Über Wasser bleiben

Ob die das wirklich sehen? Auf dem Dach ihres Hauses albern Paula (Darana Álvarez) und La Maestra (Rocio Guzmán) herum und diskutieren, ob man von einem Flugzeug aus die reflektierenden Signale erkennen kann, die sie mit einem Spiegel in den Himmel über Mexiko City schicken. Die beiden 16-Jährigen sind die Protagonistinnen des Films Chicas Tristes (Sad Girlz), der in der Jugendfilm-Sektion Generation 14plus zum großen Gewinner der 76. Berlinale wurde: Sowohl der Gläserne Bär, verliehen von einer Jugendjury, als auch der Große Preis der internationalen Fachjury gingen an das Spielfilmdebüt der mexikanischen Regisseurin Fernanda Tovar.

© Rosa Hadit Hernández, Colectivo Colmena

Der Film beginnt mit typischen Szenen aus einem Teenager*innen-Leben: Gespräche drehen sich um Schminktipps und Dating-Strategien, es wird gelacht und sich auf Social Media vergnügt. Doch auf die Unbekümmertheit der beiden fällt im Verlauf des Films ein Schatten, als Paula auf einer Party endlich mit ihrem Schwarm Daniel zusammenkommt. Was zunächst wie die Erfüllung eines Traums aussieht, endet in einem traumatischen Vorfall, der nicht nur die Freundschaft der beiden Jugendlichen schwer erschüttert.

Denn Paula gesteht nach längerem Bohren von La Maestra, dass es im abgeschlossenen Badezimmer zu einem sexuellen Übergriff von Daniel auf sie kam, dem sie zuvor klar widersprochen hatte. Was das bedeutet, wird den beiden spätestens nach einem Blick ins Internet klar: Es war eine Vergewaltigung. Doch über das weitere Vorgehen sind sich die Mädchen nicht einig. Während La Maestra darauf drängt, alles öffentlich zu machen, möchte Paula – obwohl sichtlich emotional angegriffen – den Vorfall auf sich beruhen lassen. Die Lage wird zusätzlich dadurch verkompliziert, dass beide mit Daniel zu den Topathlet*innen eines Schwimmteams gehören, das bald zusammen zu den panamerikanischen Jugendspielen nach Brasilien reisen soll. Vor allem die resolute La Maestra muss schon bald schmerzhaft erfahren, wie schwierig es für Missbrauchsopfer ist, Gehör zu finden.

© Rosa Hadit Hernández, Colectivo Colmena

Regisseurin Fernanda Tovar gehört zum Colectivo Colmena, einem Filmkollektiv aus Mexiko City, das sie vor zehn Jahren mitbegründet hat. Selbst etwa doppelt so alt wie die jugendlichen Figuren in ihrem Film, zeigt sie viel Gespür für deren Lebenswelt. Dazu gehört auch, bei Problemen erst mal Chat GPT zu fragen, bevor man sich an eine*n Erwachsene*n wendet. Befindlichkeiten, die viele Teenager*innen nur zu gut kennen, geraten miteinander in Konflikt: Paulas Sorge vor den Konsequenzen für ihr eigenes Leben trifft auf die Tatkraft ihrer Freundin La Maestra, die Unrecht mit aller Macht bekämpfen möchte. Eine zufriedenstellende Lösung für beide scheint schwer möglich. Schließlich müssen die Mädchen einen Weg finden, den unterschiedlichen Umgang mit der Situation zu akzeptieren, wenn ihre Freundschaft nicht daran zerbrechen soll.

Chicas Tristes diskutiert mutig und unkonventionell die heikle Thematik eines sexuellen Übergriffs im Teenager*innenalter. Dabei wird auch der soziale Druck spürbar, als Jugendliche*r möglichst früh sexuelle Erfahrungen zu machen. Durch die klare Fokussierung auf die Opferperspektive und die jugendlichen Gefühlswelten gerät allerdings der Täter im Laufe des Films etwas aus dem Fokus. Es wäre schön gewesen, die Diskussionen in Daniels (Jungen-)Gruppe zu verfolgen oder zu sehen, wie er einer ernsthaften verbalen Konfrontation ausgesetzt wird. Deshalb bleibt bei Chicas Tristes hier trotz aller atmosphärischen Stimmigkeit – die Unterwasser-Aufnahmen aus dem Schwimmbad sind wunderschön gefilmt – das Gefühl einer Leerstelle. Dennoch ist Fernanda Tovar ein relevanter Beitrag zu einem sensiblen Thema gelungen, der durch seine Nähe und Authentizität vor allem viele jugendliche Zuschauer*innen ins Herz treffen dürfte.


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Zum Gruseln

50 Millionen Mal hat sich Das Geisterhaus, der Debütroman der chilenischen Autorin Isabel Allende, weltweit verkauft, davon allein 7 Millionen Mal im deutschsprachigen Raum. An den Erfolg des Buches versucht der Streaming-Dienst Amazon Prime mit einer achtteiligen, auf dem Buch basierenden Serie anzuknüpfen. Die ersten drei Folgen feierten auf der Berlinale 2026 ihre Weltpremiere. Man durfte gespannt sein, denn bereits 1993 war der Stoff mit hochkarätiger Besetzung (u.a. Meryl Streep, Winona Ryder, Antonio Banderas) erfolgreich für das Kino verfilmt worden.  Würde Amazon mit der chilenischen Regisseurin Francisca Alegría (Die Kuh, die die Zukunft besang) und einem Millionenbudget noch einen draufsetzen können?

© Amazon MGM Studios

Der Beginn der Serie lässt darauf hoffen. In Bonbonfarben gefilmt und mit reichlich lateinamerikanischer Folklore vom Beginn des 19. Jahrhunderts ausgeschmückt, bleibt die erste Folge nah an der Buchvorlage der chilenischen Familiensaga und konzentriert sich auf die Kindheit der Protagonistin Clara del Valle (Nicole Wallace). Die hat hellseherische und andere übersinnliche Fähigkeiten und ein inniges Verhältnis zu ihrer großen Schwester Rosa (Chiara Parravicini). Als diese aufgrund einer Verwechslung vergiftet wird und stirbt, beschließt Clara aus Kummer, nicht mehr zu sprechen und das Verhängnis nimmt seinen Lauf – in der Geschichte, aber leider auch filmisch. Denn unglücklicherweise führt das Schicksal (oder vielmehr: das Drehbuch) sie mit Rosas ehemaligem Verlobten Esteban Truebo zusammen. Der wird vom mexikanischen Schauspieler Alfonso Herrera so miserabel gespielt, dass die Serie ab der zweiten Folge, in der Esteban neben Clara in den Mittelpunkt rückt, nicht mehr ernst zu nehmen ist. Beim Blick in sein Gesicht würde man des Öfteren eine leichte Magenverstimmung vermuten. Tatsächlich sind in der Geschichte gerade seine Mutter oder die Liebe seines Lebens gestorben, sein Ausdruck verändert sich dabei allerdings kaum. Die Regie geht aus diesem Grund schon bald dazu über, ihn bei Schicksalsschlägen hauptsächlich im Dunkel oder von hinten zu zeigen. Man möchte Herrera nicht nur eine goldene Himbeere (Preis für die schlechteste filmische Leistung in einem Jahr) für seine episch schlechte Performance überreichen, sondern am liebsten gleich einen ganzen Strauch.

Auch das Drehbuch reiht fortan absurde Einfälle aneinander, die man eher in einem Monty-Python-Film vermuten würde. Auf einer völlig verlassenen Landstraße soll sich ein Unfall ereignet haben, bei dem gleich beide Eltern von Clara ums Leben kommen. Gezeigt wird das zwar nicht, aber es muss der einzige Lastwagen im Umkreis von hunderten Kilometern gewesen sein, mit dem ihr klappriges Gefährt kollidiert ist – ansonsten fährt an dieser Stelle auf schnurgerader Strecke in der ganzen Folge nämlich kein einziges Auto vorbei. Die hochschwangere Clara lässt es sich jedenfalls nicht nehmen, persönlich zur Unglücksstelle zu fahren und mit Begeisterung den (wie auch immer) abgeschlagenen Kopf der Mutter aus dem Gebüsch zu ziehen. Fortan ziert dieser als schmucke Dekoration ihren Nachttisch und kann von dort aus die ehelichen Schlafzimmerszenen mit ihrem Angetrauten Esteban beobachten. Auch der steuert etwas zur Inneneinrichtung bei: Als Hochzeitspräsent für sie hat er aus ihrem geliebten verstorbenen Hund Barrabas einen Teppich schneidern lassen, der nun als Bettvorleger grüßt. Mehr daneben („cringe“ wie jüngere Film- und Serienfans es nennen würden) geht wohl kaum. Das Publikum brach bei der Berlinale-Vorführung angesichts solcher Szenen auch des Öfteren in herzliches Gelächter aus.

