ZU VIELE FRAGEZEICHEN


Foto: Zikophotography via Flickr (CC BY-NC 2.0)

Wie kann man sich ein Netzwerk für klandestine Schwangerschaftsabbrüche vorstellen?
María: Diese Gruppen entstehen lose aus der Not heraus, um Personen, die ungewollt schwanger geworden sind, zu begleiten. Ich sage Personen und nicht Frauen, weil es zum Beispiel trans Männer oder auch Menschen mit nicht-binären Geschlechtsidentitäten gibt, die schwanger werden und gebären können. Weil wir alle schon persönliche Erfahrungen mit ungewollten Schwang-*erschaften gemacht hatten, war uns von Anfang an klar, dass es zu diesem Thema im Allgemeinen ein Informationsloch gibt. Vor zehn Jahren sprach man in Chile kaum über Abtreibungen. In diesem Sinn waren wir uns alle einig darüber, wie wichtig es ist, Unterstützungsnetzwerke für ungewollt Schwangere aufzubauen und die Stimmen von Personen, die abgetrieben haben, zu verbreiten.
Lobelia: Einige Netzwerke sind größer als andere. Ich zum Beispiel arbeite in einer Stadt in den Anden in einem Netzwerk hauptsächlich mit Freundinnen von vor Ort zusammen, um Entscheidungsprozesse zu dezentralisieren. Trotzdem stehen wir in Kontakt mit anderen Netz- werken und tauschen uns aus. Jedes Netzwerk hat seine eigene Art, aber ich denke, wir begreifen uns alle als Fürsorgeorganisationen, die schwesterlich und feministisch handeln. Wir machen das jetzt seit zwei Jahren. Im Laufe der Zeit haben wir ein Aktionsprotokoll entwickelt, nach dem wir Frauen aus der Stadt, aus der Hochebene und der Nähe der Grenze begleiten.

Wie läuft ein konkreter Fall ab?
María: Die Empathie und das Verständnis, das wir aufbringen können, weil viele von uns selbst schon einmal in dieser Situation waren, macht die Kommunikation in dieser schwierigen Situation etwas leichter. Nach dem Gespräch erklären wir der Person, was bei einer Abtreibung körperlich und emotional geschieht. Wir fragen, welche Begleitung sie sich vor, während und nach dem Schwangerschaftsabbruch wünscht und was sie braucht. Manchmal ziehen wir professionelle Ärztinnen hinzu. Wir hatten auch Kontakt zu einer Gynäkologin, Psychologinnen und Therapeutinnen. Als „Entlohnung“ für unsere Arbeit als Netzwerk haben wir die Betroffenen darum gebeten, etwas zurückzugeben – je nachdem wie sie konnten und wollten, damit das Netzwerk weiterhin funktionieren und Menschen helfen kann.
Lobelia: Die Kommunikation ist in dieser Arbeit das wichtigste. Unsere Hilfe setzt beispielsweise voraus, dass wir nur mit der Schwangeren sprechen und sie bitten, zu unserem Treffen nicht mit ihrem Vater, Ehemann oder Freund zu erscheinen – zu unserem Schutz und dem des Netzwerks. Die Mehrheit der Frauen zeigt dafür sofort Verständnis. Bei Minderjährigen, deren Mütter Bescheid wissen und die Entscheidung für eine Abtreibung unterstützen, sprechen wir auch mit den Müttern, wollen aber hauptsächlich mit der Frau sprechen, um die es geht. Diese Fälle sind zudem meist komplexer, weil wir herausfinden müssen, ob der Sex einvernehmlich war oder ob die Schwangerschaft aus einer Vergewaltigung hervorgeht.

Wer nimmt eure Netzwerke in Anspruch?
María: Sehr unterschiedliche Frauen. Es geht nicht immer um einen Schwangerschaftsabbruch, es kommen auch Frauen, die bereits abgetrieben haben und danach emotional oder körperlich von ihren Partnern missbraucht oder verlassen wurden. Ich denke, so ist es bei vielen Netzwerken: Es geht darum, Hilfe und Unterstützung für Frauen zu leisten, die sich in einem schwierigen Moment ihres Lebens befinden. Dieser Moment, der die Möglichkeit in den Raum stellt, Leben zu erschaffen, bringt ganz viele Unsicherheiten und Ängste mit sich. Viele müssen diese Gefühle in einer Umgebung verarbeiten, in der sie selbst nicht entscheiden dürfen, ob sie Mütter werden wollen oder nicht.

