das guatemaltekische Volk selbst entscheiden, das werden wir, die Revolutionäre, ihm nicht aufdrücken”.
Maria: Auch die FMLN redet jetzt nicht vom Sozialismus, sondern von der “Demokratischen Revolution”. 1989 hat Joaquin Villalobos von der FMLN geschrieben: “Der Schritt zu einer Radikalisierung der Massen ist die Antwort auf die Repression und die Unterdrückung des Regimes, das keine Zugeständnisse machen will”. Vielleicht ist es möglich, aus dem Zitat den umgekehrten Schluß zu ziehen: Der Guerilla werden zur Zeit Spielräume eingeräumt. Dadurch hat sie die Möglichkeit, ein weniger radikales Element, die Verhandlungen, in ihre Strategie zu integrieren. Der Grund, ihnen diese Spielräume zuzugestehen, beruht auf der Einschätzung, daß – durch die Veränderungen im Ost-West-Konflikt und in Nicaragua – die Guerilla schwächer sei. Das ist die Widersprüchlichkeit: Spielräume zu bekommen, aufgrund einer angenommenen Schwäche, diese aber zugleich auszunutzen zur Stärke.
Lea: Um zu verstehen, warum diese Verhandlungen eine Hoffnung bedeuten, war es für mich wichtig, mir klar zu machen, wie lange in den beiden Ländern schon gekämpft wird, wie lange es die Guerilla schon gibt, nämlich 30 Jahre in Guatemala und 20 Jahre in El Salvador. Und in beiden Ländern wurden die Revolutionen ja schon versucht, nämlich nach dem Sieg der SandinistInnen in Nicaragua. Und stell Dir vor, was das gekostet hat, wieviele Menschen schon gestorben sind! In der URNG gibt es dazu sehr kritische Stimmen: “Als wir dachten, die Revolution steht kurz vor der Tür, haben wir andere Mittel vernachlässigt und sind gescheitert; damals haben sich die Volksorganisationen erhoben und sind ins Verderben gerannt”.
Maria: Ist denn die Guerilla wirklich in der Defensive, weil sie nicht militärisch die Macht ergreifen kann?
Lea: Andererseits kann sie ja auch nicht militärisch besiegt werden. – Das Paradox besteht doch darin: In beiden Ländern wird heute mit Waffen dafür gekämpft, eine Gesellschaft zu schaffen, in der der Zugang zur Macht ohne Waffen möglich ist. Für uns riecht das nach bürgerlicher Demokratie.
Maria: Ja, und innerhalb der FMLN werden auch sozialdemokratische Standpunkte vertreten. Standpunkte, die ich nicht als radikal bezeichnen würde, aber die sie mit so radikalen Mitteln, mit Waffen, erkämpfen müssen. Die Schwierigkeiten, diesen ganzen Prozess klarzukriegen, hängen damit zusammen, daß wir aus Europa kommen. Wir denken die Begriffe “Demokratie”, “bürgerlich” und “sozialdemokratisch” so, wie wir sie von uns kennen.
Lea: “Links” ist auch so ein Begriff. Für uns ist die Guerilla immer “links”. Links, aber in welcher Gesellschaft? Neulich hat jemand gesagt, die Guerilla entsteht nicht aus der extremen Linken sondern aus der extremen Notwendigkeit.
Bundesregierung stellt Polizeihilfe für Guatemala ein
Hugo Christen, bundesdeutscher Berater des Polizeidirektors von Guatemala, ist zutiefst frustriert. “Während ich hier von Ministern empfangen werde, nimmt mich in Bonn kaum noch jemand ernst.” Vor wenigen Tagen mußte der ehemalige Polizist aus dem rheinischen Bergheim seine größte Enttäuschung erleben: Die Bundesrepublik wird spätestens Ende dieses Jahres ihre Polizeihilfe an Guatemala einstellen, sagte Christen einer deutschen Studentendelegation in Guatemala-Stadt.
Seit 1986 hat die Bundesregierung die guatemaltekische Polizei mit Geländewagen, Omnibussen, Motorrädern und der technischen Ausrüstung für eine Reparaturwerkstatt versorgt sowie die Erweiterung einer Polizeischule finanziert. Die Polizeihilfe umfaßte ein Volumen von 10,6 Millionen Mark, allerdings sind nach Angaben von Christen etwa drei Millionen Mark noch nicht an das guatemaltekische Innenministerium überwiesen worden. Ob sie noch ausgezahlt werden sei noch unklar. (Klar ist jedenfalls, daß sie dringend zur Polizeiaufrüstung im Osten gebraucht werden; d.Säzzer)
Noch am 20. September hatte der ehemalige Polizist in einem bislang unveröffentlichten Zwischenbericht für das Bundesinnenministerium vehement dafür plädiert, auch in Zukunft mit deutschem Geld die Schlagkraft der guatemaltekischen Polizei zu sponsern. Die zugesagten Mittel würden nicht ausreichen , um die geplante Errichtung einer neuen Polizeischule zu finanzieren.
Die Finanzspritzen für die guatemaltekische Polizei waren in den vergangenen Jahren ein ständiger Kritikpunkt, da damit ein Sicherheitsapparat unterstützt wurde, der für schwere Menschenrechtsverletzungen verantwortlich war.