Nicht zum Lachen ist dagegen, wie die Serie es mit einem Schulterzucken (und Alfonso Herrera mit der Mimik eines Postbeamten) abtut, dass Esteban Truebo auf seinem Landgut mittlerweile zum Serienvergewaltiger geworden ist und dabei zahllose uneheliche Kinder mit den von ihm abhängigen weiblichen Angestellten gezeugt hat. Geschenkt, dass der angeblich hellsichtigen Clara diese Verbrechen in ihren Visionen komplett entgangen sind. Insgesamt rutscht der Plot von La Casa de los Espíritus mit zunehmender Dauer klar in Richtung drittklassige Telenovela ab, was auch der hochkarätige Cast (u.a. Dolores Fonzi, Maribel Verdú) nicht mehr retten kann. Unterhaltsam ist die Serie nur, wenn die nächste abstruse Wendung in der Handlung für unfreiwillige Komik sorgt. Ein Geisterhaus zum Gruseln.


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Authentisch Deprimiert

Un poeta // Kolumbien 2026 // 123 Minuten // Regie: Simón Mesa Soto // Spanisch mit englischen und deutschen Untertiteln

Wenn Erfolg und Scheitern danach gemessen würden, wie treu wir unseren eigenen Prinzipien sind – hätten wir dann noch dieselben Held*innen? Oscar ist die Hauptfigur einer Geschichte, die in Medellín, Kolumbien, angesiedelt ist. Zu Beginn des Films erscheint er fast wie die Karikatur eines Mannes in seinen Vierzigern, der in seinem Leben nichts erreicht hat: weder den Ruhm oder die Anerkennung, die seine frühe Karriere als Dichter versprach, noch die wirtschaftliche und persönliche Stabilität, die seine Familie von ihm erwartet. Nichts in seinem Leben scheint zu funktionieren.

Er hat ein schlechtes Verhältnis zu seiner pubertierenden Tochter, lebt bei seiner Mutter, wird von seiner Familie unter Druck gesetzt, eine ungeliebte Stelle als Lehrer an einer Schule anzunehmen und hat keine Freund*innen. Immer wieder wacht er betrunken schlafend auf der Straße auf, nachdem er hitzige Diskussionen mit anderen Trinkern über die Bedeutung seines Lieblingsdichters José Asunción Silva geführt hat, dessen Porträt an der Wand seines Zimmers hängt. Oscar bewegt sich zwischen Selbstzerstörung und der Melancholie unerfüllter Träume. Seine fatalistische Sicht auf das Leben lässt ihn sich stark mit dem tragischen Leben und dem selbst herbeigeführten Tod des Dichters identifizieren, den er bewundert. Doch dann lernt Oscar eine junge Frau kennen, die er für ein großes poetisches Talent hält. Ihr dabei zu helfen, ihr Leben zu verändern und bessere Chancen zu bekommen, gibt ihm wieder Sinn und eine Verbindung zur Welt.

Die Geschichte wird aus der abwertenden Perspektive erzählt, aus der die Gesellschaft einen Mann wie Oscar betrachtet. Trotz seines Selbsthasses ist er ein sensibler und respektvoller Mensch, der sich in einer Umgebung wiederfindet, die von Opportunismus geprägt ist – von Menschen, die jemand anderes werden, um dazuzugehören, und die von dem Bild leben, das sie nach außen zeigen. Der Film untersucht mit Spannung und Humor die Heuchelei jener, die gesellschaftliche Anerkennung genießen, deren Leben jedoch auf Manipulation und Lügen aufgebaut ist. Oscars frühere Kolleg*innen, die größere Erfolge in der Poesie vorweisen können, führen ihm vor Augen, dass der Preis des Erfolgs oft darin besteht, sich selbst zu verraten. Vielleicht ist das der Grund, warum er nie Teil dieser Welt war.

Un poeta erzählt mitreißend von den inneren Kämpfe jener, die bereit sind, etablierte Formen und sich selbst zu hinterfragen, um Aufrichtigkeit und Authentizität ins Zentrum zu setzen. Zugleich zeigt die Geschichte Alltagsbilder aus Medellín in unterschiedlichen sozioökonomischen Kontexten und hebt die moralischen Gegensätze hervor, die die Figuren je nach Umfeld durchleben. Die Tragikomödie macht deutlich, dass Kunst je nach Lebensbedingungen ganz unterschiedliche Bedeutungen annehmen kann. Damit bietet der Film eine hervorragende Gelegenheit, die Idealisierung von Kunst angesichts konkreter Realitäten zu hinterfragen – durch eine ebenso unterhaltsame wie tiefgründige Geschichte.


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Der Preis blühender Schönheit

Amor, mujeres y flores // Kolumbien 1989 // 72 Minuten // Regie: Jorge Silva, Marta Rodríguez // Spanisch mit englischen Untertiteln

In den 1970er Jahren wurde die Savanne von Bogotá zum fruchtbaren Boden für das lukrative Geschäft mit Exportblumen. Der Dokumentarfilm Liebe, Frauen und Blumen von Marta Rodríguez und Jorge Silva thematisiert den Kampf der Gewerkschaften für die Würde der Arbeiterinnen. Er wurde anlässlich des kolumbianischen Filmfestivals La Sur Real, siehe LN 620, in Berlin gezeigt.
Mehr als 70.000 Frauen waren in dem Sektor, der als „Frauenarbeit“ galt, rund um Bogotá beschäftigt. Um makellose Blumen zu verkaufen, wurden hochgiftige, im globalen Norden verbotene Pestizide eingesetzt. Dies führte zu schweren Vergiftungen und Fehlgeburten: denn schwangere Arbeiterinnen erhielten nur selten Mutterschutz. Auch Todesfälle sind bekannt. Der Blumen­markt, der Symbole für Schön­heit und Zuneigung vermarktet, beruht auf Formen rassistischer und gender­spezifischer Ausbeutung.


Der ab 1984 über fünf Jahre hinweg gedrehte Film übt kraftvolle Kritik an kolonialer Kontinuität und transnationalem Extraktivismus. Die zutiefst ungleichen Funktionsweisen der Blumenindustrie werden ebenso thematisiert wie der Prozess der Emanzipation der Arbeiterinnen, der kollektiven Organisierung und des gewerkschaftlichen Widerstands. Mit einem klar feministischen Ansatz thematisiert der Film genderspezifische Gewalt und reproduktive Gesundheit. Die gezeigten Perspektiven sind ein poetisches und politisches Zeugnis, das sowohl das Intime als auch das Kollektive offenbart.
Dies gelingt durch die schonungslose Konfrontation mit dem harten Alltag der Frauen, die den kargen Lohn der mitunter zwölfstündigen Arbeitsage oft an ihren Ehemann abgeben müssen und sich zu Hause der Sorgearbeit widmen. Die Erzählung der „Befreiung“, die Einbeziehung von Frauen in den Arbeitsmarkt bedeuten soll, wird ironisch hinterfragt. Denn wie ist Emanzipation in einem System möglich, das Körper, Zeit und Gesundheit ausbeutet?


„Es hat viel Liebe gekostet, diesen Film zu machen“, betont Marta Rodríguez im Epilog des Films. Jorge Silva begann das Projekt mit einem zutiefst menschlichen Blick, der sich der Darstellung sowohl des Leidens als auch der Hoffnungen der Arbeiterinnen verschrieben hatte. Nach seinem Tod im Jahr 1987 übernahm Marta Rodríguez die Fertigstellung des Films und sah sich dabei mit institutioneller Zensur sowie Druck und Angriffen der Unternehmen konfrontiert. Die Restaurierung des Dokumentarfilms hat dem Werk nun seine historische und ästhetische Bedeutung zurückgegeben und bringt ihn auf internationalen Festivals


Heute, mehr als vierzig Jahre später, ist die Blumenindustrie nach wie vor ein wichtiger Wirtschaftszweig für Kolumbien. Doch die Probleme prekärer Arbeitsverhältnisse, gesundheitlicher Risiken und genderspezifischer Ungleichheiten bestehen fort. In diesem Zusammenhang bewahrt Amor, mujeres y flores seine volle Kraft als kritisches und poetisches Instrument, das die Gegenwart hinterfragt und zeitgenössische Formen der Ausbeutung infrage stellt.