Wie hat die Pandemie eure Arbeit verändert?
Lobelia: Hier herrscht nur nachts ab 22 Uhr Ausgangssperre, das heißt, dass wir erstmal normal weitermachen und uns mit den Frauen treffen konnten. Aber seit einem Monat haben wir keine Medikamente mehr vorrätig, weil die Grenzen geschlossen sind. Soweit wir wissen, werden in Chile keine Pillen für Schwangerschaftsabbrüche hergestellt. Als uns die Vorräte ausgegangen sind, haben wir mit einer Frau gesprochen, die Arzneimittel in der Stadt verkauft. Sie meinte zunächst einmal, der Preis für eine Pille habe sich von 6.000 auf 12.000 Pesos verdoppelt. Bei dem Preis ist es uns unmöglich, in größeren Mengen an das Medikament zu kommen, nur die Frauen aus stabileren ökonomischen Verhältnissen haben Zugang. Kurz darauf sagte uns unsere Kontaktfrau, dass auch sie nun keine Medikamente mehr vorrätig habe. Wir fragten andere Netzwerke in der Nähe, überall kam die gleiche Antwort: Es gibt keine Medikamente mehr, nirgendwo.

Und jetzt?
Wir müssen zu anderen Maßnahmen greifen. Wir arbeiten zum Beispiel mit Frauen aus indigenen Gemeinschaften zusammen daran, Informationen über Verhütung bereitzustellen. Wir arbeiten auch an Methoden zum Schwangerschaftsabbruch mit Pflanzen. Als die Medikamente knapp wurden, standen außerdem viele der Frauen, die auf die Behandlung angewiesen sind, auf einmal mit Fake-Pillen da, für die sie teuer bezahlt haben. Zusammen mit den falschen Pillen erhielten sie Nachrichten sogenannter Lebensschützer*innen, die drohten, sie anzuzeigen. Außerdem gibt es Leute, die die Medikamentenpreise aufs dreisteste in die Höhe treiben. Das sind nicht nur ein oder zwei Gruppen, das Internet ist voll von Fake-Händler*innen.

Wie organisiert ihr euch als Netzwerk und wie fällt ihr Entscheidungen?
María: Das Netzwerk hat sich über die verschiedenen Aufgaben organisiert: die Betreuung davor, danach, die Ausgabe der Medikamente und so weiter. Je nachdem, wie die Aufgaben verteilt wurden, waren manche von uns mehr in bestimmte Fälle involviert als andere. Die emotionale Last ist dabei immer Teil der internen Dynamik so einer Gruppe. Dinge wie Selbstfürsorge und kollektive Unterstützung, auch der Kontakt mit Psychologinnen und Therapeutinnen, sind essenziell, um entscheiden zu können, bis zu welchem Punkt man involviert sein und weiterarbeiten kann. Trotzdem hat sich unsere Gruppe aufgelöst, nicht nur wegen der emotionalen Belastung, die wir alle spürten, sondern weil die betroffenen Personen dem Versprechen, nach ihrem eigenen Fall selbst Unterstützung für andere zu leisten, nicht nachgekommen sind, auch wenn es nur darum ging, einen Erfahrungsbericht zu schreiben.

Welche Netzwerke gibt es aktuell?
María: Es gibt einige feministische, lesbofeministische und queere Gruppen, die in diesem Bereich arbeiten. Con las amigas y en la casa ist vielleicht die bekannteste Organisation. In verschiedenen Regionen sind in letzter Zeit Gruppen an den Universitäten entstanden, die diese Art von Aktivismus dezentralisieren wollen und sich auf die Arbeit in der unmittelbaren Umgebung konzentrieren. Einige beschäftigen sich auch mit der Verbreitung traditioneller Methoden, wie die Abtreibung mit Heilkräutern. Eine solche Abtreibung ist viel weniger invasiv, braucht aber Disziplin, um die Veränderungen, die der Körper durchläuft, erkennen zu können. Es gibt auch einige institutionalisierte Gruppen, Info-Webseiten und Hotlines.

Was erwartet ihr für die Zukunft von staatlicher Seite?
Lobelia: Wir als Kollektiv fordern akut die gesetzliche Transparenz über die Anwendung der drei Gründe für einen legalen Schwangerschaftsabbruch. Von 13 Ärzt*innen in unserer Stadt, die Schwangerschaftsabbrüche durchführen können, weigern sich acht aus Gewissensgründen. Das heißt, selbst bei einer legalen Abtreibung ist es schwierig, jemanden zu finden, der diese durchführt. Dass Schwangerschaftsabbrüche – außer aus drei Gründen – immer noch illegal sind, hinterlässt viel zu viele Fragezeichen.