Wie weit die mit bundesdeutschen Geldern geputschten Reformbemühungen bislang gediehen sind, hat die Polizei in den vergangenen Wochen selbst eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Völlig hilflos steht sie der eskalierenden Gewalt von paramilitärischen Verbänden und Todesschwadronen gegenüber, die vor allem Gewerkschafter, Studenten, oppositionelle Politiker und Aktivisten von Indigena-Organisationen entführen, foltern und umbringen.
Im August wurden nach Angaben der guatemaltekischen Nachrichtenagentur Cerigua 139 Menschen entführt, ermordet oder Opfer von Anschlägen, im September 181 Personen. In den ersten beiden Oktoberwochen wurden 53 Fälle registriert. Die Ermittlungsergebnisse der Polizei sind beschämend: Kaum ein Verbrechen wurde aufgeklärt, die Polizei führe nicht einmal “eigene diesbezügliche Statistiken”, räumt Christen ein.
Die guatemaltekischen Behörden bezichtigen sich derweil gegenseitig für die Erfolglosigkeit der offiziellen Untersuchungen verantwortlich zu sein. Der guatemaltekische Innenminister General Morales gibt dem Justizapparat die Schuld: “Er ist der korrupteste von allen”. Der Präsident des obersten Gerichtshofs Edmundo Vázques Martínez sagte, den politisch Verantwortlichen fehle der Wille, die Fälle aufzuklären. Und der Menschenrechtsbeauftragte der Regierung, Ramiro de Leon, schob der Polizei den schwarzen Peter zu. “Sie ist korrupt und unfähig, sie ist die schlechteste, die man sich vorstellen kann.”
Tatsächlich ist der Versuch, mit deutschen Millionen einen sich an rechtsstaatlichen Normen orientierenden Polizeiapparat aufzubauen, schon vor zwei Jahren kläglich gescheitert. 1988 mussten Innenminister Juan Jose Rodil und der Chef der Nationalpolizei, Julio Caballeros, zurücktreten. Ihre Entlassung hatten rebellierende Militärs im Mai 1988 gefordert.
Rodil hatte nach dem Amtsantritt der Regierung des Christdemokraten Vinizio Cerezo 1986 einen ehrgeizigen Plan entwickelt: Er wollte die Polizei zu einem effizienten Instrument der Verbrechensbekämpfung, die nicht auf Repression und Folter angewiesen ist, ausbauen. Der Hintergedanke: Die Polizei sollte gleichsam ein Gegengewicht zu der übermächtigen Armee werden. Der Innenminister konnte in seiner Amtszeit zwar tatsächlich einige spektakuläre Erfolge aufweisen – unter anderem liess er den Direktor der Finanzpolizei, Oberst Oscar Diaz Urquizu, als Chef einer Entführerbande verhaften – er verlor jedoch den Machtkampf mit den Militärs. Im Oktober des vergangenen Jahres urteilte er über seine Reformversuche: “Selbst von zehn Prozent Erfüllung zu sprechen ist gewagt. Leider waren alle meine Nachfolger der Meinung, daß das Programm gestoppt werden müßte.”
Eine vernichtende Bilanz der bundesdeutschen Polizeihilfe zog auch der grüne Bundestagsabgeordnete und Ex-Polizist Manfred Such im Juni des vergangenen Jahres nach einem Besuch in Guatemala: “Die Nationalpolizei ist nach wie vor an Übergriffen und Menschenrechtsverletzungen beteiligt”, die bundesdeutschen Millionen hätten lediglich eine “Verfeinerung des Repressionsapparates” bewirkt. Die Grundbedingung für eine Polizeireform, so erkannte Such, sei die Trennung von Armee und Polizei. Die wurde jedoch gerade durch die Einführung von SIPROCI, einer neuen Koordinationsinstanz zwischen Polizei und Streitkräften zusätzlich verstärkt. Ex-Innenminister Rodil räumt freimütig ein: “Jetzt ist es so, daß das Militär die Polizei für ihre militärischen Operationen einspannt.”
Obwohl diese Kritikpunkte dem Bundesinnenministerium bekannt sind, hat es jahrelang bereitwillig die Geldschatulle für die guatemaltekische Polizei geöffnet. Hugo Christen verbreitet sogar in seinem Report noch frohgemut die Erwartung, daß mit deutschem Geld “schon bald ein demokratisch-rechtsstaatlicher Geist in die gesamte Polizei einziehen” werde. Notwendig seien lediglich weitere bundesdeutsche Finanzspritzen für den guatemaltekischen Sicherheitsapperat. Christen weiß um die Finanzsorgen der guatemaltekischen Kollegen. Von den 10,6 Millionen DM ist ein Fünftel schlicht veruntreut worden. Das guatemaltekische Finanzministerium habe Anfang 1989 rund 3 Millionen Quetzales (nach damaligem Kurs nahezu 2 Millionen DM) nicht weitergeleitet, sondern für “andere dringende Verpflichtungen verausgabt”, enthüllt der Polizeibeamte in seinem Bericht. Der Finanzskandal hat Folgen: Für den geplanten Neubau einer Polizeischule fehlt das Geld. Daher “hofft Guatemala auf weitere deutsche Hilfe” ansonsten drohten nun die gesamten Bemühungen, den Polizeiapparat zu reformieren, zusammenzubrechen, lamentierte Christen.
Und mit einer verblüffenden logischen Schärfe versucht er in seinem Zwischenbericht seinen Vorgesetzten im Bundesinnenministerium die Lage vor Ort zu erklären: Mit einer weiteren Unterstützung der Polizei “kann der Menschenrechtssituation mehr geholfen werden, als mit der Verlegung von wasserführenden Rohren, Strassenbau oder wenig erfolgreicher Wiederaufforstung.