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Bereit für den Kampf

The Gospel of Revolution // Frankreich/ Belgien 2024 // 115 Minuten // Regie: François-Xavier Drouet // Französisch, Portugiesisch und Spanisch mit deutschen und englischen Untertiteln // Deutscher Kinostart: 2. April 2026

„Befreiungstheologie ist keine Theorie, sondern Praxis“, erklärt die Schriftstellerin und Chronistin María López Vigil und beschreibt eine katholische Kirche, die sich weigerte, die Armen im Stich zu lassen. Anhand hervorragenden Archivmaterials und rührender Interviews mit Ikonen der lateinamerikanischen Theologie und Revolutions­eschichte, darunter López Vigil selbst, erzählt The Gospel of Revolution die Geschichte von Kirchenmitgliedern, die revolu­tio­näre Bewegungen unter­stützen. In vier Kapiteln stellt der französische Filmemacher Fran­çois-­Xavier Drouet mutige Lateinamerikaner*innen vor, die sich zusammen mit unterschied­lichen Gruppen innerhalb der katholischen Kirche gegen Ungleich­heit und Autoritarismus erhoben. Der Film beginnt mit El Salvador als anschauliches Beispiel für die revolutionäre Umsetzung dieses radikalen Ansatzes des christlichen Glaubens in den 1980er Jahren. Wir folgen einem belgischen Priester, der zum Guerillakämpfer wurde, sowie rebellischen Katechetinnen, inspiriert vom Evangelium.

In El Salvador werden wir auch zum ersten Mal mit der brutalen Verfolgung der Anhän­gerinnen der Befreiungstheologie konfrontiert, die wiederum als Treibstoff für den Aufstand dient.
Zur selben Zeit suchen die revolutionäre Gesellschaft und Regierung in Nicaragua die Nähe zur katholischen Kirche, werden vom Vatikan jedoch scharf zurückgewiesen. Die Zurechtweisung von Papst Johannes Paul II. gegenüber den rebellischen nicaraguanischen Priestern gilt als wichtiger Rückschlag für die Sandinist*innen. Die Utopie Nicara­guas, die vier Jahrzehnte später in Tyrannei ausartete, markiert das bittere Ende eines hoffnungsvollen Kapitels in der Geschichte Lateinamerikas. In Mexiko beleuchtet Drouet die Transformation der Religion in Chiapas.

Jahrhunderte lang diente sie der brutalen Unterdrückung der Indigenen Bevölkerung, bevor sie sich zu einer Verbündeten der Rebellion entwickelte. Brasilien wiederum tritt in mehrfacher Hinsicht in Erscheinung: Als historische Hochburg der Befreiungstheologie, die den Widerstand gegen die Militärdiktatur prägte und Bewegungen gegen Unterdrückung Kraft verlieh; als Herkunft eines ihrer wichtigsten Vertreteri*nnen, Leonardo Boff; und schließlich als Schauplatz für die aktuelle Verbreitung evangelikaler Kirchen, die einen deutlichen Gegensatz zu dem zutiefst politischen Christentum im Rest des Films bilden. Drouet ergänzt die Kapitel durch persönliche Reflexionen über seinen Glauben. Diese Einschübe wirken jedoch wie ein Fremdkörper und stehen im Widerspruch zum kollektiven Geist der porträtierten Protagonistinnen. Die eigentliche Kraft des Films entfaltet sich, wenn er sich ihnen widmet. Drouet gelingt es, ihre Geschichten zu würdigen, ohne sie zu idealisieren, indem er ständige Niederlagen einem unerschütterlichen Optimismus gegenüberstellt. „In diesem System werden wir immer verlieren, aber wir werden kämpfen“, fasst es Pater Júlio Lancelotti zusammen. Trotz Unterdrückung, Martyrium und Verrat kämpfen die besiegten, aber treuen Revolutionär*innen weiter.


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Papayas und Fliegen

Auf der 76. Berlinale (12. – 22. Februar) wird Lateinamerika mit insgesamt 34 Beiträgen vertreten sein. Freuen können sich vor allem die Fans des Kinos aus Brasilien (10 Filme) und Mexiko (8 Filme). Stark reduziert dagegen die argentinische Filmauswahl (3 Filme) – der von Mileis Regierung betriebene kulturelle Kahlschlag infolge der Abschaffung der Finanzierung der staatlichen Filminstitutsagentur macht sich leider schnell bemerkbar. Ein bitterer Verlust, denn das Cine Argentino sorgte in den ver—gangenen Jahren mit Innovation und Humor immer wieder für filmische Highlights und Auszeichnungen auf dem drittgrößten Filmfestival der Welt.

Um den Goldenen Bären konkurriert diesmal als lateinamerikanische Produktion zwar nur der mexika—nische Beitrag Moscas (Fliegen) von Regisseur Fernando Eimbcke, in dem eine Frau einen Untermieter aufnimmt, der auch seinen 9-jährigen Sohn mit ins Zimmer schmuggelt. Dazu be—wirbt sich aber der brasilianische Regisseur Karim Aïnouz mit Rosebush Pruning (Den Rosenbusch stutzen) um den wichtigsten Preis des Festivals. Die Co-Produktion aus verschiedenen europäischen Ländern (unter anderem Deutschland) folgt vier US-amerikanischen Geschwistern in einer spanischen Villa und wartet mit Starbesetzung auf (unter anderem Elle Fanning und Pamela Anderson). Auch in den anderen Sektionen gibt es Vielversprechendes vom Cine Latino zu entdecken: Zum Beispiel stellt Marcelo Martinessi (Paraguay), der 2018 mit Herederas zwei Silberne Bären gewinnen konnte, sein neuestes Werk Narciso vor. Darin geht es um einen Rockstar zu Zeiten der Militärdiktatur, der nach seinem letzten Konzert tot aufgefunden wird. Gespannt sein darf man auch auf Forest up in the Mountain (Argentinien), eine Dokumentation über den Mord an einem jungen Mapuche in Patagonien, und den Debütfilm Hangar Rojo (Chile), der einem Luftwaffenausbilder mit Gewissensbissen während des Militärputsches von 1973 folgt. Der queere Kurzfilm La hora de irse (Time to Go) aus Argentinien schockt mit einem überraschenden Twist und besticht mit Atmosphäre und schwarzem Humor. Und auch in der Kinderfilm-Sektion Generation sind wie so oft großartige Filmperlen aus Lateinamerika zu entdecken: Der süße Zeichentrickfilm Papaya über einen Papayakern, der gegen das Agrobusiness kämpft, und die berührende Enkel-Großmutter-Geschichte Gugu’s World (beide aus Brasilien) sollten gute Chancen haben, Preise zu gewinnen. Als besonderes Extra sind auf dem Festival diesmal erneut drei ehemalige lateinamerikanische Gewinnerfilme des queeren Filmpreises Teddy zu sehen, der dieses Jahr sein Jubiläum feiert.

Rezensionen, Infos und Interviews von der Berlinale 2026 gibt es ab sofort fortlaufend hier auf unserer Webseite, auf unseren sozialen Netzwerken und selbstverständlich in der nächsten Ausgabe der LN.


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EIN FANTASTISCHER FILM

Foto: Berlinale

Sebastián Lelio hat ein Händchen für herausragende Hauptdarstellerinnen. 2013 gewann Paulina García in seinem Film Gloria für ihre Rolle als lebenslustige, kiffende Endfünfzigerin den Silbernen Bären für die beste Darstellung. Vier Jahre später kam Lelio – mittlerweile Wahlberliner – nun mit Una mujer fantástica (Eine fantastische Frau) zurück auf das Festival und ein gewisser Déjá-Vu-Effekt war unverkennbar: Auch diesmal brillierte mit Daniela Vega wieder eine herausragende Hauptdarstellerin in seinem Film. Und auch diesmal hat Lelio die Berlinale wieder mit Trophäen behängt verlassen. Una mujer fantástica gewann den Teddy Award für den besten queeren Film und wurde für das beste Drehbuch aller Filme im Wettbewerb ausgezeichnet. Beides völlig zu Recht, denn der Film erfüllt thematisch, dramaturgisch und künstlerisch höchste Ansprüche.

Daniela Vega spielt Marina Vidal, eine talentierte junge Salsa- und Opernsängerin in Santiago zu Beginn ihrer Karriere. Marina heißt laut ihrem Pass zwar noch Daniel, tatsächlich nennt sie aber außer der Polizei schon lange niemand mehr so. Seit einem Jahr ist sie glücklich mit dem deutlich älteren Orlando (Francisco Reyes) liiert. Eines Nachts fühlt der sich plötzlich unwohl und obwohl Marina alles in ihrer Macht stehende tut, stirbt Orlando kurze Zeit später im Krankenhaus. Doch zum Trauern bleibt Marina keine Zeit, denn ihre ganze Energie wird nun von der Familie des Verstorbenen beansprucht, die alles daran setzt, ihr die Dinge wegzunehmen, die sie an ihren Geliebten erinnern: Wohnung, Auto, Hund. Marina setzt dem zunächst wenig Widerstände entgegen, um Probleme zu vermeiden.

