IN DER PARANOIDEN PARALLELWELT DES BOLSONARISMUS

Sieht nicht nur faschistisch aus Bolsonaro beim cercadinho (Foto: Niklas Franzen)

Langsam rollt die schwarze Limousine heran und bremst vor einem hüfthohen Gitter. Ein Mann öffnet die hintere Tür des Wagens. Jair Bolsonaro steigt aus, richtet seinen Anzug, grinst. Hinter einer Absperrung stehen rund 30 Menschen, ich bin einer davon. Fast jeden Tag trifft Brasiliens Präsident in der Hauptstadt Brasília seine Anhänger*innen vor dem Palast der Morgenröte, der offiziellen Residenz. Er schüttelt Hände, plaudert, posiert für Selfies. Ein Präsident zum Anfassen.

Ich habe mich als Unterstützer getarnt. Denn Journalist*innen sind hier nicht erwünscht. Kolleg*innen rieten mir ab, am cercadinho, am kleinen Zaun, aufzukreuzen. Viel zu riskant, sagten sie. Und ihre Sorge ist nicht unberechtigt. Journalist*innen wurden hier schon beschimpft, bespuckt, geschlagen. Mittlerweile haben sich Medienvertreter*innen daran gewöhnt, von Pressekonferenzen ausgeladen, durch Online-Kampagnen eingeschüchtert und wüst beschimpft zu werden. Auch der Präsident beteiligt sich höchstpersönlich an der Hetze gegen die vierte Gewalt. Vor dem Palast der Morgenröte brüllte er einmal einem Reporter entgegen, dass er Lust habe, ihm sein Gesicht einzuschlagen. Einem anderen erklärte er vor laufenden Kameras, dass er aussehe wie ein „schrecklicher Homosexueller“.

So ist es nicht verwunderlich, dass die großen Medienhäuser ihre Reporter*innen schon länger nicht mehr zum cercadinho schicken. Doch ich wollte unbedingt eines dieser skurrilen Treffen hautnah miterleben. Denn an kaum einem anderen Ort kommt man dem Präsidenten so nah wie hier. An kaum einem anderen Ort wird Bolsonaro so deutlich in seinen Ansprachen. Und an kaum einem anderen Ort lässt sich besser die fast schon religiöse Hingabe von Bolsonaros Anhänger*innen beobachten.

Es gibt nur zwei Kategorien: Für Bolsonaro oder gegen ihn.

Auch für den Präsidenten sind die Treffen enorm wichtig. Sie sind eine Möglichkeit, Dampf abzulassen und Dinge einzuordnen. Ohne Kritik, ohne Widerspruch, ohne Nachfragen der Presse. Ich versuche es trotzdem und spreche Bolsonaro auf eine Klage von Umweltschützer*innen vor dem Internationalen Strafgerichtshof an. Verärgert schaut er mich an und beginnt, sichtlich genervt über NGOs zu schimpfen. Es wird klar: Bolsonaro will hier nicht über kritische Dinge sprechen. Das ist typisch für seinen autoritären Kurs. Dialog findet kaum noch statt. Politik macht Bolsonaro nur für seine Basis. Dass er an diesem Abend wieder einmal haarsträubende Lügen erzählt, stört hier niemanden.

Aus dem ganzen Land sind die Fans des Präsidenten angereist. Tausende Kilometer für ein kurzes Treffen. Einige haben Freudentränen in den Augen. Ein blonder Mann murmelt immer wieder: „Ein Traum ist wahr geworden, ein Traum ist wahr geworden.“ Bei den meisten Menschen löst ein Treffen mit einem Staatsoberhaupt Ehrfurcht aus. Doch bei Bolsonaro ist es mehr. Es ist eine Verehrung, die schon fast sektenhafte Züge trägt. Woher kommt dieser regelrechte Führerkult? Ist es Bolsonaros Persönlichkeit? Sind es seine politischen Ideen? Oder hat er einfach nur Gefühle freigesetzt, die seit langem in den Brasilianer*innen schwelen?