Quelle: Cerigua 8. Okt. 1990
“Guatemala-Reisehandbuch – Alternativtouristische Realsatire”
Tourismus nach Guatemala? Nachdem das Tourismusgeschäft in und mit Guatemala Anfang der 80er Jahre wegen international verbreiteter Nachrichten über einen eskalierenden Antiguerillakrieg und Massaker an der Zivilbevölkerung eine Flaute erlebte, können seit 1986 unter der zivilen Regierung Cerezo trotz anhaltender Repression und militärischer Aufstandsbekämpfung wieder ansteigende Touristenzahlen verzeichnet werden. Alte Kultstätten der Mayas und das Erscheinungsbild der indianischen Bevölkerungsmehrheit, kombiniert mit Naturschönheit, locken trotz Tourismusboykottkampagnen von Solidaritätsgruppen auch und gerade den “Alternativtourismus” an. In diesem Trend wirbt auch das neu im Verlag edition aragon erschienene erste “kritische” deutschsprachige “Dritte-Welt Reisehandbuch Guatemala” für Reisen in “das kulturell, historisch und ethnologisch wohl interessanteste Land Mittelamerikas”. Die Autorin, die österreichische Journalistin Hannelore Rudisch-Gissenwehrer, will mit ihrem Buch die offensive These vertreten, daß “Reisen in Entwicklungsländer eine positive Seite haben, wenn man nicht in einer Art Kolonisatoren-Mentalität ausschließlich die touristischen Qualitäten des Landes genießt, sondern bereit ist, die Augen auch gegenüber Schwierigkeiten und Problemen zu öffnen.”
Der Inhalt, in Form eines chronologisch Tag für Tag erzählten Reisetagebuches über den ersten und einzigen, nur 3-wöchigen (!) Aufenthalt der kaum spanisch sprechenden Autorin in Guatemala, angereichert mit Reisetips und hineingestreuten “Hintergrundinformationen”, liefert aber eher einen unbeabsichtigt geradezu realsatirischen Anschauungsunterricht, wie weit dieser Anspruch mit der Wirklichkeit der/s Reisenden auseinanderklaffen kann. Touristische Selbstbezogenheit einerseits, sich selbst beweihräuchernde “Betroffenheit” andererseits, mischen sich da mit der Idealisierung der “edlen Wilden” sowie Greuelstories über Militärherrschaft zu einem extremen Negativbeispiel von “engagiertem Reisejournalismus” und “Alternativtourismus”.
Im ersten Teil des Reisehandbuches beschreibt die mehrfach prämierte und schon in unzähligen Ländern herumgereiste Journalistin ihre kurzfristige Einladung und Teilnahme an einer organisierten Journalistenreise, die im insgesamt einwöchentlichen Abklappern der üblichen Tourismusorte wie Antigua, Tikal, Panajachel und Chichicastenango besteht. Ihre Umgebung sind Luxushotels mit Marimbacombos am Swimmungpool, einzige Gesprächspartner außer einem Reiseleiter der staatlichen guatemaltekischen Tourismusbehörde der österreichische Konsul, österreichische Lehrer und Präsident Cerezo höchstpersönlich bei einer Stippvisite in seiner Finca. Daneben bemüht sich die Autorin, ethnologische und historische Standardlektüre zu Guatemala einzuflechten, was allerdings aufgesetzt und zufällig bleibt. So widmet sie entsprechend der verwendeten Literatur der Zusammenfassung des “Bananenkriegs” von Schlesinger/Kinzer über die US-Intervention und den Militärputsch 1954 immerhin ganze 12 Seiten, verliert aber kaum ein Wort über Hintergründe und Geschichte der heutigen Guerillaorganisationen oder über aktuelle Gewerkschafts- und Massenbewegungen. Politische Einschätzungen plädieren zwar emotional und überbetont für die Seite der “Unterdrückten”, sind aber pauschal oder personalisierend: Die Informationen über den Massenterror unter Militärregierungschef Rios Montt 1982/83 werden eingebettet in Beschreibungen seines fundamentalistischen, religiösen Fanatismus; der christdemokratische Präsident Cerezo erscheint mal als engagierter Sozialreformer, dem leider die Hände gebunden sind, mal als Bündnispartner im Block der Mächtigen gegen die Entrechteten.
Insgesamt ergibt sich so ein folkloristisches Schwarzweißbild einer “Bananenrepublik” als Hinterhof der USA mit Korruption, “grundlosen” Massakern, militärischer Gewaltherrschaft, ungerechter Landverteilung, extremer Ausbeutung usw., das aber darüberhinaus keine innere Widersprüchlichkeiten, politische, kulturelle und sozioökonomische Differenzierungen oder Bezüge zu europäischen Industrieländern wahrnimmt, die als “westlich”, “demokratisch”, “ruhig” und “zivilisiert” immer wieder das Gegenbild liefern. Diese Kulisse ist aber nur der Hintergrund der Reisebeschreibung, die sich ansonsten wechselbadartig den Hotels, schönen Blumen und Landschaften, Unbehagen beim Anblick von Militärs und ausführlich indianischen Trachten und verschiedenen Mayakultstätten zuwendet.