Aufgrund ihrer Identität als Transfrau und vermeintliche Familienzerstörerin sieht sie sich der kompletten Klaviatur der Diskriminierung ausgesetzt: Von schiefen Blicken über offene Beleidigungen bis hin zu entwürdigender Behandlung, Entführung und physischer Gewalt auf offener Straße ist alles dabei. Marina bleibt letzten Endes nur ein Ausweg: Sie muss mit all ihrer Kraft kämpfen, wenn sie erreichen will, was vielen anderen selbstverständlich zugestanden würde. Lelios Film nur auf die – speziell in Lateinamerika natürlich hochrelevante – Gender-Thematik zu reduzieren, würde der Vielschichtigkeit des Films nicht gerecht. Una mujer fantástica ist auch ein Film über das Trauern, das Loslassen von einem geliebten Menschen und die Notwendigkeit, gleichzeitig sein Leben weiterzuleben. Immer wieder steht der tote Orlando Marina noch vor Augen und immer wieder legt ihr dessen Familie Steine in den Weg, um zu verhindern, dass sie von ihm Abschied nehmen kann. Aus einem Gottesdienst für den Toten wird sie mit den Worten „Haben Sie denn keinen Respekt vor der Trauer anderer?“ abrupt hinausgeworfen – ungeachtet der Tatsache, dass es ihr Geliebter war, der gerade verstorben ist. Dennoch setzt Marina weiterhin alles daran, sich das „Menschenrecht, um einen Menschen trauern zu dürfen“, wie sie es im Film selbst ausdrückt, nicht nehmen zu lassen.

Dem Film tut gut, dass Marina nicht überall gegen Widerstände ankämpfen muss. Von etablierten Machtstrukturen wie Polizei, Kirche oder auch den Ärzten im Krankenhaus wird sie zwar mehrfach diskriminiert. Bei ihrer Familie und ihren Arbeitskolleg*innen findet sie dagegen vollen Rückhalt und Akzeptanz, was – neben der beeindruckenden Darstellung von Daniela Vega – Lelio dabei hilft, seine Figur nicht nur als klischeehaftes Opfer zu zeigen. Wunderschön sind außerdem die Momente, in denen die Geschichte sich von der filmischen Realität entfernt und Marina plötzlich auf der Straße nicht mehr vorankommt, weil sie gegen einen Sturm ankämpfen muss oder in einem Techno-Club zur Anführerin einer Revuetanzgruppe wird. Schließlich schafft es der Film auch noch, ein vernünftiges Ende zu finden – eine Qualität, die auf der diesjährigen Berlinale keine Selbstverständlichkeit war. Una mujer fantástica war ein Highlight des Festivals und einer der ernsthaftesten Bewerber um den goldenen Bären für den besten Film. Aber auch wenn den Preis letzten Endes ein anderer gewonnen hat, ändert das nichts daran: Una mujer fantástica  ist einfach „una película fantástica“ – ein fantastischer Film.

 


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SCHILLERND UND SCHWERMÜTIG

© Agustina Comedi

Der Kurzfilm Playback. Ensayo de una despedida der argentinischen Dokumentarfilmerin Agustina Comedi (El silencio es un cuerpo que cae) entführt die Zuschauer*innen in das Nachtleben der Gruppe Kalas (Grupo Kalas). Als trans Frauen und Dragqueens begehrten sie mit ihren Auftritten gegen die Unsichtbarkeit queeren Lebens im postdiktatorischen Argentinien auf. Doch statt Aufbruch und Ausbruch erleben die in wackeligen Videoaufzeichnungen festgehaltenen Mitglieder den Verlust ihrer „Soldatinnen“ durch HIV.

„La Delpi“, die einzige Überlebende der Gruppe Kalas, kommentiert die alten VHS-Videos. Zeugnis und Bild fallen auseinander, treffen wieder zusammen oder werden von den Antworten ihrer Freund*innen während eines Drag-Contests unterbrochen. In ihren Aussagen bricht sich die Lebensrealität der Trans*-Community schonungslos Bahn. Da wird durch die klassische Frage an die Schönheitskönigin: „Wenn sie Präsidentin sind, welches Dekret würden sie als erstes verabschieden?“ der Graben deutlich, der zwischen situativer Selbstermächtigung und gesellschaftlicher Akzeptanz liegt: „Ein Dekret, dass jede*r Trans* sicher die Straße entlanglaufen kann.“

Dieser Wunsch hat sich in Argentinien auch nicht durch die Verabschiedung des Gesetzes zur Genderidentität (Ley de Identidad de Género) im Jahr 2012 erfüllt. Infolge des Gesetzes verzeichnete das Land zwar einen relativen Rückgang staatlicher Repressionen gegen trans Personen, doch der Kampf gegen die – oftmals tödliche – Gewalt auf den Straßen und im Haus ist weiterhin eine zentrale Forderung von Aktivist*innen.

Vor diesem Hintergrund ist der Film von Comedi zweierlei: eine Hommage an die Akteur*innen der sich nach der Diktatur rekonstituierenden Trans*-Community und ein wertvolles Zeitdokument für heutige Aktivist*innen. Die dokumentarische Tätigkeit als eine Form des Aktivismus zu begreifen, wird in Argentinien seit 2012 von der Gruppe rund um das Archiv der Trans*-Erinnerung (Archivo de la memoria trans) vorgelebt. Auch deren Mitglieder haben die Diktatur überlebt, viele im Exil. Das Sammeln der Dokumente, das Wiederentdecken und Zeigen der gemeinsamen Geschichte bildet eine Grundfeste, von der Trans*–Aktivismus in Argentinien heute ausgeht. Comedi leistet durch ihren Kurzfilm einen ebenso schillernden wie schwermütigen Beitrag über das solidarische Miteinander in vergangenen Kämpfen gegen Marginalisierung und gegen den Tod.


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Fragmente des Verbrechens

Bester Hauptdarsteller Wagner Moura wird in Cannes für seine Rolle als Secret Agent belohnt (Foto: Port au Prince Pictures)

Einsam ist die Tankstelle im Nirgendwo des brasilianischen Nordostens, wo der quietschgelbe VW Käfer hält. Und doch entdeckt sein Fahrer Marcelo sofort ihr grausiges Geheimnis: Fast unmittelbar neben der Zapfsäule liegt eine Leiche, von Fliegen umschwirrt, das Gesicht notdürftig mit Pappen bedeckt. Ein missglückter Überfall war dem verhinderten Räuber zum Verhängnis geworden. Doch weder der Inhaber der Tankstelle noch die vorbeikommenden Polizisten oder Marcelo bemühen sich darum, den Toten von der Straße zu schaffen. Denn ein Menschenleben, noch dazu das eines Kriminellen, zählt nicht viel in Zeiten der brasilianischen Militärdiktatur. Das wird in Kleber Mendonça Filhos epischem Gesellschaftsporträt The Secret Agent (O Agente Secreto) schnell deutlich. Und auch die Erinnerung an Verbrechen und Widerstand dieser Zeit ist im neuen Film des aktuell vielleicht ambitioniertesten brasilianischen Filmemachers (u.a. Bacurau, Aquarius) oft lückenhaft und selektiv. Marcelo (Wagner Moura, bekannt als Pablo Escobar aus der Netflix-Serie Narcos) gerät als Universitätsdozent zwischen die Fronten, als ein skrupelloser Geschäftsmann mit besten politischen Kontakten sich seine Forschungen mit einem miesen Trick unter den Nagel reißen will. Von Auftragskillern gejagt, sucht er in seiner Heimatstadt Recife Zuflucht in einer Unterkunft, die auch anderen politisch Verfolgten eine sichere Anlaufstelle bietet. Hilfe bekommt er dabei von Herbergsmutter Sebastiana (herzerwärmend: Tânia Maria) und der Fluchthelferin Elza (Maria Fernanda Cândido). Sein Job unter falscher Identität im städtischen Meldeamt gibt ihm zudem Gelegenheit, die Arbeit einer korrupten Polizeieinheit aus nächster Nähe unter die Lupe zu nehmen.
Zu Recht wurde The Secret Agent mit zwei wichtigen Preisen beim Filmfestival in Cannes belohnt (Bester Hauptdarsteller, Beste Regie) und folgerichtig auch als brasilianischer Beitrag für den Oscar nominiert. Wirklich einfach macht der Film es seinem Publikum allerdings nicht. Selbst Kenner*innen der brasilianischen (Film-)Kultur dürften Schwierigkeiten haben, alle versteckten Anspielungen und Referenzen zu entziffern. Da wird zum Beispiel ein abgetrenntes Bein im Magen eines Hais gefunden, das später laut der Sensationspresse ein Eigenleben entwickelt und nachts in den Parks von Recife sein Unwesen treibt: Ein Verweis auf eine gängige Medienpraxis zu Zeiten der Diktatur. Dort lenkten solche Schauermärchen von der echten Folter und den außergerichtlichen Hinrichtungen durch Staatsorgane ab, die wegen der Zensur verschwiegen wurden. Präsent ist auch die strukturelle Benachteiligung des brasilianischen Nordostens durch den reichen Süden, verkörpert durch die Figur des skrupellosen Industriellen Girotti (Luciano Chirolli). Und cineastische Referenzen an zeitgenössische Horrorfilme wie Der weiße Hai oder Omen bindet Filmfreak Mendonça ebenso ein wie einen Kommentar auf die Schließung vieler traditioneller Vorführsäle in Brasilien, die zu Zeiten der Repression kleine Orte des Atemholens von der Realität darstellten.


