„Es gibt Dinge die wir (Menschen) wissen, die wir aber nicht wissen wollen“, sagen die Erwachsenen in Grace Passos Debütfilm Nossos Segredo (Unser Geheimnis) immer wieder. Die brasilianische Regisseuri erzählt darin die Geschichte einer Familie, die nach dem Tod des Vaters in stiller Trauer lebt. Trotz ihrer Bemühungen, in das alltägliche Leben zurückzukehren, sehen sich die Familienmitglieder immer wieder mit diesem Verlust konfrontiert.

Während die Erwachsenen die Belastung schweigend mit sich tragen, zeigt sich das jüngste Kind der Familie am offensichtlichsten betroffen. Tutu fühlt sich nicht gut, ist krank und spricht mit einer scheinbar imaginären Freundin. Er thematisiert nicht nur offen den Verlust des Vaters, sondern auch das Schwarzsein und den Rassismus, dem die Familienmitglieder immer wieder begegnen.
Die Anspannung, die der kleine Junge zu verstehen versucht, kommt durch die Musik deutlich zum Ausdruck, sodass dem Film etwas Unheimliches anhaftet. Angst vor schweren Gefühlen und die Überforderung mit dem Verlust, der sich nicht einfach vergessen lässt, werden durch Erinnerungen und surreale Elemente dargestellt. Unausgesprochene Emotionen, die in den Gesichtern der Protagonist*innen Raum greifen, verleihen vor allem den männlichen Charakteren eine tiefe Verletzlichkeit. Die Trauer wird durch verschiedene Bilder symbolisiert, etwa durch einen Lautsprecher, der sich immer wieder selbst einschaltet und unbeirrt Musik spielt. Das Haus und die Umwelt der Familie erhalten dadurch eine Transzendenz, die sich in den Dialogen mit Außenstehenden fortsetzt. Manche Figuren können mit überraschender Tiefe auf die Emotionen der Protagonist*innen Bezug nehmen, während anderen gänzlich der Zugang zu ihnen verwehrt bleibt.

Immer wieder taucht die schlammige Lehmerde auf, die zunächst von der Decke tropft, durch ihre rote Farbe an Blut erinnert und die emotionale Belastung offensichtlich werden lässt. Wer es gerade nicht einfach hat, steht im Brasilianischen sprichwörtlich mit dem Fuß im Lehm (pé na lama). Mit der ansteigenden Spannung ist der rote Lehm immer häufiger zu sehen bis die aufgestauten Emotionen sich schließlich Bahn brechen.
Tutu führt seinen ältesten Bruder irgendwann in den ersten Stock, den der Vater nie fertig renovieren konnte. Dort wird schließlich die ganze Familie mit der Absurdität und der Schwere ihres Verlusts konfrontiert. Eine dramatische Begegnung mit der bisher unsichtbaren Gesprächspartnerin des Jungen durchbricht die Spannung. Das Haus wird überschwemmt vom roten Schlamm und endlich eröffnet sich der nötige Raum, um sich einander zu öffnen und Gefühle zu teilen. Absurd und poetisch setzt sich der Film mit den Themen Tod und Familie auseinander und kreiert auf schlichte Art und Weise große Dramatik. Ein außerordentlich ästhetischer Film, der neben der emotionalen Thematik einen unaufgeregten Einblick in das tagtägliche Leben einer Schwarzen brasilianischen Familie bietet.
