Im zweiten Teil, in dem historische und politische Informationen gänzlich rar werden, driftet die Autorin bei der minutiösen Beschreibung ihrer Tagesabläufe während einer zweiwöchigen Alleinreise – ebenfalls fast nur durch Tourismusgebiete und Provinzhauptstädte – völlig in Selbstbezogenheit ab. Keine dramatisierende Wiederholung von Langeweile, Darmproblemen, Ekel vor der guatemaltekischen Küche (die sie nie zu testen wagt) oder Pensionen (“Viehställe”) wird der LeserIn erspart. In ihrer Naivität immerhin unglaublich und peinlich offen lesen sich diese Litaneien wie eine entlarvende Charakterstudie der/s europäischen “AlternativtouristIn”: Stolz überwundene Abenteuer mit Sprach-, Ess-, Transport oder Krankheitsproblemen vermischen sich da mit der aus gehörten Schüssen und Autos mit schwarzgetönten Scheiben immer wieder selbst inszenierten Kulisse eines Bürgerkrieges, von dem die Autorin sich unmittelbar betroffen und bedroht fühlt. Dazu kommt neben dauernder Angst, bestohlen oder übers Ohr gehauen zu werden ein unglaublicher Geiz bei der Überprüfung von Preisen und Wechselkursen und Stolz auf die Bescheidenheit der eigenen Geldausgaben. Bei soviel hauptsächlich in der Phantasie genährten Bedrohungsgefühlen ist es kein Wunder, daß sich unsere Journalistin ebenso typisch zwar als erste und einzige Erkundschafterin fühlen möchte, gleichzeitig aber einsam und verzweifelt Kontakt und Verbündetheit mit anderen AusländerInnen sucht.
Mit der guatemaltekischen Bevölkerung wechselt sie nämlich in ihren 3 Wochen nur wenige, aber immer stolz zitierte Worte. Dennoch fühlt sich Hannelore Rudisch-Gissenwehrer bald als Kennerin des “auffallend friedlichen und sanften Wesens der Indios” und grenzt sich permanent gegenüber anderen TouristInnen durch ihre doch so viel taktvollere Umgehensweise mit denselben ab, nimmt sich dabei einerseits ungeheuer wichtig in ihrer Angst zu stören und will gleichzeitig schon dazugehören, schwärmt von Glücksgefühlen in “Zivilisationsferne” und läßt kein Klischee über die als völlig homogen angesehene indianische Bevölkerung aus: “Stolz”, “friedliebend”, “würdevoll”, “lächelnd”, “schüchtern”, “still”, “traditionell”, “naturnah”, “tierlieb”, “kindlich”, “samthäutig”, “knopfäugig”, “zartgliedrig” sind die meistverwandten verniedlichenden und idealisierenden Attribute für die – meist nur im Bus oder auf Touristenmärkten beobachtete – Hochlandbevölkerung; dementsprechend ergeben sich aus diesem positiven Rassismus ungeheuer arrogante Bemerkungen der Autorin über indianische Naivität, Abgestumpftheit, Unterwürfigkeit, Unzivilisiertheit und “Wirtschaft im Steinzeitniveau” sowie Analphabetismus, und die Vorstellung einer völlig statischen, unpolitischen traditionsverhafteten Weltsicht.
Fazit: Unglaublich, wie anscheinend allein das Renommee der Autorin dazu ausreichte, dieses bornierte und noch dazu mit falschen Jahreszahlen und falscher spanischer Schreibweise belassene Tagebuch als “kritisches” Guatemalareisehandbuch herauszugeben.
Allerding können solche Ergüsse nicht nur ebenso abgrenzend und selbstherrlich belächelt werden, sondern der Analyse des eigenen Reiseverhaltens und -wahrnehmung als satirischer Zerrspiegel dienen, der schonungslos auf die Widersprüche, Sprunghaftigkeiten und uneingestandenen Faszinationen von “Alternativ”- oder “Polittourismus” hinweist!
Hannelore Rudisch-Gissenwehrer: GUATEMALA-“DRITTE-WELT” REISEHANDBUCH; edition aragon; Moers 1990; ISBN 3-924690-37-5
Die Qual der Wahl
Am 11. November sollen die GuatemaltekInnen einen Präsidenten, seinen Vize, die nationalen und kommunalen Parlamentsabgeordneten und die RepräsentantInnen für das Zentralamerikanische Parlament wählen. So viele Kreuze und eigentlich steht nichts zur Wahl. Am 9. Juni wurde der Wahlkampf offiziell eröffnet. Die Suche nach ernsthaften politischen Standpunkten haben mittlerweile wohl alle BeobachterInnen aufgegeben. Um weiter täglich die Meldungen zu verfolgen, ist eine gehörige Portion von schwarzem Humor nötig. Die Wahlkampfnachrichten hätten eher einen Platz im “Kuriositätenkasten” verdient als in den öffentlichen Medien. Skandale, Tumulte und Absurditäten beherrschen den Kampf um die WählerInnengunst. Da taucht eine “Feministische Partei Guatemalas” auf. Ein Lichtblick zwischen den 19 eingeschriebenen Mitte- bis Rechtsaußen-Parteien? Bis sich herausstellt, daß die Frauen, die sich als national-humanistisch bezeichnen, am liebsten einen General als Präsidenten hätten. Ihr Wunschkandidat war Benedicto Lucas, Generalstabschef während der Diktatur seines Bruders Romeo Lucas von 1978 bis 1982. Doch der General lehnte ab – sich von Frauen unterstützen zu lassen, bringt einem Militär in einer machistischen Gesellschaft mehr spitze Bemerkungen ein als Stimmen. Der neue Mann der “Feministinnen” heißt Galvez Pena und gilt als einer der Köpfe des Drogenhandels in Guatemala. Ging es den Damen aus gutem Hause etwa ähnlich wie dem Vorsitzenden der Partei “Front für Nationalen Fortschritt”, Herrn Maldonado? Dieser hatte kürzlich zum besten gegeben, daß er die Partei gegründet habe, weil er nichts besseres zu tun hatte.