Vor dem Präsidentenpalast lerne ich Clemerson kennen. 37, braungebrannt, Brasilien-Trikot. Mit seinem Sohn ist er aus dem Soja-Bundesstaat Mato Grosso angereist, um „seinen Präsidenten“ zu treffen. Warum er Bolsonaro unterstütze? „Er ist ehrlich. Ganz anders als der Rest.“ Solche Aussagen hört man häufig. Von seinen Anhänger*innen wird Bolsonaro für seine „authentische Art“ gefeiert. Und in der Tat ist er mehr als der hasserfüllte Provokateur. Der Rechtsradikale versteht es, eine einfache Sprache zu benutzen, was in einem Land mit einem geringen Bildungsniveau nicht ganz unwichtig ist. Er ist sehr direkt, erzählt gerne Anekdoten, macht Witze und nimmt nie ein Blatt vor den Mund. Mit dieser Art gibt er seinen Unterstützer*innen zu verstehen: Seht her, ich bin ein ganz normaler Brasilianer! Einer von euch! So ist es für ihn kein Nachteil, dass er nur ein mittelmäßiger Redner ist und wenig Ausstrahlung hat. Im Gegenteil. Fast alle haben einen Onkel oder Bruder, die ähnlich reden oder auftreten wie Bolsonaro. In Zeiten einer schweren gesellschaftlichen und politischen Krise, in der dem politischen Establishment große Ablehnung entgegenschlägt, wünschen sich viele genau so jemand wie Bolsonaro: Hauptsache kein klassischer Politiker.

Addition von Extremen statt gemeinsamer Mitte

Bolsonaro hat sich immer als Vollstrecker des „wahren Volkswillens“ betrachtet. Jemand, der die vermeintlichen Eliten das Fürchten lehrt. Klassischer Populismus. Doch der Bolsonarismus ist mehr, er hat durchaus ein ideologisches Fundament. Ein tropischer Neofaschismus, sagen einige. Klar ist: Im Bolsonarismus vereinen sich ganz unterschiedliche reaktionäre Ideen. Religiöser Fanatismus, Ultranationalismus, Militarismus, Antikommunismus. Was sie zusammenhält, ist die Überzeugung, auf der richtigen Seite zu stehen und eine Haltung, sich hermetisch nach außen abzuschirmen. Zweifel? Gibt es nicht. Kritik? Wird nicht toleriert. Es gibt nur zwei Kategorien: Für Bolsonaro oder gegen ihn. Freund oder Feind. Wir gegen die. Bolsonaro nährt diese Wagenburgmentalität, indem er ständig Konflikte mit den demokratischen Institutionen provoziert.

In der paranoiden Parallelwelt des Bolsonarismus ist das „System“, also die Justiz, der Kongress und die Medien, von einer korrupten Elite infiziert und müsse deshalb gesäubert werden. Richtig ist: Bolsonaro liegt im Dauerclinch mit den Institutionen, weil diese vielen Initiativen der Regierung einen Riegel vorgeschoben haben. Mit seiner Ablehnung der Gewaltenteilung ähnelt Bolsonaro seinen autoritären Zeitgenossen auf der ganzen Welt, die die Parlamente und Justiz entweder zerschlagen haben oder sie frontal angreifen. Diese Schützengrabenlogik hat noch einen weiteren Vorteil: Jegliche Unfähigkeit des Präsidenten lässt sich mit dem Widerstand des „Systems“ erklären. Mehrmals spreche ich Unterstützer*innen von Bolsonaro auf die magere Bilanz ihres Idols an. Die Antwort ist fast immer die gleiche: „Sie lassen den Präsidenten nicht arbeiten.“