* Name geändert

AM ANFANG WAR DER HACKATHON

Gui Iribarren ist einer der Hauptorganisatoren des Argentinischen Freien Netzwerkprojekts AlterMundi, in dem ungefähr zehn Aktive konstant mitarbeiten. Vor einem Jahr wurde dem Netzwerk die Rechtsform Verein gegeben, um Ressourcen wie Spenden zu verwalten, aber sie erlaubt auch Zusammenarbeit mit anderen Akteur*innen, zum Beispiel durch Verträge mit Universitäten oder anderen Organisationen. Damit werden Formalitäten erfüllt, die es erlauben, Verbindungen zu knüpfen, die Privatpersonen nicht offenstehen. (Fotos: AlterMundi)

GUI IRIBARREN (links) ist einer der Hauptorganisatoren des Argentinischen Freien Netzwerkprojekts AlterMundi, in dem ungefähr zehn Aktive konstant mitarbeiten. Vor einem Jahr wurde dem Netzwerk die Rechtsform Verein gegeben, um Ressourcen wie Spenden zu verwalten, aber sie erlaubt auch Zusammenarbeit mit anderen Akteur*innen, zum Beispiel durch Verträge mit Universitäten oder anderen Organisationen. Damit werden Formalitäten erfüllt, die es erlauben, Verbindungen zu knüpfen, die Privatpersonen nicht offenstehen. (Fotos: AlterMundi)

Das Projekt AlterMundi baut Gemeinschaftsnetzwerke in Argentinien auf. Wie geht ihr vor?
Vor ein paar Jahren haben wir angefangen, die Netzwerke aufzubauen. Erst in einem Dorf in der Nähe von Córdoba, dann in der Nähe von Buenos Aires. Später sind auch in anderen Nachbardörfern rund um Córdoba Communities entstanden. Danach haben wir soziale Netzwerke aufgebaut, einen Workshop in Santiago del Estero, einer anderen argentinischen Provinz, veranstaltet und dann auch in anderen Ländern – in Brasilien, in Nicaragua. Einige Menschen waren schon seit 2004/2005 dabei, wir hatten schon einmal davor ein Projekt in Buenos Aires, das viel theoretischer war. Es waren andere Zeiten, andere Menschen. Aber seitdem hatten wir ein bisschen Erfahrung und vor allem Interesse an drahtlosen Netzwerken. Am Aufbau von Netzwerken arbeiten wir seit 2012.

Was gab den Anstoß?
Eigentlich fing alles mit einer Person vom Staat an, die anregen wollte, dass im ganzen Land Workshops zu den Themen Freie Software und Kommunikation gegeben werden. Und Nico von AlterMundi, der sich mit ihr getroffen hat, hat vorgeschlagen, auch Gemeinschaftsnetzwerke, das heißt freie Netzwerke, zu machen. Aber schon nach ein paar Monaten war die Person nicht mehr an derselben Position und das gesamte Projekt wurde von Seiten des Staates eingestellt. Wir hatten allerdings bereits angefangen zu planen, wie die Workshops aussehen würden. In Delta, in der Nähe von Buenos Aires, wo ich zu der Zeit gewohnt habe, haben sich bereits viele Leute Router gekauft, und wir waren dabei, damit herumzuspielen. Am Ende haben wir uns entschieden, einfach weiter zu machen, auch ohne die finanzielle Unterstützung vom Staat.
Wir haben im Jahr 2012 mit einem Hackathon (aus „Hack“ und „Marathon“ – eine kollaborative Software- oder Hardwareentwicklungsveranstaltung, Anm. d. Red.) angefangen. Wir waren alle Menschen mit einem sehr technischen Hintergrund, die sich gesagt haben: „Ok, wir werden uns eben selber beibringen, wie man heutzutage Netzwerke macht, damit wir das dann anderen Leuten, die keine großen Technikvorkenntnisse haben, beibringen können.“ Das Ziel war, die Softwareschicht möglichst einfach zu gestalten, so dass es nicht-technischen Menschen möglich sein würde, diese Netze aufzubauen. Später haben wir angefangen, Workshops zu machen, vielleicht mehr oder weniger so, wie wir das beim Originalprojekt gemacht hätten, aber eben autonom.