Es ist eine der traurigsten Absurditäten, daß der Begriff “Feminismus” jetzt sogar von ultrarechten Frauen mit einer Vorliebe für ausgesprochen autoritäre Männer besetzt wird. Die anderen Rollen, die die Frauen auf der Bühne der guatemaltekischen Regierungs- und Parteipolitik spielen, sind zwar überwiegend komisch, lassen das Lachen aber im Hals stecken bleiben.
Die Präsidentengattin und stellvertretende Generalsekretärin der Christdemokratischen Partei, Raquel Blandón de Cerezo, weihte vor einigen Wochen eine Ausstellung im Nationalpalast ein, die den Titel trug: “Die Frau in der Demokratie”. Auf den 110 Fotografien ist 97mal Frau Blandón zu sehen.
Die Tochter des Ex-Diktators Ríos Montt, die seine Wahlkampagne leitet, stiftete Tumulte im Parlament an, als sich dort die Mitglieder der Verfassungsgebenden Versammlung von 1985 trafen. Sie äußerten dabei die Meinung, daß die Präsidentschaftskandidatur von Ríos Montt verfassungswidrig sei und bekamen von wütenden AnhängerInnen des Generals Chili in die Augen gestreut.
Wie kein anderer Präsidentschaftskandidat hat Ríos Montt die Aufmerksamkeit im Ausland auf sich gezogen. In seiner 16monatigen Regierungszeit von 1982 bis 1983 wütete der General unter der Landbevölkerung. Um der Guerilla das Wasser abzugraben, ordnete er die systematische Zerstörung von über 400 Dörfern an. Während dieser Zeit wurden schätzungsweise 15 000 Menschen getötet. Seine jetzige Kandidatur wurde in einer US-amerikanischen und einer bundesdeutschen Zeitung als Wunsch der GuatemaltekInnen nach einer starken Hand und nach einer Diktatur interpretiert. Verständlicherweise war mensch in Guatemala empört. “Es gibt Sektoren, die sehr unglücklich über die Regierung Cerezo sind, das ist wahr; aber keinE GuatemaltekIn sehnt sich nach einem Diktator. Es ist schon unangenehm, einem nationalen Politiker zuzuhören, wie er sich als Repräsentant ‘seines’ Volkes bezeichnet; es ist es noch mehr, wenn einE AusländerIn, die das Land nicht kennt, sich anmaßt, für ‘die GuatemaltekInnen’ zu sprechen”, antwortete die größte guatemaltekische Tageszeitung in einem Editorial auf den Artikel der US-amerikanischen Zeitung.
Zweifelhafte Wahlslogans
Ríos Montt bleibt trotzdem ein Phänomen. In Wahlumfragen konnte er die meisten Stimmen auf sich vereinigen. Obwohl diese Umfragen bekanntlich zweifelhaft sind, erschreckt es, daß er überhaupt wieder soviel Einfluß bekommen konnte. Am ehesten wird dieser Einfluß noch durch die charismatische Persönlichkeit des evangelikalen Predigers erklärt. Bei seinen Wahlauftritten schaut Ríos Montt seinem Publikum tief in die Augen, dann zückt er seinen Zeigefinger wie eine Waffe: “Ich möchte die guatemaltekische Familie um Aufmerksamkeit bitten. In ihrem Schoß werden die Regierenden gemacht. Die erste und einzige große Schule der Politik ist das Heim. Dort werden die Regeln des Zusammenlebens erstellt und dort materialisiert sich die Kunst des Regierens.” Und dann sagt er auch etwas über Wirtschaftspolitik: “1. Geben Sie nicht mehr aus als Sie verdienen. Glauben Sie nicht, daß die Mittel den Zweck heiligen. 2. Laßt uns nur das Unverzichtbare kaufen und das Unnötige vermeiden. Die Mauern, die antagonistische politische Philosophien getrennt haben, sind gefallen, und jetzt können sie uns keine Ammenmärchen mehr erzählen. Die Familie ist die Grundlage der Gesellschaft. Sie muß gestärkt werden, um die Nation zu versöhnen. Wie? Indem wir Gott lieben und fürchten.”
Bei Ríos Montt weiß mensch immerhin noch, woran sie ist. Von den anderen Parteien bleiben nur die Wahlslogans im Ohr, die täglich über Fernsehen und Rundfunk ausgestrahlt werden. In der Reihenfolge ihrer Stimmengewinne bei Wahlumfragen:
“Weil er ein Führer des Volkes ist, Jorge Carpio, jetzt!”- Union des Nationalen Zentrums
“Arzú, antworte!” – Partei des Nationalen Fortschritts
“Alfonso, ein Mann des Volkes!” (Vamos con Alfonso, todo el pueblo a ganar, porque Alfonso es del pueblo, esperanza popular!) – Christdemokratische Partei
“Mit Serrano findet sich eine Lösung!” – Bewegung für Solidarische Aktion
“René ist anders!” – Sozialistische Demokratische Partei
“Ingenieur Lee, Präsident!” – Revolutionäre Partei
“Wähle den Oberst Sosa Avila!” (Para un mal general, un buen coronel) – Nationale Befreiungsbewegung.