Auch die ständigen Eklats und Polemiken haben System. Man hat kaum Zeit, auf einen Zwischenfall einzugehen, schon wird dieser vom nächsten überschattet. Mal gibt Bolsonaro im Fußballtrikot Pressekonferenzen, mal beschimpft er im Kneipenjargon seine politischen Gegner*innen. Dadurch schafft er es, sich ständig in Szene zu setzen, Aufmerksamkeit auf sich zu lenken und von eigenen Fehlern abzulenken. Seine Fans vergöttern ihn für die „unkonventionelle Art“. Seit Bolsonaros fulminantem Wahlsieg im Jahr 2018 ist viel Zeit vergangen. Der Rowdy-Präsident hat die meisten seiner Versprechen nicht eingehalten, das Land an den Rand eines Kollaps geführt. Traumatisiert durch die Pandemie, als Paria im Ausland, zernagt durch die Wirtschaftskrise. Doch obwohl sich viele ehemalige Wähler*innen von Bolsonaro abgewendet haben, kann er sich auf den harten Kern seiner Unterstützer*innen verlassen. Seine Anhänger*innen stehen nicht trotz, sondern wegen seiner ständigen Tabubrüche und Provokationen hinter ihm.

Früher ging es in der Politik einmal darum, so viele Menschen wie möglich zu erreichen. Doch wenn Bolsonaro eine Sache gelernt hat, dann die: Man muss als Politiker nicht mehr die ganze Bevölkerung ansprechen, auch nicht als Präsident. Heute reicht es, die Gesellschaft zu spalten und kleine Gruppen mit einer Idee anzustecken. „Um eine Mehrheit für sich zu gewinnen, ist es nicht mehr nötig, eine gemeinsame Mitte zu finden, sondern man addiert einfach die Extremen“, schreibt der italienische Journalist Giuliano da Empoli in seinem Buch „Ingenieure des Chaos“. Deshalb sollte man den von den Rechten initiierten Kulturkampf nicht unterschätzen. Es geht primär darum, kleine Gruppen anzustacheln. Und damit sind sie extrem erfolgreich. Ein Teil der Gesellschaft driftet immer weiter in rechtsradikale Paralleluniversen ab. Es ist davon auszugehen, dass sich Teile der brasilianischen Bevölkerung noch weiter radikalisieren. Wie weit sind die bereit zu gehen?

Gerade in Krisenzeiten sucht Bolsonaro immer wieder Zuflucht bei seinen radikalisierten Anhänger*innen. Und er versucht konstant Bilder zu produzieren, die ihn als großen Volkstribun zeigen. Bolsonaro düst im Stile des italienischen Faschisten Benito Mussolini in Motorradparaden über Autobahnen, lässt sich vermeintlich spontan an Stränden blicken und von Badegästen feiern. Warum tut er das? Die Antwort ist simpel: Weil er im Prinzip gar keine andere Möglichkeit hat. Durch seine Politik hat sich Bolsonaro weitestgehend isoliert, er hat keine starke Partei hinter sich, gilt für viele Brasilianer*innen als die Hassfigur schlechthin. Ohne seine radikalisierte Basis hat Bolsonaro nicht viel vorzuweisen. Deshalb ist es für ihn auch nicht möglich, sich zu mäßigen oder sich wie ein normaler Präsident zu verhalten.

Im Oktober 2022 findet die nächste Präsidentschaftswahl in Brasilien statt. Einige haben die Hoffnung, Bolsonaro ließe sich an der Urne abwählen. Das stimmt hoffentlich. Doch es wäre fatal, bereits einen Abgesang anzustimmen. Denn bis zur Wahl wird noch sehr viel passieren. Und es ist ein Fehler, ausschließlich auf Amtszeiten zu blicken. Denn der Bolsonarismus wird sich nicht einfach in Luft auflösen, auch wenn der Namensgeber dieses Phänomens nicht mehr Präsident sein sollte. Er repräsentiert eine Idee und eine neue Art, Politik zu machen, nicht nur auf der großen Bühne der Bundespolitik. Bolsonaros Ideen und sein Politikstil sind gekommen, um zu bleiben.