Kein Spionagethriller


The Secret Agent ist ein Film, der sich – ähnlich wie Marcelo selbst – als etwas tarnt, was er gar nicht ist. Schon der Titel ist auf ironische Weise irreführend: Selbstverständlich muss der Protagonist seine Identität geheim halten. Aber wer auf einen klassische Spionagethriller hofft, wird enttäuscht. Denn an subversive Aktivitäten ist für Marcelo nicht zu denken. Ein Agent im eigentlichen Sinne kann und will er nicht sein, denn sein einziges Ziel ist es, so schnell wie möglich mit seinem Sohn das Land zu verlassen. So ist der Film auch keine frontale Anklage der Militärdiktatur, sondern wirkt eher wie ein trojanische Pferd, indem er durch Alltagsbeobachtungen ein Panorama der Gesellschaft eines Landes zeichnet, in dem sich niemand sicher fühlt und ein Leben von heute auf morgen am seidenen Faden hängen kann. Korruption und illegale Machenschaften der Polizei sind an der Tagesordnung, das Chaos des Karnevals wird von ihr für Morde an Oppositionellen missbraucht. Dabei heuern Auftragskiller andere Auftragskiller an, um sich die Hände nicht schmutzig und ohne großen Aufwand schnelles Geld zu machen. Politische Geflüchtete treffen sich in geheimen Unterkünften, tauschen Geschichten aus, schmieden Pläne und verschwinden wieder. Manches davon wird im Film ausführlich gezeigt, anderes wie nebenbei, wieder anderes gar nicht. Gelegentlich tauchen Lücken in der Erzählung auf, Handlungsstränge und Figuren verlieren sich und scheinbar banalen Details wird stattdessen Platz eingeräumt. Über zweieinhalb Stunden nimmt Mendonça Filho seine Zuschauer*innen mit auf eine räumliche und zeitliche Reise, die gerade deshalb faszinierend ist, weil sie keiner perfekt getrimmten Handlung folgt. Ort und Epoche, die fast physisch spürbar gemacht werden, sind die wahren Protagonisten des Films. Eine wichtige Rolle spielen dabei die bis ins letzte Detail fantastisch ausgesuchten und gestalteten Drehorte in Recife, der Heimatstadt des Regisseurs. Satte Farben machen das Erlebnis hyperrealistisch und erinnern anCity of God, den bis heute vielleicht ikonischsten aller brasilianischen Kinofilme (der allerdings in Rio de Janeiro spielt). Während dessen klassisch-lineare Erzählweise ihn zu einem riesigen Publikumserfolg machte, verweigert sich The Secret Agent im Gegensatz dazu dem Massengeschmack durch seine stark fragmentierte Dramaturgie. Wer sich aber darauf einlässt, dass wie in der Realität auch im Film nicht alle Geschichten einen befriedigenden Abschluss finden können, wird mit einem besonderen Kinoerlebnis belohnt. Denn The Secret Agent vermittelt neben dem umfassenden Porträt einer Epoche auch das dazugehörende Gefühl zwischen latenter und offener Bedrohung und stellt dadurch einen aktuellen Kommentar zum vielerorts in der Gegenwart wieder um sich greifenden Autoritarismus dar.


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„Ich wurde Malvinera“

Gabriela Naso (Foto: Juliana Garzón Beltrán)

Wie kam es zu der Idee des Projekts und warum gerade das Thema der Malvinas im Kontext der argentinischen Militärdiktatur?
Während meiner Zeit an der Universität in Lomas de Zamora (Ballungsraum von Buenos Aires, Anm. d. Red.) berichtete ich als Dokumentarjournalistin über Menschenrechtsthemen. In meiner Ausbildung wurden die Malvinas als militärische Heldentat dargestellt, losgelöst von der argentinischen Diktatur. Aber als ich von den Folter-Vorwürfen von Soldaten erfuhr, wurde mir klar, dass sich dort dieselben Praktiken des Staatsterrorismus wiederholt hatten. Der heroische Diskurs hatte diese Kontinuität nur verschleiert. Ende 2016 war ich dann im Rahmen meiner Berichterstattung über die Kampagne zur Identifizierung der 123 gefallenen Soldaten in La Plata und interviewte dort Soldaten, die während des Falklandkriegs gekämpft hatten. Ich erfuhr von dem Gerichtsverfahren, in dem die Misshandlungen untersucht werden und begann, die Geschichte anhand von Interviews mit ehemaligen Kämpfern, Anwälten und Menschenrechtsaktivisten zu rekonstruieren. Ich sammelte immer mehr Zeugenaussagen, über die ich zunächst schriftlich berichtete. Mit der Zeit begann ich aber auch, persönlich an den Aktivitäten der ehemaligen Soldaten in La Plata teilzunehmen. Ich besuchte ihre Dienstagstreffen, begleitete sie bei Demonstrationen und marschierte am 24. März 2019 mit ihnen zur Plaza de Mayo, dem Hauptplatz in Buenos Aires. Auf diesem Weg begegnete ich einer Gruppe, deren Werte ich zutiefst teilte und durch sie verschrieb ich mich der Sache der Malvinas. Ich wurde Malvinera.

Wie verlief der Prozess des Infragestellens des heroischen Diskurses der Streitkräfte und der Rolle des argentinischen Staates?
Es begann damit, dass ich Zugang zu freigegebenen Archiven der Streitkräfte erhielt. Ich entdeckte, wie ein Apparat des Schweigens aufgebaut worden war, nicht nur, um die Soldaten zum Schweigen zu bringen, sondern auch, um die Angehörigen der Verschwundenen zu isolieren. Die Diktatur hatte die Idee einer „Heldentat” durch die Medien gefestigt und „Märtyrerfiguren” erschaffen. Die späteren Amnestiegesetze hatten die Anzeige von Missbräuchen erschwert und erst Jahrzehnte später kam es zu einer Anhörung und einem Gerichtsverfahren. Dabei wurden einige der ehemaligen Soldaten zum Reden ermutigt, aber viele waren weiterhin mit Stigmatisierung und der Normalisierung von Gewalt im Zusammenhang mit dem Militär und Männlichkeitsvorstellungen konfrontiert.

Was denkst du, welche Rolle hatte und hat die Bevölkerung beim Aufbau eines kollektiven Gedächtnisses über den Krieg um die Malvinas?
Anfangs fand die Gesellschaft kein Gehör für die ehemaligen Soldaten und ihre Beschwerden über die auf den Malvinas erlittenen Gewalttaten. Die Gesellschaft schaute in vielen Fällen einfach weg und während die Soldaten in der öffentlichen Debatte als „Helden des Vaterlandes” bezeichnet wurden, fingen einige an, sich als „Antihelden” zu identifizieren. Mit der Zeit, insbesondere seit der Einführung staatlicher Maßnahmen zur Aufarbeitung der Vergangenheit – wie der Freigabe von Archiven und der Unterstützung der Gerichtsverfahren während der Amtszeit von Cristina Fernández de Kirchner –, wurde die Malvinas-Frage auch in der Gesellschaft aus menschenrechtlicher Perspektive betrachtet. Organisationen wie die Provinzkommission für Erinnerung, die Großmütter und Mütter der Plaza de Mayo sowie Bildungsprogramme in Schulen griffen diese Sichtweise auf und trugen dazu bei, den Konflikt neu zu bewerten. Heute erkennt ein Großteil der Bevölkerung an, dass auch auf den Malvinas staatlicher Terrorismus präsent war.

Gab es eine Aussage oder bestimmte Momente während der Dreharbeiten, die dich besonders beeindruckt haben?
Ja, ein Moment, der mich besonders beeindruckt hat, war, als Miguel Anderfuhrn beschloss, seine Anzeige beim Bundesgericht einzureichen. Als er tief bewegt aus dem Gericht kam, hatte er einen intensiven Austausch mit Roberto Cipriano García, dem Anwalt der Provinzkommission für Erinnerung. Miguel sagte, seine Aussage sei „Teil dessen, was allen widerfahren war”. Roberto antwortete ihm, dass sei das, was ihm widerfahren sei und erinnerte ihn daran, dass Überleben nicht bedeute, keine Gewalt erlitten zu haben. Er war mit dem Tod bedroht worden und sie hatten ihm eine Waffe an den Kopf gehalten, weil er versuch hatte, einem festgehaltenen Kameraden zu helfen. Die Vorbereitung und Begleitung dieser Anzeige hatten Jahre gedauert und als er schließlich seine Aussage gemacht hatte, brach er zusammen. Später erzählte er mir, dass er sich fühlte, als wäre eine riesige Last von ihm genommen worden. Ihn und seine Familie in diesem Prozess begleiten zu dürfen, war eine zutiefst bedeutsame Erfahrung. Es war eine dieser Erfahrungen, die den Beruf rechtfertigen und den Sinn der kollektiven Wiedergutmachung verkörpern.