Sosa Avila, ein Waffenbruder von Ríos Montt, will diesen als “übergeordneten Minister” einsetzen, falls seine Partei, die rechtsextreme Nationale Befreiungsbewegung, die Wahlen gewinnt. Der Vizepräsidentschaftskandidat dieser Partei, David Eskenasy, kündigte an, im Falle eines Wahlsiegs in den ersten 72 Stunden alle SchwerverbrecherInnen erschießen zu lassen. So verwundert auch die Stellungnahme der guatemaltekischen Bischofskonferenz nicht mehr: Wenn sie keine Partei für eine gute Regierung finden könnten, sollten die WählerInnen für die am wenigsten schlechte stimmen, raten die Geistlichen. Außerdem sollten die GuatemaltekInnen einen Kandidaten suchen, dessen “Hände unbefleckt vom Blut seiner Landsleute” seien.
Am allerwenigsten verwundert es, daß die Prozentzahl der “Unentschiedenen” von Umfrage zu Umfrage wächst. Mindestens 40% der Befragten wissen nicht, für wen sie stimmen sollen oder wissen, daß sie überhaupt nicht zur Wahl gehen werden. Zum Vergleich: Der Kandidat mit den meisten Stimmen, Ríos Montt, erhielt bei der letzten Umfrage 19 Prozent. Doch die Herren wollen gerne gewählt werden und die Herrschenden brauchen eine Legitimation. Die anerkannteste Legitimation sind Wahlen. Viele WählerInnen, ein großer Teil der Landbevölkerung, leben in militärisch kontrollierten Gebieten. Dort haben die Militärs schon exemplarisch einzelne Personen bedroht, die geäußert haben, sie würden nicht wählen wollen. “Wer nicht wählt, ist subversiv, der gehört zur Guerilla, der wird getötet”, warnen die Militärs die Landbevölkerung, laut Erzählungen von BäuerInnen.
Daß Wahlen etwas mit Demokratie zu tun haben, darauf kommt die Beobachterin des guatemaltekischen Wahlkampfes nie.
Auch Verhandlungswege bergen Hinterhalte
Das Treffen zwischen Parteien und Guerilla war im vergangenen März in Oslo zwischen der Nationalen Versöhnungskommission und der Guerilla als erste von mehreren Dialogrunden festgelegt worden. Als nächstes sollen sich die Aufständischen mit UnternehmerInnen, dann mit sozialen und religiösen Gruppen und zuletzt mit der Regierung und mit den Streitkräften treffen. Bei dem Treffen in Madrid konnte es um nicht viel mehr als um juristisch-institutionelle Veränderungen gehen. Einen Waffenstillstand oder die Entmilitarisierung bestimmter Landesteile müssen mit dem Militär verhandelt werden. Einer der wichtigsten Punkte in dem Abkommen von El Escorial verpflichtet denn auch die Parteien, ab 1991 eine Verfassungsgebende Versammlung einzuberufen, an der sich die Guerilla, die “Revolutionäre Nationale Einheit Guatemalas” (URNG), beteiligen wird. Die URNG erklärte in Spanien, daß durch eine Verfassungsreform vor allem die Rolle des Militärs als Hüter der inneren Sicherheit abgeschafft werden müsse, und die Indígenas die Möglichkeit erhalten müßten, sich politisch zu beteiligen. Außerdem legt das Abkommen fest, daß Parteien und Guerilla sich regelmäßig treffen werden. Für die Zeit des Wahlkampfs bis zur Amtsübergabe, die sich vom 8. Juni 1990 bis zum Januar 1991 erstreckt, verpflichtet sich die URNG, alle Sabotageaktionen wie z.B. Anschläge auf Strommasten und Produktionsanlagen einzustellen.
Kein Krieg macht noch keinen Frieden
Seit den ergebnislosen Gesprächen zwischen Regierung und Guerilla im Oktober 1987 hat der christdemokratische Präsident Vinicio Cerezo über 20 Dialogvorschläge der URNG abgelehnt. Anfang dieses Jahres ließ er zum ersten Mal Gesprächsbereitschaft erkennen, vermutlich aufgrund der wachsenden militärischen Stärke der URNG und dem Druck einiger gesellschaftlicher Gruppen, insbesondere der Nationalen Versöhnungskommission. Unmittelbar nach der Wahlniederlage der SandinistInnen in Nicaragua jedoch fiel er wieder in die knallharte Position zurück: “Gespräche mit der Subversion wären wie ein Dialog unter Taubstummen.” Er schloß sich damit der Meinung der guatemaltekischen Rechten an, daß die URNG sowieso bald verschwinden werde, wenn der unterstellte Waffennachschub aus Nicaragua ausbliebe.
Doch dann änderte sich die Taktik erneut, ungefähr zeitgleich wie auch in El Salvador, offensichtlich auf “Anregung” der USA. Plötzlich bekam die Nationale Versöhnungskommission grünes Licht von Regierung und Militär für das Treffen in Oslo. Nach Oslo beglückwünschte Bernard Aronson, Unterstaatssekretär für Lateinamerika-Angelegenheiten des US-State-Departments, den Vorsitzenden der Nationalen Versöhnungskommission, Bischof Quezada Toruños, und die URNG für ihre “Friedensverpflichtung”. Dahinter steht sicherlich die Absicht, die Guerilla “in diesem günstigen Augenblick” zu überreden, die Waffen abzugeben. Dafür soll ihr bestenfalls angeboten werden, sich ins politische Leben einzugliedern, jedoch ohne irgendwelche grundlegenden gesellschaftlichen Änderungen zuzugestehen.