Welche Rolle spielte die Überlegung, dass in isolierten Gemeinden konventionelle Internet-anbieter kein Interesse daran haben, eine Leitung aufzubauen?
Das spielte schon auch eine Rolle. Ausschlaggebend war aber, dass durch das von der Regierung geplante Projekt mehrere Leute von AlterMundi die Zuversicht hatten, dass wir uns auf eine Unterstützung seitens des Staates verlassen konnten. Am Ende gab es die nicht und wir haben das Projekt trotzdem durchgezogen. Aber die ursprüngliche Notwendigkeit war da. Nico und Jesi von AlterMundi wohnten beispielsweise zu der Zeit in ihrem Dorf ohne Internet, beziehungsweise mit sehr schlechtem Internet und dieser ursprüngliche Hackathon war: „Okay, wir werden hier fünf Router in fünf Häusern installieren, um hier besseres Internet zu haben.“ Das war es.

Was war für dich die Hauptmotivation mitzumachen?
Zu diesem Zeitpunkt hatte ich das erste Mal mit Gruppen gearbeitet und das hat mich sehr begeistert. Diese Idee, Workshops zu machen, kam mir ziemlich genial vor. Und später hatte ich auch die Gelegenheit, das sehr zu genießen. Das war in meinem persönlichen Fall eindeutig die Motivation. Eigentlich hatte ich mich in dem Moment, als wir den Hackathon veranstaltet haben, schon sehr von der Informatik entfernt. Ich hatte meine Nerdzeiten in meiner Jugend und ein bisschen darüber hinaus und habe dann für viele Jahre die Rechner links liegen gelassen. Nicht wegen der Computer, sondern wegen der sozialen Seite bin ich in die Welt der Informatik zurückgekehrt.

Dieser Empowerment-Aspekt, anderen Menschen zu helfen, ihre Kommunikation selbst verwalten zu können, ist dir beim Projekt am Wichtigsten?
Ja. Aber vor allem habe ich während dieses Prozesses auch dazu gelernt, wie man besser helfen kann oder wie man mit Gruppenprozessen und -situationen umgeht, womit ich als Informatiker, als Nerd, null Erfahrung hatte. Ich kann wohl nicht abstreiten, dass es mir Spaß macht, technische Probleme zu lösen. Aber das, was mich in jenem Moment dazu gebracht hat, mich wieder mit diesen Sachen zu beschäftigen, in jenem Moment, als ich mich von den Computern total entfernt hatte, war, dass ich mir dachte: „Ok wenn es darum geht, Workshops zu veranstalten, ist es überhaupt kein Problem, mich für ein paar Stunden hinzusetzen.“

deltalibre4Gibt es Aspekte, die dir beim Projekt weniger gefallen?
Dazu muss ich vorab die Strukturen genauer erklären. Die Idee ist, dass wir diese Organisation sind, die den Aufbau von Netzwerken fördert und dabei hilft, diese aufzubauen, aber die Netzwerke, die dabei entstehen, sind selbstständig. Zum Beispiel heißt das Netz, das wir in Delta mit aufgebaut haben, DeltaLibre und hat seine Autonomie. Wir unterstützen sie, machen Software-Schulungen, etc. Wir bieten ihnen technische Unterstützung an, aber am Ende handelt es sich um zwei verschiedene Strukturen. Und in den Netzwerken gibt es immer soziale Reibungen. In AlterMundi passiert das hingegen nicht so viel, wir sind seit vielen Jahren befreundet.
Unsere Probleme sind meist organisatorischer Natur: wie wir uns intern am besten koordinieren, wie wir miteinander kommunizieren und so weiter. Das größte Problem in den Netzwerken sehe ich darin, dass dort ganz oft Menschen dabei sind, die keine Erfahrung in Gruppenzusammenarbeit haben, die nie auf einem Plenum waren oder an einem kollaborativen Projekt mitgewirkt haben. Am Ende ist dann die technische Seite ziemlich trivial und die soziale nicht. Und für mich war eben das der Knackpunkt: Wie kann man die Community gestalten? Wie werden Konflikte gelöst? Werden Plena veranstaltet oder welche Organisationsform wählen die Leute? Welche Form von sozialem (Zusammen-)Leben erlaubt es, so ein Netz nachhaltig zu verwalten? Ich musste viel Zeit investieren, um so kleine soziale Probleme zu lösen. Vor allem deswegen, weil ich diese Position des Netzinitiators eingenommen habe. Deshalb kannten mich halt die meisten Menschen und hatten in irgendeiner Form Respekt vor mir und sind mir irgendwie gefolgt.