Faschismus und Nationalsozialismus in Lateinamerika

Zunächst zu der Dissertation Jürgen Müllers. Um die AO in Lateinamerika ranken sich wohlgepflegte Legenden von einer „fünften Kolonne“ des nach Weltmacht strebenden Hitlerdeutschland. Müller zeigt, daß die AO eine untergeordnete Abteilung der NSDAP war und sich in endlosen Querelen mit dem Auswärtigen Amt und parallelen Parteistrukturen zerrieb. Die Überschätzung der AO durch die Kriegsalliierten und ihre Mythologisierung nach 1945 ist durch Müllers faktenreiche Analyse widerlegt.
Die NSDAP verstand sich nicht als nationalstaatliche Institution. Sie wollte die Partei der deutschen „Volksgemeinschaft“ sein und beanspruchte überall dort ein Organisationsrecht, wo deutschstämmige Minderheiten lebten. Deshalb wurde die in regionale Gaue untergliederte NSDAP um einen weiteren, überregionalen Gau – eben die AO – erweitert. Für die Nationalsozialisten galt das Gleichschaltungsgesetz des Deutschen Reiches auf der ganzen Welt. Deshalb machten sich die lateinamerikanischen Landesgruppen der AO daran, alle deutschen Gesangs- und Turnvereine, Jugendgruppen, deutschen Schulen usw. der Partei zu unterstellen. Einige Vereine wehrten sich, und sei es aus purer Dickköpfigkeit. Eine katholische, deutschsprachige Zeitung in Chile brachte das im Rückblick grausig-verwirrende Argument: „Wir wollen nicht die Rolle der Juden in Deutschland spielen“, also nicht durch den Druck einer deutschen Zentrale in die Rolle einer sich absondernden Minderheit geraten. Die deutschen evangelischen Gemeinden in Lateinamerika bekannten sich in ihrer Mehrheit zum Nationalsozialismus (dieses Thema wäre eine eigene Untersuchung wert). Die deutschen Katholiken, die sich am Vatikan orientierten, waren viel zurückhaltender.
Die AO-Landesgruppen beteuerten ihre politische Neutralität und spannten gleichzeitig die „Reichsdeutschen“ (deutsche Staatsbürger) für die Zwecke Hitlerdeutschlands ein, notfalls auch durch Pressionen. Die „Volksdeutschen“ (Deutschstämmige ohne deutsche Staatsbürgerschaft) wurden in den scheinbar unpolitischen und unter der Hand gleichgeschalteten Vereinen organisiert. In der Logik der „Volksgemeinschaft“ war das Nebeneinander von Neutralitätsbeteuerungen und politischer Mobilisierung der im Ausland lebenden Deutschen kein Widerspruch. Für die lateinamerikanischen Länder war es Einmischung in die inneren Angelegenheiten. Sie witterten deutsche Annexionsabsichten. Das von deutschen Diplomaten blauäugig vorgetragene Argument, die NSDAP sei Staatspartei und habe deshalb auf alles Deutsche hoheitsrechtlichen Anspruch, konnte diesen Verdacht nur bestärken.
Der Nationalsozialismus kam bei den in Lateinamerika lebenden Deutschen meist gut an. Deutschland, so schien es, war aus der Niederlage im Ersten Weltkrieg herausgerissen. Auch der Antisemitismus fand Resonanz, wurde aber, weitab vom Vernichtungsapparat, zu einer rhetorischen Übung ohne politische Zugkraft. Hier wünscht man sich in Müllers Buch eine klarere Analyse. Gab es im lateinamerikanischen Teil der AO einen alltäglich-unverbindlichen Antisemitismus, während die Partei- und Staatsspitze in Deutschland die Judenvernichtung plante?
In den lateinamerikanischen Ländern war die Auseinandersetzung um die AO oft symbolisch. Welche Lieder durften gesungen, welche Fahnen und Embleme gezeigt werden? Nur in Chile, wo die AO-Landesgruppe am besten organisiert war, gingen die Behörden effektiv gegen sie vor. Mit Beginn des zweiten Weltkriegs waren die lateinamerikanischen Landesgruppen der AO von der Parteizentrale abgeschnitten, und einige waren verboten. Sie blieben ohne Wirkung auf die Außenpolitik der betreffenden Staaten und führten, so Müller, wegen ihren Heimlichtuereien und Einmischungen insgesamt eher zur Ablehnung des nationalsozialistischen Deutschland.