Vor allem den USA geht es darum, das “Problem Befreiungsbewegungen” auf dem Verhandlungsweg aus der Welt zu schaffen. Wenn mensch den Machtwechsel in Nicaragua – auch – als Ergebnis des “Friedensprozesses” interpretiert, der in Esquipulas begann, dann war diese Strategie ja durchaus erfolgreich. Die URNG hat ihre Ziele bei den Verhandlungen klargestellt. Es geht ihr nicht darum, einen politischen Raum für sich zu gewinnen. “Wir wollen politische Lösungen für die Gründe, die zu dem internen bewaffneten Konflikt geführt haben. Zusammen mit den verschiedenen politischen, ökonomischen, sozialen und religiösen Kräften streben wir ein integrales Modell der Entwicklung in wirtschaftlichen, sozialen, politischen und kulturellen Aspekten an. Darin sollen die unterschiedlichen Sektoren der Gesellschaft, insbesondere die traditionell unterdrückten Indígenas, volle Mitwirkungsmöglichkeiten besitzen. Dafür suchen wir den notwendigen Handlungsspielraum”, äußerte Luís Becker von der politisch-diplomatischen Vertretung der URNG.
Mit einem klaren Nein antworteten die Vertreter der URNG deshalb auch auf die in Spanien immer wieder gestellte Frage, ob sie sich an den Präsidentschaftswahlen im November beteiligen wollten. Nach “El Escorial” begann dann das Knobeln, ob die Guerilla zur Verfassungsgebenden Versammlung eine Partei gründen werde. Bis Comandante Pablo Monsanto, Mitunterzeichner von El Escorial, in einem Interview gegenüber der kubanischen Zeitung “Granma” erklärte: “Wir werden als politische Kraft teilnehmen, nicht als politische Partei. Dies bedeutet weder die Entwaffnung der Guerilla noch die Demobilisierung unserer Streitmacht. Das Abkommen legt nur unsere Beteiligung an der Verfassungsgebenden Versammlung fest. Das haben wir nicht nur getan, um für die Guerilla Spielräume zu eröffnen, sondern auch für die sozialen Kräfte. Aber auf keinen Fall werden wir die Waffen aus den Händen legen, weil sie die Garantie für die Veränderungen sind, für die wir gekämpft haben. Außerdem: Auch wenn sich die URNG zu irgendeinem Zeitpunkt demobilisieren würde, würde der Krieg in Guatemala nicht verschwinden. Andere würden zu den Waffen greifen, weil der Ursprung des Krieges die Ungerechtigkeit, die Unterdrückung, die Ausbeutung und die Diskriminierung sind”.
Erste Risse zwischen den Herrschenden?
Die Taktik der URNG, sich politische Bündnispartner zu suchen, erscheint durchaus nicht aussichtslos. Auch innerhalb der bürgerlichen Gruppen geht vielen die Abhängigkeit Cerezos vom Militär und von der Oligarchie zu weit. Seine Weigerung, mit der URNG zu verhandeln beispielsweise, war eindeutig auf den Druck des Militärs zurückzuführen. Obwohl – oder vielleicht auch weil – Cerezo das Abkommen von Esquipulas II nicht einhielt, begann in Guatemala als einzigem der mittelamerikanischen Länder die in Esquipulas festgelegte Nationale Versöhnungskommission ernsthaft zu arbeiten. Besonders auf Initiative der katholischen Kirche, aber auch einiger PolitikerInnen und kleiner UnternehmerInnen und natürlich der Volksorganisationen, wurde im März 1989 der “Nationale Dialog” eröffnet. Obwohl die URNG auf Druck des Militärs nicht teilnehmen konnte, erhielt der Nationale Dialog eine nicht vorhergesehene Dynamik, vor allem durch die “Vereinigte Vertretung der guatemaltekischen Opposition” (RUOG).
Mit dem Putschversuch im Mai desselben Jahres warnte das Militär die Regierung davor, durch den Druck dieses Forums “weich zu werden” und einen Dialog mit der Guerilla zu beginnen. Gleichzeitig begannen Attentate und Drohungen gegen die RUOG-Mitglieder, woraufhin sie das Land verließen. Dem Dialog wurde damit die Luft abgeschnürt. Doch die Nationale Versöhnungskommission hat gezeigt, daß sie Personen versammelt, die bereit sind, nach den Gründen des bewaffneten Konflikts zu fragen. Deshalb droht die jüngste Taktik der Regierung, nicht direkt mit der Guerilla zu verhandeln sondern sie auf die Nationale Versöhnungskommission abzuschieben, in ihr Gegenteil umzuschlagen. Die Gespräche, die in Oslo beschlossen wurden und die in El Escorial begonnen haben, sind eigentlich ein “Nationaler Dialog”, in dessen Mittelpunkt die URNG steht. Sie bieten ihr die beste Gelegenheit, Allianzen aufzubauen. Mit diesem Rückhalt werden sie sich mit Regierung und Militär treffen.