Wie viele Leute sind Teil der Netzwerke?
In Delta kommen, wenn wir ein großes Treffen machen, etwa 20 Menschen. Es gab Zeiten, da haben sich täglich etwa 100 Personen mit dem Netz verbunden, aber als Benutzer*innen. Sie sind zu keinem Plenum gekommen oder so. Vermutlich haben sie es nicht einmal gemerkt, dass es sich um ein freies Netzwerk handelt, denn es war im Endeffekt einfach ein offenes Netz.

Bekommen die Aktivist*innen eine Aufwandsentschädigung oder können sie gar von der Arbeit leben?
Nein. Wir hatten mal die Idee, das gesamte Unterfangen so zu gestalten, dass es sich selber trägt. Wir wollten ein Schema entwickeln, bei dem jedes Netzwerk der Assoziation jeden Monat etwas zahlt. Sagen wir mal einen Euro im Monat pro Router im Austausch gegen den Support, den wir sowieso schon leisteten. Wir wollten eine Art Kompromiss erarbeiten, zu sagen „Okay, wir machen diese ganze Arbeit aus freien Stücken, aber es wäre nicht schlecht, wenn wir nicht auch noch woanders arbeiten müssten. Es wäre schön, wenn wir all unsere Zeit für diesen Support zur Verfügung stellen könnten.“
Aber wir haben es nicht geschafft. Wir haben es in dem Netzwerk von Nono vorgeschlagen. Sie haben schon mitgemacht, aber das Ganze hat nie die Dimension erreicht, dass wir uns davon finanziell tragen konnten, die drei Menschen, die wir waren. Dann haben wir vergangenes Jahr von ein paar Seiten Fördermittel bekommen und einen Preis gewonnen. Das hat uns ermöglicht, Ausrüstung zu kaufen und uns etwas Lohn zu zahlen für ein paar Monate für die Softwareentwicklung, die wir immer gemacht haben, aber damit konnten wir uns eben nur ein paar Monate bezahlen. Die Förderung kam aber nicht vom Staat, sondern von Stiftungen, dem Open Technology Institute (OTI), dem Latin America and Caribbean Network Information Centre (LACNIC) und der Shuttleworth.

Ist es nicht eine Aufgabe des Staates, den Menschen Internetzugang zur Verfügung zu stellen? Besteht sonst nicht die Gefahr, dass sich der Staat aus der Verantwortung stiehlt, wenn Freie Netzwerke sich um Freien Internetzugang für alle kümmern?
Es kommt auf den Staat und auf die Situation an. Die Erfahrung, die wir mit Regierungsorganisationen gemacht haben, war immer „Es ist sehr schön, was ihr tut, wenn wir euch irgendwie helfen können, wollen wir helfen“. Es gab auch den Entwurf für ein Gesetz, das „den Ausbau von Gemeinschaftsnetzwerken stärken und fördern“ sollte. Dieser wurde aber mit dem Regierungswechsel von Cristina Fernández de Kirchner zu Mauricio Macri verworfen. Und alle Menschen, die wir in den entsprechenden Behörden kannten, die über Ressourcen, über Geld, Werkzeug, Zeit, soziale Beziehungen verfügt haben, verfügen nicht mehr darüber. Ich meine, wenn der Staat ein Problem lösen wollen würde, würde er das einfach machen. Sie haben normalerweise viel mehr Ressourcen als jede Privatinitiative. Wenn sie also das Problem nicht lösen, ist es, entweder weil sie nicht wollen, oder weil sie nicht können. Zumindest können sie es nicht in einer Form tun, die für den Staat geeignet ist. Ich hatte mal ein Gespräch mit einer Person aus dem Bezirk von Tigre, und sie meinte zu mir „Ihr könnt das als Einzelpersonen oder als eine Gruppe von Nachbarn machen, aber wir als Bezirk können nicht in einem einzigen Viertel Internet aufbauen und das war es. Denn ich weiß bereits, es werden gleich die Leute aus dem Nachbarviertel aufspringen mit ,Ey, warum hast du da Internet installiert und hier nicht.‘ Ich kann entweder nur überall das Problem lösen, oder nichts tun. Und du als Einzelperson hast die Freiheit, das für dein Viertel zu lösen, ohne dass dir irgendjemand was sagt.“ Kann sein, dass es nicht ganz der Wahrheit entsprach, was sie mir erzählte, aber mir kam es einleuchtend vor. Für uns ist klar: Wir machen weiter – ob mit oder ohne Unterstützung vom Staat.