Warum sind die Malvinas so ein wichtiges Thema für die nationale Identität Argentiniens?
Die Malvinas sind für Argentinier ein zentrales Thema, nicht nur, weil es so in der Verfassung festgelegt ist, sondern weil die Inselgruppe ein tiefes Gefühl des argentinischen Volkes hervorruft. Das zeigt sich in Poesie, in Fangesängen und Tätowierungen ebenso wie durch Flaggen und Wandmalereien – die Inseln sind einfach Teil unserer argentinischen Identität und mit der Zeit hat sich dieses Gefühl nur noch verstärkt. Die Bedeutung der Malvinas geht dabei weit über den Krieg von 1833 hinaus (Beginn der britischen Besetzung der Malvinas, Anm. d. Red.). Heute dauert der Streit um die Souveränität mit Großbritannien an, da sich in dieser Region, die reich an natürlichen Ressourcen ist und strategisch mit der Antarktis verbunden ist, ein NATO-Militärstützpunkt befindet. Daher sind die Malvinas nicht nur ein militärischer Konflikt, sondern auch eine Frage der Geopolitik, der Souveränität und des kollektiven Gedächtnisses.

Der Dokumentarfilm wird nun schon seit einigen Monaten gezeigt. Welche Wirkung hatte er, was hat sich verändert und was gibt es noch zu tun?
Der Film wurde insgesamt sehr gut aufgenommen. Die Premiere fand am 1. April dieses Jahres in Buenos Aires in einem Saal mit 400 Zuschauern statt und als ich sah, dass die Hälfte des Saals weinte, dachte ich: „Das funktioniert”. Die Menschen waren tief bewegt, viel mehr als ich erwartet hatte und das ist für mich entscheidend. Der Dokumentarfilm wurde auch auf mehreren Festivals gezeigt: Die Tour übertraf meine Erwartungen, vor allem weil ich aus dem Journalismus komme und die Auseinandersetzung mit der audiovisuellen Sprache eine große Herausforderung für mich war. Aber dank der Unterstützung des Kameramanns Fernando León González und des gesamten Teams ist es uns gelungen, die Geschichte so zu vermitteln, wie wir es wollten. Jetzt hoffen wir, den Film weiterhin in Kulturzentren, Universitäten, Schulen und Gedenkstätten zeigen zu können, um die Diskussion aufrechtzuerhalten. Parallel dazu beginne ich gerade mit der Planung eines neuen Filmprojekts über die Malvinas, das sich auf zwei Frauen konzentriert, die 200 Jahre voneinander getrennt, aber durch dasselbe Land verbunden sind: María Sáez Vernet und Clara Bernet. María war eine der ersten Personen „am Ende der Welt“ und ist Chronistin der Entstehung des argentinischen Volkes auf den Malvinas. Clara, ihre Nachfahrin, ist eine Aktivistin, die die Geschichte dieses Volkes verteidigt und sich für die Entmilitarisierung des Südatlantiks einsetzt. Aus der Perspektive der beiden Frauen können wir meiner Meinung nach einen sehr frischen und interessanten Ansatz bieten, um die Geschichte der Malvinas zu behandeln.

Welche Erkenntnisse lassen sich aus dem Prozess des Films ziehen, um über Mechanismen für Wahrheit, Gerechtigkeit und Wiedergutmachung in anderen Kontexten von Diktaturen oder bewaffneten Konflikten in Lateinamerika nachzudenken?
Eine zentrale Erkenntnis des Prozesses war, das gesprochene Wort und die Bedeutung kollektiver Räume des Zuhörens wertzuschätzen. Der Dialog mit den Opfern darf keine erneute Viktimisierung sein, sondern muss eine echte Einbeziehung sein, die es ihnen ermöglicht, das Werk für sich anzunehmen. Die ehemaligen Soldaten sollen sich im Film authentisch repräsentiert fühlen. Ich möchte nicht nur Zeugnisse oder Notizen sammeln, sondern damit etwas bewirken. Deshalb ist es wichtig, sowohl mit den Menschen, die von ihren Erfahrungen berichten, als auch mit dem Produktionsteam, das auf die Stimmung und Intensität jedes einzelnen Zeugnisses vorbereitet sein muss, eng zusammenzuarbeiten. Ein Beispiel dafür war das Interview mit Silvio Katz, den ich dabei begleitet habe, seine Vergangenheit auf behutsame und respektvolle Weise in die Gegenwart zu holen. Ich glaube auch, dass öffentliche Maßnahmen notwendig sind, die sich um die psychische Gesundheit derjenigen kümmern, die Konfliktsituationen durchleben und dass der Staat Informationen zur Verfügung stellen muss, damit diese Verbrechen untersucht werden können. Aus kultureller Sicht kann die Kunst einen wichtigen Beitrag zum Aufbau des kollektiven Gedächtnisses leisten.


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Zu schön, um wahr zu sein

„Ich bin Gaucha und das ist meine Kleidung!“ Auf die Schuluniform hat Guada keine Lust. Stattdessen möchte sie im Unterricht mit blauem Kleid, weißem Halstuch und schwarzem Hut erscheinen – dem Erkennungsmerkmal aller Gauchos und Gauchas, der argentinischen Variante der Cowboys*girls. Wie diese Episode letztlich ausgeht, bleibt ungewiss. Denn dem Dokumentarfilm Gaucho Gaucho der US-amerikanischen Regisseure Michael Dweck und Gregory Kershaw geht es nicht darum, Geschichten zu Ende zu erzählen oder zu problematisieren. Ziel des Films war, das Lebensgefühl der Viehhüter*innen aus dem Norden Argentiniens zu transportieren – und dabei verdammt gut auszusehen.
Beides ist den Filmemachern geglückt, wie zwei Dokumentarfilmpreise bei den Festivals von Sundance und Locarno beweisen. Gaucho Gaucho ist eine Hommage an Menschen, die ein Leben in Einklang mit der Natur verbringen. In wunderschönen Schwarz-Weiß-Bildern im Breitbildformat Cinemascope sehen wir ihnen, manchmal in Zeitlupe, beim Reden, Tanzen, Viehtreiben, Lassowerfen und immer wieder beim Reiten durch die wilde Landschaft zu. Protagonistin des Films ist die 17-jährige Guada, die ein Leben als Gaucha und Rodeoreiterin beginnen will und bereit ist, ihrem Traum alles unterzuordnen. Allerdings wird beim Zusehen klar: Ein Rodeoturnier ist kein Ponyhof. So begleitet die Kamera Guada dabei, wie sie sich stolz darauf vorbereitet, ihr erstes Pferd zuzureiten. Wie die Unternehmung ausgeht, zeigt die nächste Einstellung: Sie schleppt sich auf Krücken durchs Bild. Unterkriegen lässt sich die junge Gaucha nicht: Bald sitzt sie wieder im Sattel.
Gaucho Gaucho folgt neben Guada auch anderen Menschen aus verschiedenen Generationen, die als Gauchos leben: Unter anderem Solano, der seinem 5-jährigen Sohn sein Handwerk beibringt oder dem über 80-jährigen Lelo, der in Rückblicken über sein Leben philosophiert. Der Film gibt der Ästhetik dabei den Vorzug vor Authentizität und wirkt häufig eher wie eine Doku-Fiktion. Die Protagonist*innen werden nicht durch Kommentare aus dem Off oder Interviews vorgestellt, sondern über Gespräche, die sie miteinander führen. Die Aufnahmen sind bewusst selektiv: Kaum vorstellbar, dass die einzigen Autos in der Gegend die verrosteten Schrottkarren sind, an denen die Pferde so elegant vorbei galoppieren. Und auch Smartphones, die garantiert vorhanden sind, werden nicht gezeigt – vermutlich, um die archaische Cowboy*girl-Romantik nicht zu stören. Die Realität von Gaucho Gaucho gleicht so weniger einem Dokumentarfilm als einer aus der Zeit gefallenen Illusion.
Das ändert nichts daran, dass sich der Film in vollen Zügen genießen lässt. Nicht nur die Bilder sind herausragend schön, die Musik ist exzellent ausgewählt. Von gezupften Gitarrenakkorden über die argentinische 60s-Rockband Los Gatos bis zum französischen Komponisten Georges Bizet: Hier passt jedes Stück. So sehr, dass man manchmal fast vergisst, dass die hyperästhetisierte und überidyllische Welt von Gaucho Gaucho in der Wirklichkeit natürlich nicht so existieren kann. Was aber letzten Endes nicht so schlimm ist: Denn wo sonst als im Kino sollte es erlaubt sein, von einer Welt zu träumen, die ein bisschen zu schön ist, um wahr zu sein.