Müller beschreibt in seiner Arbeit, wie schwer sich die Landesgruppen in der Organisationsarbeit taten. Sie konnten nur kleine Teile der deutschen Minderheiten organisieren. Die AO hatte in ganz Lateinamerika etwa 6.000 Mitglieder, von denen viele nicht aktiv waren. Um zu solcher Präzision zu gelangen, hat der Autor viele kaum oder gar nicht erschlossene Archive gründlich und genau durchgearbeitet.
Simone Schwarz vergleicht die chilenische faschistische Bewegung MNS Movimiento Nacional Socialista der dreißiger Jahre, die Landesgruppe Chile der AO und die 1970 gegründete Bewegung “Vaterland und Freiheit”. Die Autorin hat Interviews mit Zeitzeugen geführt und bisher unbekannte Akten und Archive eingesehen, darunter Privatarchive, von deren Existenz Müller nichts wissen konnte. Schwarz beschreibt die Konflikte zwischen den von der Parteizentrale eingesetzten, auf die Neutralität der entsprechenden Länder im Zweiten Weltkrieg bedachten AO-Funktionären und der stets eigenwilligen Basis, die Waffenlager anlegte, spionierte und aus Deutschland geflohene Juden belästigte. Die chilenische AO trug zu einer restriktiven Asylpolitik des Landes gegenüber jüdischen und politischen Flüchtlingen und dem erzwungenen Rücktritt eines Außenministers bei.
Das Verdienst Schwarz‘ besteht vor allem darin, die bürokratische AO im Kontext der jüngeren chilenischen Geschichte mit dem dynamischen MNS zu vergleichen. Die Autorin zeigt die unterschiedlichen ideologischen Wurzeln des MNS auf (italienischer Faschismus, spanischer Falangismus, nationalsozialistische Fragmente und einige Konzepte dessen, was als „Konservative Revolution“ bezeichnet wird). Der MNS mobilisierte einen weit größeren Teil der Chilenen, als es der AO je möglich war. Nachdem er seine politischen Ziele nicht erreicht hatte, unternahm er einen Putsch als „eine Art letzten Revitalisierungsversuch“ und scheiterte.
Schwarz liefert im dritten Teil ihres Buches die einzige umfassende deutschsprachige Untersuchung zur Frente Nacionalista Patria y Libertad : “Vaterland und Freiheit”. Diese Organisation entstand 1970, unmittelbar nach dem Wahlsieg des Sozialisten Allende. Anfangs formulierte “Vaterland und Freiheit” einige gesellschaftspolitische Ziele, die aber bald gegenüber einem militanten Antisozialismus in den Hintergrund traten. Ihr Zweck war der Sturz Allendes. Sie wurde zum Ferment einer gesellschaftlichen Polarisierung, die den Putsch ermöglichte. So klein “Vaterland und Freiheit” war, so nachhaltig beeinflußte die Gruppe die Politik mit einer Mischung aus „zugespitzter Rhetorik und skrupelloser Gewaltbereitschaft“.
Die Organisation verübte hunderte von Sabotageakten und zahlreiche Attentate. Sie verbündete sich mit einem Teil des Offizierskorps und war an dem mißglückten Putschversuch im Juni 1973 beteiligt. AO und MNS waren ihrer politischen Programmatik treu geblieben und gescheitert; “Vaterland und Freiheit” verstand sich als Mittel zum Zweck, als Partei des Putsches, und erreichte ihr Ziel. Als Pinochet sich an die Macht geputscht hatte, ließ er die Rhetorik von “Vaterland und Freiheit” zu und übernahm – vom Folterer bis zum Regierungssprecher – einige ihrer Mitglieder, setzte aber politisch nicht auf die Ständestaatideen seiner Wegbereiter, sondern auf die Modernisierer vom Schlage der Monetaristen.

Jürgen Müller: Nationalsozialismus in Lateinamerika – Die Auslandsorganisation der NSDAP in Argentinien, Brasilien, Chile und Mexiko, 1931-1945, Reihe Histoamericana Bd. 3, Akademischer Verlag, Stuttgart 1997. 564 Seiten.

Simone Schwarz: Chile im Schatten faschistischer Bewegungen – Der Einfluß europäischer und chilenischer Strömungen in den 30er und 70er Jahren, Verlag für akademische Schriften, Frankfurt am Main 1997. 135 Seiten.