Die unmittelbaren Reaktionen nach dem Abkommen von El Escorial zeigen, daß sich die ersten Gräben innerhalb der Herrschenden auftun. Während einige Finanziers und Industrielle das “Abkommen für den Frieden” öffentlich lobten und ihre Gesprächsbereitschaft für die nächste Runde bekundeten, reagierte die Agraroligarchie wie erwartet wenig enthusiastisch. Seine Äußerung wollte Roberto Cordón, Direktor des Großgrundbesitzerverbandes UNAGRO, allerdings nur als “persönliche Meinungsäußerung” verstanden wissen: “Wenn die Kommandatur der URNG mit ihnen (den Großgrundbesitzern) reden will, müssen sie erst ihre Waffen niederlegen.” Auch Verteidigungsminister General Hugo Bolaños drückte stellvertretend für das Militär die harte Haltung aus: “Gespräche zwischen der Regierung und den Subversiven wird es nur geben, wenn sie die Waffen niederlegen.”
Besonders nach den Äußerungen von Comandante Pablo Monsanto in “Granma” wurde wohl einigen klar, daß die URNG nicht aus einer defensiven Position heraus verhandelt. Deshalb besteht immer noch die Möglichkeit, daß sich die Militärs weiterhin weigern zu verhandeln. Die im November neugewählte Regierung wird es sich allerdings nur schwerlich leisten wollen, sich gleich am Anfang genauso bedingungslos den Militärs unterzuordnen, wie es die Regierung Cerezo getan hat.
Der schwarze Christus von Esquipulas
Die PolitikerInnen der neun größten Parteien reisten mit dem Hintergedanken nach Spanien, sich für den Wahlkampf als FriedensstifterInnen zu profilieren. Nicht ohne sich vorher, genau wie die Nationale Versöhnungskommission, mit dem Verteidigungsminister Bolaños und hohen Offizieren zu einem ausführlichen “Meinungsaustausch” zu treffen und abzusichern. Aus El Escorial übermittelte die bürgerliche Presse nur positive Töne, freundliches Lächeln und viel Einverständnis zwischen Parteien und Guerilla. Auch aus den Reihen der ParteienvertreterInnen drangen keine Meinungsunterschiede an die Öffentlichkeit. Und
der Politiker Mario Sandoval Alarcón, Generalsekretär der rechtsextremen Partei namens “Bewegung für die Nationale Befreiung” (MLN), animierte die JournalistInnen zu besonders harmonischen “Stimmungsreportagen”. Der international bekannte Antikommunist rührte die Anwesenden zu Tränen, als er seinen ideologischen Erzfeind, den Comandante Carlos Gonzáles, umarmte. Die Zeiten und die Welt hätten sich geändert, sagte er.
Zum krönenden Abschluß machte er der Guerilla sogar ein Geschenk: Er überreichte jedem Comandante einen schwarzen Christus von Esquipulas – ein zweideutiges Symbol für Frieden. Aber GuatemaltekInnen mit einem scharfen Gedächtnis erinnern sich noch weiter zurück: Die Söldnertruppen, die 1954 mit Hilfe der USA die demokratische Regierung Arbenz stürzten, trugen diesen schwarzen Christus als “General des Befreiungsheeres vom Kommunismus” vor sich her…
Perspektiven
Seit November 1989 gibt es diese neue StudentInnenzeitung. Herausgegeben wird sie vom ASTA der Universität Frankfurt, in einer Auflage von beneidenswerten 6000 Stück, wovon allein 3000 nach Berlin (WEst unhd Ost) geschickt werden.
PERSPEKTIVEN ist eine internationale StudentInnenzeitung mit dem Hauptaugenmerk auf der Frage nach internationalistischen Perspektiven gerade jetzt, so die Redaktion in ihrem Editorial zur dritten Ausgabe (inzwischen ist schon die vierte Ausgabe erschienen) sei es wichtig, der marschierenden nationalen Einfalt eine Welt als Ganze entgegenzusetzen und ein Bewußtsein zu wecken, welches weder die “Grenzen von 1937” noch die der EG und auch nicht die der Ersten Welt kennt, sondern von universeller Verantwortung geprägt ist. In diesem Spannungsfeld such PERSPEKTIVEN nach Alternativen der Sichtweisen.
Neben der Konzeption, ein Forum für AutorInnen aus den Ländern der sogenannten “Dritten Welt” zu bieten, siond die Analysen des nationalismus, sowie die zu entfachende Diskussion über den Zustand und WEsen des Internationalismus Gegenstand der Artikel von PERSPEKTIVEN. Gleichzeitig unterstützt die Zeitung die aus Lateinamerika kommende Kampagne “Emancipación e Identidad”, indem sie aus der Publikation der Kampagne “América la Patria Grande” Artikel veröffentlicht und diskutiert.
Inhaltliche Schwerpunkte in den letzten vier Ausgaben bildeten: die Situation der Studierenden und der Universitäten der sogenannten “Dritten Welt”, Panama, Guatemala und Süd-Afrika. Auffallend an PERSPEKTIVEN ist nicht nur ihr Format (DIN A 3, der Druck bei der taz Frankfurt tut ein übriges zum klaren Lay-Out=, sondern auch die Berichterstattung in O-Sprache. D.h,. Artikel erscheinen zuerst in der Sprache des Autors / der Autorin oder des/der Interviewten und werden anschließend ins Deutsche übersetzt. Erwähnt sei noch, daß tzu jeder Ausgabe ein unbedingt lesenswerter Kultur- und Literaturteil gehört.
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