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Berliner Collage

© Distruktur, If You Hold a Stone, 2016

Einsam ist es auf dem Containerschiff, das Melissa und Gustavo über den Atlantik bringt. Die Wellen rauschen, auf dem Deck steht ein Liegestuhl und von der Crew ist kaum etwas zu sehen. Dazu hört man aus dem Off gesprochene Poesie. Fast fühlt es sich an wie eine Kreuzfahrt über den unwirklich blauen Atlantik, von Brasilien nach Deutschland.

Doch so träumerisch-unkompliziert bleibt es nicht die ganze Zeit über in Melissa Dullius’ und Gustavo Jahns experimentellem Film Muito Romântico, der bereits 2016 auf der Berlinale Premiere feierte und 2025 im Rahmen der Reihe Forum Expanded Jubiläum neu aufgelegt wurde. In Berlin angekommen, werden die beiden Filmemacher*innen aus dem Süden Brasiliens mit den Freuden und Leiden der Künstler*innenexistenz konfrontiert: Neben dem Finden neuer Freundschaften sowie unvermeidlichen Partys und Drogentrips steht auch die mühselige Wohnungssuche in der deutschen Hauptstadt an. Dazu stellt sich nach der Anfangseuphorie ein Fremdheitsgefühl ein, das auch anderen Migrant*innen zu schaffen macht. Doch die Zeit hilft, darüber und über andere persönliche Probleme hinwegzukommen und sich in der neuen Realität zurechtzufinden.

Muito Romântico ist ein interessanter Mix aus experimenteller Collage und autobiografischer Mockumentary über das Leben zweier Filmemacher*innen. Oft poetisch verfremdet, lassen sich die episodischen Ausschnitte aus dem Leben von Melissa und Gustavo gut nachvollziehen. Besonders schön ist das am Aussehen der Wohnung zu sehen, die sich im Laufe des Films durch neue Möbel und Dekorationen ständig verändert und so zum Symbol des Lebens und der Beziehung des Paars wird.

Zum Ende hin will der Film allerdings etwas zu viel: Da öffnet sich ein kosmisches Portal in der Wohnung, das angeblich Verbindungen zwischen verschiedenen Dimensionen und Zeitebenen herstellt. Das verwirrt etwas (unter anderem werden die Protagonist*innen nun durch andere Personen dargestellt) und wäre so auch gar nicht nötig gewesen, da der Film auch vorher schon durch andere Symboliken diese Transzendenz spürbar macht. Dennoch ist Muito Romântico eine atmosphärisch-künstlerische Betrachtung migrantischer Erfahrungen in Berlin geworden, in der viele zugezogene Berliner*innen einige Momente ihres eigenen Lebens aus der Anfangszeit in der Stadt wiederentdecken dürften. Der Film erhielt deshalb auch eine Special Mention beim Preis für den besten Kunstfilm auf dem New Horizons Filmfestival in Breslau 2016.


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Durch die Erinnerung neu erzählt

Bajo las banderas, el sol | Under the Flags, the Sun von Juanjo Pereira
PRY, ARG, USA, FRA, DEU 2025, Panorama

Über die Militärdiktaturen in Brasilien (1964-1985), Argentinien (1966-1973) und Chile (1973-1990) ist schon viel gesagt worden. Die 35 Jahre dauernde Diktatur im benachbarten Paraguay steht im Vergleich dazu weniger oft im Blickpunkt. Unter dem Vorwand, la paz y el progreso („Frieden und Fortschritt“) zu garantieren, übernahm General Alfredo Stroessner 1954 die Macht und blieb bis 1989 in der Hauptstadt Asunción im Amt.

Juanjo Pereiras historischer Dokumentarfilm Bajo las banderas, el sol (Under the Flags, the Sun) basiert auf der Wiederherstellung von Bild- und Tonarchiven aus mehr als drei Jahrzehnten, die die Stroessner-Regierung, die Reaktion der Bevölkerung auf die Diktatur und die Kommentare der internationalen Presse aus den Vereinigten Staaten, Frankreich, Deutschland und Brasilien zeigen. Durch kreativen und intelligenten Schnitt konstruiert der Film eine zugängliche Erzählung über den Aufstieg und Fall des paraguayischen Diktators und seiner Regierung. 

General Stroessner wurde ohne Gegenkandidaten zum Präsidenten gewählt und regierte mit der Unterstützung der Armee und der konservativen Colorado-Partei. Wie in anderen südamerikanischen Diktaturen wurde die Figur desAnführers von seinen Anhänger*innen vergöttert: der angebliche Retter des Vaterlands und der Familie, der die Nation von der kommunistischen Bedrohung befreit hatte. Mit Unterstützung der Vereinigten Staaten nahm Paraguay zusammen mit anderen südamerikanischen Ländern an der Operation Condor teil, die offiziell zur Bekämpfung von „Terrorismus und Subversion“ durchgeführt wurde.

Wie Bajo las banderas, el sol  gut dokumentiert, verbündete sich das Regime nicht nur mit anderen Diktaturen der Südhalbkugel bei der Unterdrückung von Gegnern, sondern unterhielt auch zwielichtige Beziehungen zu flüchtigen Nazi-Verbrechern wie Josef Mengele. Der Nazi-Offizier und Arzt im Konzentrationslager Auschwitz pendelte in der Nachkriegszeit straflos zwischen Argentinien, Paraguay und Brasilien hin und her.

Das Stroessner-Regime war verantwortlich für Folter, Verschwindenlassen, Todesfälle und ins Exil getriebene Menschen. Der Film zeigt, was mit Bürger*innen geschah, die eine regierungsfeindliche Haltung einnahmen: Die Ermittlungsbehörden folterten politische Gefangene – wie mutmaßliche Kommunist*innen oder Mitglieder von Gewerkschaften und Arbeitnehmerorganisationen. Die systematischen Menschenrechtsverletzungen führten zu internationalen Beschwerden und mobilisierten Organisationen wie Amnesty International.

Auch auf dem Land gab es Repressionen. Ein kurzes Interview mit einem Bauern spricht diesbezüglich Bände: „Wenn der Bauer vom Polizeichef vorgeladen wird, hat der Polizeichef Recht, und der Bauer hat den Mund zu halten (…) Ich als Bauer habe kein Recht, der Behörde auch nur ein halbes Wort zu sagen“.

Die Gegenüberstellung von offiziellen Reden, Interviews und internationalen Kommentaren ermöglicht in Bajo las banderas, el sol  einen kritischen Blick auf die Vergangenheit. Dabei wird auch eine sehr wichtige Stimme respektiert: das Schweigen. Es hat nicht nur eine ästhetische Funktion, sondern dient auch der Überleitung und Reflexion. Das Schweigen wird von Pereira strategisch eingesetzt, um die Bilder für sich selbst sprechen zu lassen – beispielsweise in den Szenen, die die Zivilbevölkerung zeigen, die sich zur Unterstützung von Stroessners Regierung versammelt hat.

Nicht alle der wiedergefundenen Bilder sind von höchster Qualität: einige weisen Reproduktionsfehler auf. Die Entscheidung, diese Bilder im Film zu belassen, scheint beabsichtigt zu sein, denn sie verweist auf den Verlust des historischen Gedächtnisses und die Herausforderungen bei der Bewahrung der Vergangenheit.

Der Dokumentarfilm von Juanjo Pereira zeichnet sich nicht nur durch sein unglaubliches erzählerisches Können aus, sondern auch durch eine ästhetische Intellektualität, die die didaktische Kraft der Aufarbeitung der tragischen Geschichte eines Landes unterstützt. Und er unterstreicht die politische Rolle des Kinos bei der Bewahrung der Erinnerung und der sozialen Reflexion. 


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Zwischen Erwachen und Erwachsenwerden

Foto: Plan B Entertainment

Eines Nachmittags vertraut Cecilia (Andrea Suárez Paz) ihrem Sohn Olmo an, sich um seinen Vater Néstor (Gustavo Sánchez Parra) zu kümmern. Der ist mit Multipler Sklerose bettlägerig und zum Überleben auf seine Familienmitglieder angewiesen. Auch sonst geht es der Familie nicht wirklich gut: Sie sind drei Monatsmieten schuldig, es gibt weder Zeit noch Geld für selbstgekochtes Essen (außer der Tiefkühl-Lasagne, die der Vater nicht essen will) und die Stereoanlage ist kaputt. All das hält den 14-jährigen Olmo aber nicht davon ab, sich für seine Nachbarin Nina (Melanie Frometa) zu interessieren. Seiner älteren Schwester Ana (Rosa Armendáriz) geht es ähnlich wie ihm: Sie will ihre Jugend abseits von Verpflichtungen erleben. Währenddessen versucht ihre überforderte Mutter, ihren häuslichen und finanziellen Verpflichtungen nachzukommen, indem sie Doppelschichten in einem Restaurant arbeitet.

