
In den 1970er Jahren wurde die Savanne von Bogotá zum fruchtbaren Boden für das lukrative Geschäft mit Exportblumen. Der Dokumentarfilm Liebe, Frauen und Blumen von Marta Rodríguez und Jorge Silva thematisiert den Kampf der Gewerkschaften für die Würde der Arbeiterinnen. Er wurde anlässlich des kolumbianischen Filmfestivals La Sur Real, siehe LN 620, in Berlin gezeigt.
Mehr als 70.000 Frauen waren in dem Sektor, der als „Frauenarbeit“ galt, rund um Bogotá beschäftigt. Um makellose Blumen zu verkaufen, wurden hochgiftige, im globalen Norden verbotene Pestizide eingesetzt. Dies führte zu schweren Vergiftungen und Fehlgeburten: denn schwangere Arbeiterinnen erhielten nur selten Mutterschutz. Auch Todesfälle sind bekannt. Der Blumenmarkt, der Symbole für Schönheit und Zuneigung vermarktet, beruht auf Formen rassistischer und genderspezifischer Ausbeutung.
Der ab 1984 über fünf Jahre hinweg gedrehte Film übt kraftvolle Kritik an kolonialer Kontinuität und transnationalem Extraktivismus. Die zutiefst ungleichen Funktionsweisen der Blumenindustrie werden ebenso thematisiert wie der Prozess der Emanzipation der Arbeiterinnen, der kollektiven Organisierung und des gewerkschaftlichen Widerstands. Mit einem klar feministischen Ansatz thematisiert der Film genderspezifische Gewalt und reproduktive Gesundheit. Die gezeigten Perspektiven sind ein poetisches und politisches Zeugnis, das sowohl das Intime als auch das Kollektive offenbart.
Dies gelingt durch die schonungslose Konfrontation mit dem harten Alltag der Frauen, die den kargen Lohn der mitunter zwölfstündigen Arbeitsage oft an ihren Ehemann abgeben müssen und sich zu Hause der Sorgearbeit widmen. Die Erzählung der „Befreiung“, die Einbeziehung von Frauen in den Arbeitsmarkt bedeuten soll, wird ironisch hinterfragt. Denn wie ist Emanzipation in einem System möglich, das Körper, Zeit und Gesundheit ausbeutet?
„Es hat viel Liebe gekostet, diesen Film zu machen“, betont Marta Rodríguez im Epilog des Films. Jorge Silva begann das Projekt mit einem zutiefst menschlichen Blick, der sich der Darstellung sowohl des Leidens als auch der Hoffnungen der Arbeiterinnen verschrieben hatte. Nach seinem Tod im Jahr 1987 übernahm Marta Rodríguez die Fertigstellung des Films und sah sich dabei mit institutioneller Zensur sowie Druck und Angriffen der Unternehmen konfrontiert. Die Restaurierung des Dokumentarfilms hat dem Werk nun seine historische und ästhetische Bedeutung zurückgegeben und bringt ihn auf internationalen Festivals.
Heute, mehr als vierzig Jahre später, ist die Blumenindustrie nach wie vor ein wichtiger Wirtschaftszweig für Kolumbien. Doch die Probleme prekärer Arbeitsverhältnisse, gesundheitlicher Risiken und genderspezifischer Ungleichheiten bestehen fort. In diesem Zusammenhang bewahrt Amor, mujeres y flores seine volle Kraft als kritisches und poetisches Instrument, das die Gegenwart hinterfragt und zeitgenössische Formen der Ausbeutung infrage stellt.















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