Fernando Eimbckes Film Olmo wurde in der Sektion Panorama der Internationalen Filmfestspiele Berlin 2025 uraufgeführt. Es ist Eimbckes vierter Film und das zweite Mal, dass der mexikanische Regisseur an der Berlinale teilnimmt. Das erste Mal war er 2008 mit Lake Tahoe vertreten, einem Film, der mit dem Silbernen Bären für den Alfred-Bauer-Preis ausgezeichnet wurde. Sein Regiedebüt gab er 2004 mit Temporada de Patos, der in Cannes uraufgeführt wurde und in seinem Heimatland mehrere Preise gewann. Im Jahr 2013 präsentierte er Club Sandwich, seinen dritten Spielfilm, der beim 61. Internationalen Filmfestival von San Sebastian unter anderem mit dem Preis für die beste Regie ausgezeichnet wurde.

Olmo spielt 1979 in New Mexico und schildert auf humorvolle Weise den komplexen Übergang vom Heranwachsen zum Erwachsenwerden in einem von Unsicherheit geprägten Umfeld. Aivan Uttapa spielt darin den Protagonisten: Olmo ist ein junger Mann, der versucht, den Härten seines Zuhauses zu entkommen, indem er sich in seine Freundschaft mit Miguel (Diego Olmedo) und seine romantischen Träume zurückzieht.Sein Freund nimmt dabei im Laufe des Films die Rolle des treuen Helfers für ihn ein, fast wie Sam Gamdschie für den Helden Frodo in der Fantasy-Saga Herr der Ringe. Unter anderem unterstützt er ihn dabei, seinen Schwarm Nina dazu zu bringen, ihn zu einer Party einzuladen. Aber die Sache hat einen Haken: Die Eintrittskarte dafür ist, sich die Stereoanlage der Familie auszuleihen. So muss sich Olmo zwischen der Verantwortung für seine Angehörigen und dem Wunsch, seine Jugend zu leben, entscheiden. Auf diese Weise zeigt der Film eine unausweichliche Wahrheit: Erwachsenwerden bedeutet, schwierige Entscheidungen zu treffen.

Doch Olmo ist mehr als nur eine Coming-of-Age-Geschichte, sondern auch ein intimes Porträt einer Migrant*innenfamilie, in der die Eltern auf Spanisch kommunizieren und die Kinder auf Englisch antworten. Einer Familie, die durch die Krankheit von Néstor zerbrochen ist, der als Vater, obwohl körperlich eingeschränkt, immer noch versucht, seiner Rolle mit Anekdoten und Ratschlägen gerecht zu werden, auf die seine Kinder nicht immer hören wollen. Das fehlende Gleichgewicht in seiner Familie hinterlässt Olmo in einem großen Dilemma: Inwieweit soll er mit Aufgaben belastet werden, die seinem Alter nicht entsprechen? Während seine Mutter und seine Schwester versuchen, auf ihre Weise zu entkommen, sehnt auch er sich nach einer solchen Pause. So erinnert uns der Film daran, dass das Erwachsenwerden nicht nur ein Prozess der Selbstfindung ist, sondern auch ein Akzeptieren der familiären Bindungen, mit all der Last, die sie mit sich bringen.

Olmo ist kein effekthascherischer Film, aber wenn er erst einmal angefangen hat, überzeugt er mit seinen Charakteren, einer soliden Geschichte und einem sorgfältigen Setting. Er handelt vom Aufwachsen und von Beziehungen in einer unvollkommenen Familie und erinnert uns daran, dass das Leben wie ein Film sein kann. In dieser Geschichte ist die Familie kein idealisierter Zufluchtsort, sondern ein komplexes Band, das von Opfern und kleinen täglichen Kämpfen aufrechterhalten wird. Jede Figur geht auf ihre eigene Weise mit der Realität um, aber alle sind durch eine gemeinsame Wahrheit verbunden: Trotz ihrer Brüche bleiben sie ein Team, in dem Verantwortung und Zuneigung in einem fragilen Gleichgewicht koexistieren.



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Magisch und realistisch

© Aline Arruda

Drei Filme aus Lateinamerika im Wettbewerb der Berlinale – das ist selten. Aber selten war es auch so verdient wie 2025, denn alle drei Beiträge konnten vollends überzeugen. Als Außenseiter ins Rennen gegangen, verließen sowohl O Último Azul (Der Blaue Pfad) aus Brasilien (Großer Preis der Jury) als auch El Mensaje (Die Nachricht) aus Argentinien (Preis der Jury) mit je einem Silbernen Bären das Festival. Die Preise, die auch als zweiter bzw. dritter Platz des Wettbewerbs bezeichnet werden können, gingen an zwei vor allem stilistisch mutige Filme, die ohne große Budgets mit Leichtigkeit und einer gewissen Magie die Geschichten von Aussteiger*innen aus dem vorgezeichneten Leben erzählten. Etwas zugänglicher ist Regisseur Gabriel Mascaros sanfte Dystopie O Último Azul. In dieser gar nicht so unrealistischen Zukunftsvision nimmt der Staat alten Menschen die Selbstbestimmung.

Dagegen rebelliert die 75-jährige Tereza (Denize Weinberg) und flieht in einem Boot ins Herz des Amazonasgebiets (siehe Rezension auf Seite 46). Während hier wunderschöne Bilder fast zu erwarten waren, hat Iván Fund mit El Mensaje das Kunststück geschafft, selbst der rauen und spröden Landschaft Nordargentiniens durch eindrucksvolle und warme Schwarz-Weiß-Bilder einen Zauber zu verleihen. Manche Zuschauer*innen erinnerte das Roadmovie über ein Mädchen, das mit Tieren sprechen kann und damit Geld für seine Familie verdienen soll, sogar an Werke des italienischen Großmeisters Federico Fellini. Durch seine langen Einstellungen und seine eher assoziative als lineare Erzählweise ist der Film aber sperriger, als es zunächst scheint. Mit Michel Francos Dreams (Mexiko) ging der dritte lateinamerikanische Wettbewerbsbeitrag zwar leider ohne Preis nach Hause. Die radikale Abrechnung mit dem mexikanisch-amerikanischen Traum am Beispiel einer toxischen Abhängigkeitsbeziehung von Personen aus beiden Ländern konnte aber trotzdem auf vielen Ebenen überzeugen und bereicherte das Festival.

Der dritte große Erfolg für das Cine Latino war El diablo fuma (y guarda las cabezas de los cerillos quemados en la misma caja) („Der Teufel raucht – und bewahrt die verbrannten Streichholzköpfe in derselben Schachtel auf“) aus Mexiko. Der Film mit dem längsten Titel der Berlinale 2025 gewann den ersten Preis in der neuen Sektion Perspectives, die den besten Debütant*innenfilm auszeichnet. In der kammerspielartig erzählten Geschichte aus den 1990er Jahren werden fünf Kinder von ihren Eltern verlassen und müssen versuchen, zu Hause mit ihrer schizophrenen Großmutter ihr Leben weiterzuführen. Auch hier mischt sich die harte Realität mit magischen Elementen, denn nicht nur die Großmutter hat das Gefühl, dass der Teufel dem Haus regelmäßige Besuche abstattet.

In weiteren Sektionen gab es Lobende Erwähnungen für lateinamerikanische Filme. So wurde die peruanische Dokumentation La memoria de las mariposas („Die Erinnerung an die Schmetterlinge“), die aus dekolonialer Perspektive die brutalen Verbrechen des Kautschukhandels im 20. Jahrhundert aufarbeitet, verdientermaßen von der Jury des Dokumentarfilmpreises gewürdigt. In der Jugendfilmsektion Generation konnten besonders die Kurzfilme überzeugen: Die Internationale Jury erwähnte lobend den Kinderkurzfilm Akababuru: Expresión de asombro („Akababuru: Ausdruck des Erstaunens“, Kolumbien), in der ein Indigenes Mädchen mit magischer Unterstützung lernt, sich zu behaupten. Die Jugendjury belohnte außerdem die poetische chilenische Reflexion Atardecer en América („Dämmerung über Amerika“) über die gefährliche Migrationsroute durch die Anden und Lucia Murats brasilianische Dokumentation Hora do recreio („Playtime“), in der Schüler*innen durch Diskussion und Theaterspiel ihre Diskriminierungserfahrungen austauschen, mit einer Würdigung.

Erfreulicherweise bleibt das Niveau im lateinamerikanischen Film also weiter erstaunlich hoch, und das über alle Genregrenzen hinweg. Denn auch andere Beiträge wie zum Beispiel der wilde peruanische Horror-Stilmix Punku (das Quechua-Wort für Tor), der einfühlsame Familienfilm A natureza das coisas invisíveis (Das Wesen unsichtbarer Dinge“, Brasilien) oder die persönlich-politische Aktivist*innendoku Colosal aus der Dominikanischen Republik konnten die LN-Redaktion überzeugen. Auf unserer Website gibt es Kritiken dieser und vieler weiterer lateinamerikanischer Filme der 75. Berlinale zu lesen. Viel Spaß dabei!


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